Was mich freut, was mich ärgert

Es gibt keine Verlängerung

von Redaktion

Mit ihren 84 Jahren ist Franziska Kagerer eine der ältesten Kundinnen im Freibad. Fast täglich dreht sie bereits frühmorgens um 7.30 Uhr ihre Runden. „Das tut mir gut“, sagt die zu 90 Prozent behinderte Aschauerin. Deshalb wünscht sie sich sehnlichst, dass das Freibad auch den ganzen September hindurch noch geöffnet hat.

Rosenheim – Mit diesem Wunsch steht Franziska Kagerer nicht allein: Die etwa 20 Frühschwimmer – vor allem ältere Damen und Herren – würden in diesem Traumsommer die Freibadsaison gerne verlängert wissen. Sie lieben die Rosenheimer Einrichtung – dank ihrer Sauberkeit, ausreichend großer Becken zum Ausschwimmen und gepflegter Grün- sowie Sanitäranlagen. Es ist eine kleine Gemeinschaft, die sich hier frühmorgens trifft, um sich im Wasser zu bewegen und auch einmal ein wenig miteinander zu ratschen. „Alle nehmen Rücksicht“, freut sich Franziska Kagerer, die nicht mehr Brustschwimmen kann und stets etwas Zeit benötigt, bis sie aufgrund ihrer körperlichen Behinderung im Wasser ihre Linie gefunden hat. Das regelmäßige Schwimmen ist für sie ein Jungbrunnen: „Es ist gut für Gelenke und Muskeln. Ich bin beweglicher, kann deshalb besser umgehen mit meiner Krankheit“, sagt sie. In die Seen der Region wagt sich die 84-Jährige, die an Krücken geht, nicht mehr: Der Beckenrand in Rosenheim gibt ihr dagegen den notwendigen Halt.

„Wo ein Wille ist,

ist auch ein Weg“

Franziska Kagerer

„Ich spreche für uns alte Damen, die immer durch das Raster fallen und für alles bitten und betteln müssen. Wir wünschen uns, dass das Freibad wenigstens morgens für ein paar Stunden bis Ende September öffnet“, sagt Franziska Kagerer. „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, ist sie überzeugt.

Doch der zuständige Bereichsleiter bei den Stadtwerken, Betreiber des Freibades, verweist auf Anfrage der OVB-Stadtredaktion darauf, dass die Rosenheimer Einrichtung generell viel länger geöffnet habe als andere. Die Freibadsaison in Deutschland gehe allgemein vom 15. Mai bis zum 31. August. In Rosenheim würden die Stadtwerke schon am 1. Mai starten und bis zum 9. September öffnen – 24 Tage länger als üblich. „Gemessen daran schließt das Rosenheimer Freibad nicht schon am 9. September, sondern erst am 9. September“, findet Franz Gerthner.

Am 10. September öffne außerdem das Hans-Klepper-Hallenbad. Ein nahtloser Übergang für Schwimmer sei damit gewährleistet. Ein Hallenbad ist für viele jedoch keine Alternative: Es ist die frische Luft, die guttut, berichten die Freibadfans.

Doch die Stadtwerke verweisen noch auf einen weiteren Grund, der die Freiluftsaison am 9. September abschließt: Am 10. September enden die Sommerferien. Erfahrungsgemäß sinke die Zahl der Badegäste im September, auch bei sehr schönem Wetter, stark ab. „Die Betriebskosten bleiben aber fast gleich. Es entsteht ein immer stärkeres Missverhältnis. Nachdem der Betrieb des Freibades ohnehin hohe Verluste aufweist, würden die Kosten einer Saisonverlängerung zulasten der Stadtwerke gehen. Die Eintrittsgelder sind vernachlässigbar. Das eingeplante Verlustbudget würde überzogen“, zeigt Gerthner die Folgen auf.

Hinzu komme, dass die Arbeiten zur „Winterfestmachung“ des Freibades bereits terminiert und dass die Mitarbeiter nicht mehr alle verfügbar seien. Ein Teil des Personals werde im Hallenbad gebraucht, ein anderer Teil habe seinen aufgeschobenen Jahresurlaub fest geplant. Deshalb teilt der Bereichsleiter für die Bäder fest: „Es gibt keine Überlegungen, die Saison heuer zu verlängern.“

Auch eine Verkürzung der Öffnungszeit würde die Kosten der Stadtwerke im Ergebnis kaum verringern, da alle technischen Anlagen 24 Stunden am Tag weiterbetrieben werden müssten, geht Gerthner auf den Vorschlag ein, nur morgens für die Frühschwimmer noch ein paar Wochen lang zu öffnen. Technische Vorgänge wie die Badewasseraufbereitung seien nicht abhängig von der Öffnungszeit. Bei den kühlen Septembernächten würde viel zusätzliche Energie für die Beckenheizung verbraucht, warnt der Stadtwerke-Vertreter.

Er weist auch darauf hin, dass die vielen Laubbäume im Freibad ab Mitte September ihre Blätter abwerfen. „Viele davon fallen in die Becken und verstopfen die Schwallwasserrinne. Die Mitarbeiter müssten täglich noch früher als in der Sommersaison im Bad sein, um dieses benutzungsfähig zu machen. Das Laub belastet auch die Badewasseraufbereitung.“

„Alle sollen sich wohlfühlen“

Franz Gerthner, Stadtwerke

Ein weiterer Punkt ärgert Franziska Kagerer. Dass bereits frühmorgens die Rutsche geöffnet wird. Sie und weitere ältere Badegäste wünschen sich, dass diese Anlage erst ab 8 Uhr zum Austoben bereit steht. Bei insgesamt 2500 Quadratmetern Wasserfläche gibt es ausreichend Ausweichmöglichkeiten, findet Gerthner jedoch. Und verweist darauf, dass sich die Stadtwerke allen Badegästen gleichermaßen verpflichtet fühlten – auch Familien mit Kindern. „Alle sollen sich wohlfühlen.“

Noch eins stört Franziska Kagerer am Freibad: Die Umkleidekabine für Behinderte teilen sich Männer und Frauen. „Da fühle ich mich als ältere Frau nicht wohl.“ Heute sei es Standard, den Sanitär- und Umkleidebereich für Behinderte nicht nach Geschlechtern zu trennen, so Gerthner. Der Bereich im Freibad sei so konzipiert, dass immer nur ein Gast den Raum nutze, plus Hilfsperson. „Nach unseren Erfahrungen ist dies bei einem Bad dieser Größenordnung üblich und ausreichend. Selbstverständlich gehen wir dabei davon aus, dass die Badegäste gegenseitig und insbesondere auf Behinderte Rücksicht nehmen“, antwortet Gerthner. Unabhängig davon wäre im Freibad kein Platz für eine weitere Umkleide.

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