In alten Zeitungsbänden geblättert

2,60 Mark pro Quadratmeter als Miete

von Redaktion

Ein Blick zurück in die Vergangenheit sagt viel über die Entwicklung einer Stadt und die Sichtweise früherer Generationen. Vieles wiederholt sich auch in verblüffender Weise. Wir haben deshalb in alten Zeitungsbänden geblättert und präsentieren in unregelmäßigen Abständen die interessantesten Dinge aus bestimmten Jahren. Heute geht es um die Zeit vom 24. September bis 7. Oktober.

Rosenheim – „Preisunterschiede. Aus der Reichenhaller Gegend wird geschrieben: Ein Bauer kaufte sich in Rosenheim ein Paar Schnürstiefel, die er dringend notwendig brauchte und die er in Reichenhall vergebens aufzutreiben suchte. Die Schuhe waren echte Kriegskinder, aus dreierlei Leder, wie sie früher um 8 bis 9 Mk. zu haben waren und für die er heute 100 Mk. zahlen mußte. Damit das Gegenstück nicht fehle, zeigte uns der Bauer auch den Schlußschein für ein abgeliefertes Kalb, für das er 95 Mk. erhielt, also nicht soviel, als die windigen Kriegsstiefel kosteten. Ein nettes Verhältnis.“

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„In Ihrer Nr. vom 8.9.18 lese ich zu meiner großen Freude meinen Namen unter jenen, welche das Bürgerrecht als Kampfteilnehmer unentgeltlich erhielten. Und doch wird mir und meiner Familie in dieser meiner neuen Heimatstadt das Leben so sauer gemacht. Grund: Wohnungsnot. Nachdem im Kriege meine Wohnung schon einmal um 2 Mark gesteigert wurde, erfolgte im April die Kündigung. Diese wurde vom Miet-Einigungsamt verworfen. Am 1. Juli kündigte man uns zum 2. Male. Da ich damals in Urlaub war, ging ich selbst zum Einigungsamt, welches die Kündigung zum 2. Male verwarf. Mit leichtem Herzen ging ich wieder ins Feld. Am 5. August wurde meine Wohnung von 42 auf 50 Mark gesteigert. Infolge der Wohnungsnot ließ ich mir die neue Erhöhung gefallen. Trotzdem wurde mir am 1. September wieder gekündigt. Meine Frau sucht und sucht und findet keine Wohnung. Könnte ich doch meinem Hausherrn die Ruinen verschossener Städte vor Augen führen, er würde gewiß einen Krieger und dessen Familie anders schätzen oder könnte ich doch meinen Königsrock vertauschen mit dem Heereslieferantenpaletot meines lieben Hausherrn.“

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„Von einer Natter gebissen. Beim Brennessel-Sammeln im Fürstätter Wald wurde ein Schüler von einer giftigen Natter in die Hand gebissen. Ein zufällig anwesender Herr veranlaßte die sofortige Verbringung des Jungen zu einem Arzte.“

An der Finsterwalderstraße entsteht ein Wohnblock mit vierzig Wohneinheiten. Neu für Rosenheim ist dabei, daß sich vier Bauherren zusammengeschlossen haben, um dieses Gebäude zu errichten. Dieser Zusammenschluß hängt vor allem mit der Grundstücksfrage zusammen. Gemäß dem Bebauungsplan können in diesem Gebiet nur Wohnblöcke dieser Größenordnung errichtet werden. Einzelnen privaten Bauherren wäre es schwer möglich, ein solches Bauvolumen allein zu bestreiten.“

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Zahlreiche prominente Gäste konnte die Gemeinnützige Wohnungsbaugenossenschaft Wasserburg zu ihrem ersten Richtfest in diesem Jahr an der Baustelle an der Pernauerstraße in Rosenheim begrüßen. 48 Familien werden im Frühjahr 1969 in den großen Wohnblock einziehen können, der mit Unterstützung von Gemeinde, Land und Bund errichtet wurde. Der Mietpreis wird 2,60 Mark je Quadratmeter betragen.“

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„Zur Zeit müssen nicht nur die Kraftfahrer, sondern auch die Fußgänger besonders aufmerksam beim Passieren oder Begehen der Hauptstraße in Aising sein. Die Erdarbeiten an der Straße beginnen bereits zwischen Heilig Blut und Aising-Ost in Höhe der Sailer-Mühle und der Einmündung des Mangfallweges. Hier ist ein Bautrupp dabei, die gefährliche S-Kurve zu begradigen. Durch diese Begradigung der Staatsstraße 2010 wird die Gefahrenquelle an der unübersichtlichen Einmündung des stark befahrenen Mangfallweges beseitigt.“

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„In der Stadt Rosenheim und in den Landkreisen Rosenheim, Bad Aibling, Wasserburg, Miesbach und Bad Tölz konnte heuer jede dritte Lehrstelle nicht besetzt werden. Dies ergibt eine Aufstellung der Berufsberatung des Rosenheimer Arbeitsamtes, das für diesen Bereich zuständig ist. Mehr als 1000 Lehrstellen stehen in dem genannten Bezirk offen. Obwohl der Berufsnachwuchs nach wie vor eine Rarität ist, stellen die Lehrherren heuer größere Anforderungen an die Qualifikation der Lehrlinge als in früheren Jahren!“

„Jetzt bekommt die Rosenheimer Kleinkunst eine neue Bühne mitten in der Stadt. Die Auerbrauerei baut das ehemalige Roxy-Kino in der Schmettererstraße zu einem Saal für viele Zwecke aus. Theater, Kabarett, Musik, Fasching, Hochzeiten – viele Stichworte nennen Brauereidirektor Wilhelm Hermann und das Pächterehepaar Carla und Josef Pritzl für den Saal, der etwa 400 Leute faßt.“

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„Baumlos präsentiert sich seit einigen Jahren die Wittelsbacherstraße, stadtauswärts gesehen. Die früher dort gepflanzten Pappeln waren nicht mehr verkehrssicher. Außerdem hatten sich Anwohner häufig über die Verschattung der Wohnungen beklagt. Im Oktober soll nun die derzeit trostlos wirkende rechte Straßenseite neu begrünt werden, mit schlanken Ahornbäumen, die mehr Licht in die Räume lassen sollen als früher die Pappeln.“

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„Mehr als 20 Jahre ist es her, daß die Landkreise Bad Aibling und auch Wasserburg per Gebietsreform dem Kreis Rosenheim angegliedert wurden. Mit ihnen verschwanden auch die alten Kfz-Kennzeichen WAS und AIB. Seit dem 1. Januar 1972 wurden nur noch RO-Schilder ausgegeben.

Die Kennbuchstaben der Altkreise sind aber noch immer auf den Straßen zu sehen. Mehr als 4000 Fahrzeuge sind noch auf die alten Kürzel zugelassen (inzwischen aber gibt es auch die alten Kennbuchstaben wieder. Anmerkung der Redaktion).“

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„Zwei jeweils fünf Kilogramm schwere Halogenleuchten haben sich aus der Decke des gerade erst sanierten Lehrschwimmbeckens in Aising gelöst. Die Folge: Es muß eine neue Decke eingezogen werden. Was passiert wäre, wenn eine solche Lampe einem Kind auf den Kopf gefallen wäre, malt man ich besser nicht aus.“ re

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