Kolbermoor/Rosenheim – Unter dem Titel „Heimat 1918“ blicken 14 Kultureinrichtungen auf die Zeit vor 100 Jahren im Rosenheimer Land zurück. Sie beleuchten die Zeit des Ersten Weltkrieges und des Kriegsendes, den Niedergang der bayerischen Monarchie und die Wirren der Revolution – „immer in Bezug zu unserer Region“, wie es einleitend im nun schon um mehrere Programmpunkte erweiterten Begleitführer heißt.
Bedingt durch die große Baumwollspinnerei hat sich in Kolbermoor schon früh eine Arbeiterbewegung etabliert. Bereits für den 11. November 1918 hatte die SPD eine Volksversammlung im Mareissaal zur Wahl des ersten Kolbermoorer Volksrates einberufen. Sechs Wochen später wurde dann der 33-jährige Georg Schuhmann zum Vorsitzenden gekürt. Am Sonntag, 4. Mai 1919, gegen 9 Uhr früh wurden die Wohnungen von Schuhmann und seinem Sekretär Alois Lahn von Weißgardisten gestürmt. Brutal zerrten die Freikorpsler die „Roten“ aus ihren Betten, schleiften sie zur Tonwerksunterführung, wo die beiden Genossen ermordet wurden. Zur Erinnerung an diese Tat wurde vor Kurzem das vom Kolbermoorer Kunstschmied Josef Still neu gestaltete und von der Stadt in Auftrag gegebene Denkmal an der Stelle ihrer Ermordung wieder aufgestellt; die Einweihung erfolgt im Herbst. Die Ausstellung „Das Ende der Roten Bastion“ wird am Mittwoch, 3. Oktober, eröffnet. Über 100 Hallen und Baracken umfasste die „Sanierungsanstalt“ bei Fürstätt, die im Herbst 1915 auf Anordnung des bayerischen Kriegsministeriums in Betrieb genommen wurde. In der Anlage wurden Soldaten auf dem Weg von der Ost- an die Westfront ebenso wie russische Gefangene mit frischer Kleidung ausgestattet, um der Einschleppung von Kleiderläusen, den Überträgern des gefürchteten Fleckfiebers, Einhalt zu gebieten. Nicht von ungefähr spricht man in Kolbermoor noch heute vom „Sanagleis“, denn die Soldaten wurden überwiegend per Eisenbahn an- und abtransportiert. Nach Kriegsende fanden Notstandsarbeiter auf dem Gelände eine Unterkunft; später entstand ein großes Säge- und Holzbearbeitungswerk. Heute ist es der „Aicher-Park“.re