Nachwuchssorgen im Land, weniger Bewerbungen in Rosenheim

Ein Bademeister war früher Respektsperson

von Redaktion

Braun gebrannte Körper in knappen Badehosen, dazu ein kraft- und jugendstrotzendes Ambiente – Baywatch lässt grüßen. Doch die TV-Welt ist eine Sache, die Realität eine andere. Die Badeaufsicht ist eine hoch konzentrierte Arbeit. Beispiel: das Personal der Stadtwerke Rosenheim. Aber es wird schwieriger, Nachwuchs zu finden. Dem Land fehlen die Bademeister.

Rosenheim – Den Mangel in der Republik schätzt der Bundesverband Deutscher Schwimmmeister (BDS) auf etwa 2500 Fachkräfte, bei einer Bäderlandschaft von 6500 und etwa 26000 beschäftigten Bademeistern. Wobei die Bade- oder Schwimmmeister gar nicht so heißen. „Fachangestellte für Bäderbetriebe“ (Gesellen) ist die eine offizielle Bezeichnung, „Meister für Bäderbetriebe“ die andere.

Die vier Fachkräfte und zwei Meister in Rosenheim wechseln, wenn die Freibad-Saison endet, ins Hallenbad und entsprechend wieder umgekehrt. Saisonal, von Mai bis September, sind fürs Freibad zudem Rettungsschwimmer als Verstärkung für die Wasseraufsicht angestellt.

Der allgemeine Fachkräftemangel geht auch an den Stadtwerken Rosenheim (SWRO) nicht spurlos vorüber. Denn: „Die Bewerbungen sind sehr überschaubar und haben in den letzten Jahren stark nachgelassen“, sagt Stephan Heidig, Abteilungsleiter für die Bäder. Sind unter dem Klientel eher Ältere oder Jüngere? „Hierbei handelt es sich weniger um Bewerber, die mit der Schule fertig sind, sondern eher um Bewerber, die bereits eine Ausbildung haben.“ Und es stellten sich mehr Männer als Frauen vor.

Wie schwer es ist, potenzielle Bademeister zu rekrutieren, zeigt sich in Nürnberg. Die Stadt konnte zuletzt ihre Azubi-Plätze so eben noch besetzen. Der BDS führt das fehlende Interesse einerseits auf die Anforderungen des Berufs zurück (stringente Hygienevorschriften, hohe Technisierung, anspruchsvollere Gäste) sowie die Bezahlung, die sich dem inzwischen breiten Aufgabenfeld nicht angepasst habe. Die Sorge, eines Tages ein Volk von Nichtschwimmern zu werden, geht um.

„Allein durch seine Anwesenheit

sorgte er für Ruhe“

Stephan Heidig

In Rosenheim hat man die schwierige Bademeister-Situation rechtzeitig erkannt und dem Mangel entgegengesteuert. „Wir haben vorausschauend auf die nächsten Jahre ausgebildet und werden das auch in Zukunft tun“, sagt Heidig. Von den zwei Auszubildenden hat einer inzwischen die Abschlussprüfung zum „Fachangestellten für Bäderbetriebe“ erfolgreich bestanden – nach den üblichen drei Jahren Lehrzeit. Die beiden brachten auch sportliche Fitness, Flexibilität, Freude und Geschick im Umgang mit Menschen sowie einen Realschulabschluss mit – generell ein Vorteil bei der Bewerbung für diesen Beruf. „Von unserem Personal haben fast alle Mitarbeiter bei den Stadtwerken ihre Ausbildung gemacht“, betont der Abteilungsleiter. Auch wenn bei den nicht übermäßig vielen, aber regelmäßigen Bewerbungen nicht jede als geeignet bewertet werden kann, so sieht Heidig aus den genannten Gründen hier die Lage derzeit „eher nicht“ als alarmierend an.

Das hat auch damit zu tun, dass die Stadtwerke jährlich auf der Jobfitmesse mit allen Ausbildungsberufen der SWRO vertreten sind und sich an Berufsinformationsabenden in Schulen beteiligen. „Des Weiteren stehen auf unserer Homepage swro.de ausführliche Informationen zu allen unseren Ausbildungsberufen“, erklärt Heidig.

Die Frage, wie sehr sich zwischen Badegast und Bademeister im Verlauf der vergangenen Jahre der Umgang gewandelt hat – ist er respektloser und fordernder geworden oder blieb er vertrauensvoll und freundlich – legt den Finger in die Wunde: „Ja, es haben Veränderungen in den letzten Jahren stattgefunden. Früher war der Bademeister eine Respektsperson, der alleine durch seine Anwesenheit für Ruhe, Sicherheit und Ordnung sorgte“, räumt Heidig ein. Mit dem richtigen Ton und einem freundlichen Auftreten könnten aber auch in der heutigen Zeit viele Situationen gemeistert werden, ist er überzeugt. Fürs Negativverhalten mancher Besucher nennt Heidig Beispiele: Etwa die, die meinen, vom Beckenrand springen zu müssen, um zu provozieren. „Viele Badegäste wissen auch nicht, dass man sich vor dem Baden duschen soll“. Und: Die Verständigung und der Umgang unter den Badegästen selbst lasse oft zu wünschen übrig.

„Es ist eine Berufung. Man will es und

kann es oder nicht“

Stephan Heidig

Schlichter, Auskunftei, Sanitäter, Techniker, Chemiker, Wasserproben-Prüfer, Moderator – im Bademeister-Beruf stecken viele weitere Berufe. Die Mixtur setzt eine große Bereitschaft zur Verantwortung voraus. „Bademeister kann man zwar lernen, aber es ist eine Berufung“, weiß Heidig aus Erfahrung. „Man will es und kann es oder nicht.“ Seine Mitarbeiter seien zum Teil schon „alte Hasen“ und hätten den Beruf aufgrund seiner Vielseitigkeit, Flexibilität und aus Freude an dieser Arbeit gewählt.

Artikel 1 von 11