Rosenheim – Hauptzollamt Rosenheim in der Münchener Straße: Rechts neben dem Eingang stehen zwei Glasvitrinen mit Gegenständen, die bei Kontrollen der Zollbeamten in Koffern und Postsendungen gefunden wurden – darunter zwei Paar Schuhe, ein Geldbeutel, eine Tasche, diverse Uhren. „Alles gefälscht“, berichtet Pressesprecherin Patrizia Kaiser. Seit über 25 Jahren arbeitet sie mittlerweile beim Zoll. Erst bei der Sachbearbeitung, später bei der Schwarzarbeitbekämpfung und Vollstreckung und jetzt als Pressesprecherin.
500 Mitarbeiter sind beim Hauptzollamt, zuständig für einen 11000 Quadratmeter großen Bezirk, beschäftigt. „Wir erheben zum Beispiel Zölle und Steuern bei der Einfuhr von Waren aus Ländern, die nicht der Europäischen Union angehören“, berichtet Kaiser. Außerdem erhebt der Zoll unter anderem Verbrauchsteuern, gewährt Vergünstigungen, überwacht Verbote und Beschränkungen bei der Einfuhr, Ausfuhr und Durchfuhr von Waren, bekämpft Schmuggel, Geldwäsche und Schwarzarbeit und vollstreckt Forderungen der Bundesbehörden und Sozialversicherungsträger bei säumigen Schuldnern. „Der Beruf ist sehr abwechslungsreich,“ findet Kaiser, die derzeit für die vielfältigen Aufgaben sogar Nachwuchs sucht.
15800 Personen kontrolliert
Im vergangenen Jahr kontrollierten die Beamten der mobilen Kontrolleinheit überwiegend auf Autobahnen vor allem Lastkraftwagen, aber auch Reisebusse aus Südeuropa und Südosteuropa. Die Bilanz: 7500 Fahrzeuge mit insgesamt 15800 Personen wurden überprüft. Beschlagnahmt wurden unter anderem 25 Kilogramm Marihuana, 2,5 Kilogramm Kokain, 470000 Zigaretten und 525 Kilogramm Wasserpfeifentabak. „Auch kleine Schildkröten und Labradorwelpen wurden schon bei einer Zufallskontrolle gefunden“, erinnert sich Kaiser.
Ihr Büro liegt im vierten Stock. Rechts am Eingang hängt ihre Uniform an einem Kleiderständer: Zoll steht in weißen, großen Buchstaben auf dem Rücken. „Gerade in diesen Monaten werde ich immer wieder gefragt, was man alles aus dem Urlaub mitbringen kann“, eröffnet Kaiser das Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.
Fakt ist, im Reiseverkehr darf sehr viel mitgenommen werden, aber es gibt auch etliche Einschränkungen, über die sich Urlauber vor dem Antritt der Reise informieren sollten. „200 Zigaretten oder einen Liter Alkohol darf man problemlos aus Nicht-EU-Ländern mitbringen“, so Kaiser und fügt hinzu: „Andere Waren wie Kleidungsstücke, Schmuck oder Sportgeräte dürfen einen Wert von 300 Euro nicht überschreiten.“ Innerhalb der EU besteht grundsätzlich zwischen allen Ländern freier Warenverkehr. Wichtig hier: „Die Waren müssen für den persönlichen Gebrauch sein“, so Kaiser.
Bei Bargeld darf eine Wertgrenze von 10000 Euro nicht überschritten werden. Ist der mitgeführte Betrag höher, muss dieser den Kontrolleinheiten des Zolls auf Befragen mündlich angezeigt werden.
Auch bei Bekleidung, Sportartikeln, Fanartikeln, Kosmetika, Taschen und Uhren ist Vorsicht geboten. „Bei den meisten Produkten handelt es sich ausschließlich um Fälschungen. Diese können gesundheitsgefährdend sein, da die Textilien oft giftige Farbstoffe enthalten und ihre Haltbarkeit sehr kurzweilig ist“, sagt Kaiser. Der Kauf solcher Waren sollte auf Empfehlung des Zolls besser vermieden werden.
Ausgestopftes Löwenbaby gefunden
Auf Muscheln, ausgestopfte Tiere und Pflanzensouvenirs sollten Reisende übrigens gänzlich verzichten. Diese unterliegen nämlich strengen Aus- und Einfuhrbestimmungen. „Diese Maßnahmen sind notwendig und dienen dem Artenschutz. Außerdem soll damit die Einschleppung von Krankheiten und Schädlingen verhindert werden“, fährt die Expertin fort.
Ihr Tipp: Im Zweifelsfall lieber keine Souvenirs kaufen, für deren Herstellung Tiere oder Pflanzen oder Teile davon verwendet wurden. „Elfenbeinschnitzereien als Urlaubsandenken werden zum Glück immer seltener, aber ausgestopfte Tiere sind immer noch beliebt“, bedauert Kaiser. Ein ausgestopftes Löwenbaby wurde beispielsweise bei einer Kontrolle gefunden. „Wir sind nicht die Bösen. Wir führen viele unserer Kontrollen durch, um Menschen und Tiere zu schützen“, so Kaiser.