Gesichter der Wiesn

Lauras Mission: Post für den Schausteller

von Redaktion

Früher auf Schusters Rappen – da gab´s noch „Sohlengeld“ – heute auf dem Postfahrrad: So liefern in der Stadt Rosenheim Briefzusteller rund zwölf Millionen Briefe pro Jahr in über 37150 Haushalte. Eine davon ist Laura Staude. Sie hat einen besonderen Job: auf der Loretowiese, beim Herbstfest. Da heißt es dann: „Post für den Schausteller“.

Rosenheim – Beneidet wird Laura Staude von manch einem Kollegen doch schon mal. Immerhin kann sie sich während ihrer Arbeitszeit völlig legal orientieren, welche Fahrgeschäfte auf dem Herbstfest sie am Abend mit Freunden aufsuchen will. Sozusagen beiläufig. Denn sie ist Briefzustellerin für die Schausteller auf der Loretowiese.

Jedes Jahr ist das für sie eine neue Herausforderung, weil die Fahrgeschäfte, Stände und Buden teils neue Standorte haben. Nein, einen Lageplan habe sie nicht, sagt die 18-Jährige, sie müsse halt alles in den ersten Tagen auskundschaften und sich dann zurechtfinden. Das nimmt die Briefzustellerin jedoch locker. „Man fragt sich auch mal durch“, sagt sie. Zumal die Schausteller alle sehr hilfsbereit seien. Bekannte Gesichter hat sie in diesen ersten Zustelltagen noch nicht entdecken können, gleichwohl sie bereits zum dritten Mal beim Herbstfest Post ausliefert. 2015, in ihrem ersten Ausbildungsjahr, wurde sie gleich einem erfahrenen Kollegen zugeteilt und dienstlich aufs Herbstfest geschickt. Toll, sei das gewesen, erinnert sich die junge Frau, die den Kontakt mit Menschen und die Freiluft-Betätigung an ihrem Beruf so sehr schätzt und die Atmosphäre auf dem Herbstfest so sehr liebt – auch wenn es wochentags noch früh am Morgen bei der Postzustellung ist.

Die Arbeit auf der Loretowiese selbst ist momentan relativ schnell erledigt – ab 8.45 Uhr für eine halbe Stunde. Denn: „Ein, zwei Hände voll für etwa zehn Schausteller, mehr Post ist es im Moment nicht“, beschreibt Laura Staude den Zeitaufwand. Allerdings ist ein kleiner Ratsch am Rande der Übergabe sozusagen das „Salz in der Suppe“. Manch ein Schausteller vergibt Komplimente, andere fragen nach, ob sie am Abend zum Fahrgeschäft oder Zelt wiederkomme, und viele wiederum vermuten, dass Laura Staude eine „Übergangslösung“ ist. „Weil ich so jung aussehe, traut mir das der eine und andere gar nicht zu“, schmunzelt die 18-Jährige.

Eine Registerkarte namens Herbstfest

Bereits um 6.30 Uhr, bei Dienstantritt, hat die Zustellerin auch die Sendungen vorsortiert in einem speziellen Briefsortiertisch – in der entsprechenden Gangfolge, auch die Post für die Schausteller. Hier heißt die Registerkarte schlicht und einfach „Herbstfest“. Das steht auch auf den Briefumschlägen und Päckchen für die Schausteller, sozusagen als „schmückendes Kennzeichen“, denn die offizielle Adresse unter der Fahrgeschäft-Bezeichnung heißt „Kaiserstraße 27“.

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