In alten Zeitungsbänden geblättert

Fast 5000 Besucher auf dem Campingplatz

von Redaktion

Ein Blick zurück in die Vergangenheit sagt viel über die Entwicklung einer Stadt und die Sichtweise früherer Generationen. Vieles wiederholt sich auch in verblüffender Weise. Wir haben deshalb in alten Zeitungsbänden geblättert und präsentieren in unregelmäßigen Abständen die interessantesten Dinge aus bestimmten Jahren. Heute geht es um die Zeit vom 10. bis 23. September.

Rosenheim – „Zwetschgen-Verkauf. Der erste Waggon Zwetschgen ist heute früh eingetroffen und kam am Lagerhaus zum Verkauf. Weitere zwei Waggons befinden sich unterwegs und werden voraussichtlich am Dienstagvormittag hier sein. Nochmals wird darauf hingewiesen, daß genügend Zwetschgen eintreffen, um alle Marken beliefern zu können. Es ist deshalb nicht nötig, daß das Publikum wie beim heutigen Verkauf so außerordentlich andrängt.“

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„Sammelt Obstkerne! Dieser Mahnruf wurde im vergangenen Jahre mit solch vorbildlichem Eifer befolgt, daß Rosenheim Stadt und Land 42 Zentner Kerne zur Oelgewinnung abliefern konnten. Leider ist uns heuer der Überreiche Obstsegen des letzten Jahres vorenthalten. Aber gerade deshalb muß jeder einzelne Kern umso sparsamer aufbewahrt werden, haben doch die Kriegsjahre mit ihren vielfachen Sammlungen uns gelehrt, welch große Erfolge aus Kleinigkeiten zu erzielen sind.“

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„Die bayerische Frauenhaar-Sammlung als amtlich beauftragte Haar-Uebernahmestelle der Kriegsrohstoff-Abteilung für das Königreich Bayern übernimmt jedes Quantum ausgekämmter Frauenhaare und alter Haararbeiten.

Sie ist ein rein vaterländisches Unternehmen und übergibt das von ihr gesammelte Frauenhaar, das für die kriegswirtschaftlichen Zwecke dringend benötig wird, restlos der Kriegsindustrie zur Herstellung von Treibriemen, Filz (Dichtungsringe für die Marine usw.). Wer also sein Haar der bayerischen Frauenhaar-Sammlung und deren Sammelstellen gegen Bezahlung übergibt, erfüllt eine vaterländische Pflicht.“

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„Rosenheimer Darsteller im Film. Wie wir erfahren, wird die erste Liebhaberin des Rosenheimer Volkstheaters, Fräulein Fannerl Schuller, demnächst auch auf der weißen Leinwand zu sehen sein. Gegenwärtig spielt sie gemeinsam mit ihrem Bruder bei der Aufnahme eines neuen Films die Hauptrolle.“

„Arbeitslosenquote in Rosenheim: 1,2 Prozent. Der Arbeitsmarkt im August. Der seit Monaten zu verzeichnende wirtschaftliche Aufschwung setzte sich, ohne eine Abschwächung zu erfahren, auch im August fort. Es gab kaum einen Wirtschaftszweig, der von dem allgemeinen konjunkturellen Aufwind nicht begünstigt worden wäre.“

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„Unzufrieden ist der Bund der Kinderreichen Deutschlands (BKD) mit der derzeitigen Familienpolitik der Bundesregierung. Dies kam bei der Delegiertentagung des Bezirks Oberbayern, die gestern im großen Saal des Rosenheimer Kolpinghauses stattfand, zum Ausdruck. Um eine Verbesserung der Verhältnisse der kinderreichen Familien zu erreichen, sei ein Gespräch mit Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger von der Verbandsleitung angestrebt worden, sagte Bezirksvorsitzender Kaspar Görgmaier. Der Bundeskanzler habe zwar die randalierenden Studenten empfangen und ihnen Unterstützung zugesagt, die Vertreter des Bundes der Kinderreichen hätten jedoch immer noch nicht bis zum Regierungschef vordringen können.“

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„Lebendes Bilderbuch zog durch Rosenheims Straßen. 40000 Menschen sahen am Mittwoch den bisher größten Kinderfestzug in der Geschichte des Herbstfests. Unter Blitz und Donner und zeitweiligem Platzregen zog gestern ein Märchenfestzug durch die Straßen Rosenheims zur Herbstfestwiese, der alle Voraussetzungen für eine Superlative bot: Mit 40 Gruppen war es der bisher umfangreichste (1966:24) mit einem Kilometer Länge der größte seiner Art in Bayern.“

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„Abschied von einem kurzen Camping-Sommer. 4813 Besucher mit 7078 Übernachtungen. ,It’s very nice‘, lachten Randolph Thurston und Alec Heater, beide 21, Germanistikstudenten aus London. Sie meinten damit ihren zweitägigen Zwischenaufenthalt auf dem Campingplatz der Rosenheimer Klepperwerke an der Mangfall. Bis zum 15. Mai 1969 wird an der Stelle für acht Monate wieder Ruhe einkehren.“

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„In den vergangenen Jahren sind immer mehr offene Bachläufe innerhalb des bebauten Stadtgebietes Rosenheims in den Untergrund verlegt worden. Das geschah einmal, um der üblen Verschmutzung der Bäche Herr zu werden, denn die Anlieger mißbrauchten sie häufig als allzu bequemen Müllabladeplatz direkt vor der Haustür. Zum anderen wurde auch oft wertvoller Platz für Wege, Parkmöglichen und dergleichen gewonnen. Dieser Tage werden weitere 150 Meter des Stadtbaches verrohrt. Es handelt sich um ein Stück, das quer durch das Gelände des alten städtischen Schlachthofes an der Färberstraße verläuft.“

„Im Rosenheimer Eisstadion wird fieberhaft gearbeitet. Zumindest die Podien für die Fernsehkameras sollen bis Sonntag fertig werden, nachdem eine Live-Übertragung des Eishockey-Bundesligaspiels gegen Köln geplant ist. Vermutungen, das Bauamt habe die Arbeiten nur schleppend in die Wege geleitet, weist Helmut Cybulska, Leiter des Hochbauamtes, zurück. Obwohl schon im letzten Jahr über das Gesamtinvestitionspaket von sechs Millionen Mark gesprochen wurde, fiel doch erst Anfang dieses Jahres die Entscheidung, welche Maßnahmen, vor allem im Sicherheitsbereich, tatsächlich durchgezogen werden.“

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„Mit der beschlossenen Schließung der Poststellen Pang und Kufsteiner Straße 93 ist ein Postkrieg programmiert. „Wir werden die Schließungen und die Salamitaktik nicht ohne Gegenwehr hinnehmen“, sagt Hermann Huber im Namen des SPD-Ortsvereins Aising/ Pang. Immerhin hat Post-Pressesprecher Klaus-Dieter Nawrath noch vor zwei Wochen gar nicht verstehen können, warum SPD und Postgewerkschaft Unterschriften gegen die Schließungen sammelten. Nawrath wörtlich: ,Die Poststelle Pang wird nicht geschlossen‘.“

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„Um die Pläne für den Brennerbasistunnel und den Schnellbahn-Bau im Inntal ist es in den letzten Monaten still geworden. Nachfragen bei der Bundesbahn und der Arbeitsgemeinschaft Transitverkehr haben ergeben: Der Bau des Brennertunnels und der Neubau einer Schnellbahntrasse durch das bayerische Inntal sind vorerst ,eingefroren‘.“ re

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