OVB-Porträt der Woche: Die Rosenheimerin Dominique Berger geht auf Weltreise

„Niemand sollte klein träumen“

von Redaktion

Wer hat nicht schon einmal davon geträumt: Job kündigen, Tasche packen und auf Weltreise gehen. Die Rosenheimerin Dominique Berger hat genau das gemacht –am Freitag, 5. Oktober, geht es los. Erster Halt: Brasilien.

Rosenheim – Tattoos, Piercings und einen Hauch pink in den Haaren – Dominique Berger tanzt gern aus der Reihe. Die sympathische 28-Jährige, die ursprünglich aus Werdau in Sachsen kommt, arbeitet seit fünf Jahren in einem bekannten Rosenheimer Café. „Ich mag die Arbeit und die Menschen hier sind mir sehr ans Herz gewachsen“, sagt die 28-Jährige. Zwischen Kaffee und Kuchen nimmt sie sich Zeit für ein Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.

Dreimonatiger Job

in Kitesurfschule

Über Etappen in Prien und Frasdorf landete Berger schließlich in Rosenheim. Ihre Begründung für den Umzug: „Mir ist die Decke auf den Kopf gefallen. Ich hatte Phasen, in denen ich mich von meinem ganzen Umfeld missverstanden gefühlt habe.“ In dieser Zeit reifte auch die Idee, eine Weltreise zu machen. „Ursprünglich wollte ich die Reise mit Freunden unternehmen. Aber es hat nie geklappt und ich wollte niemanden dazu zwingen. Es ist mein Traum und ich brenne dafür“, sagt Berger.

Sie entschloss sich, die Reise alleine anzutreten. Doch auch dieses Vorhaben stellte sich schwieriger als gedacht heraus. „Ich habe es nie geschafft, Geld zu sparen, weil ich immer mit einer anderen Baustelle zu kämpfen hatte“, so die 28-Jährige. Kurzzeitig überlegte sie, ob ein Auslandsjahr vielleicht doch realistischer wäre. Schnell verwarf sie diese Idee jedoch wieder: „Wenn ich jetzt zurückblicke, bin ich froh, dass mir immer wieder verschiedene Steine in den Weg gelegt wurden, die mich in Deutschland gehalten haben.“ Warum? Kurz denkt sie nach. „Viele Situationen haben mich reifen lassen.“

Für niemanden funktionieren, keine Kompromisse eingehen und endlich Zeit für sich selbst finden – das sind nur einige der Gründe, die Berger in die Welt hinaus treiben. „Allein sein ist für mich Freiheit pur. Ich lasse mich einfach treiben“, so die Rosenheimerin.

Das Grundgerüst für die Reise steht, ein genaues Datum, wann es losgehen soll, gibt es auch schon. „Am 5. Oktober fliege ich nach Brasilien, dort arbeite ich drei Monate in einer Kitesurfschule“, berichtet Berger und fügt hinzu: „Das Beste an der Sache ist, dass mir mein neuer Chef die Flüge bezahlt.“

Nach den drei Monaten trifft sie sich mit ihrer besten Freundin in Rio de Janeiro, zur großen Silvester-Feier. Wie es von dort weitergeht, weiß die 28-Jährige zwar noch nicht, aber einige Ideen hat sie schon. „Ich will unbedingt Kanada, Neuseeland, Hawaii und Alaska sehen“, ist sie sich sicher.

Apropos Gepäck. Was nimmt man denn für eine Weltreise auf unbestimmte Zeit alles mit? Dominique Berger lacht. „Mit dieser Frage beschäftige ich mich schon seit Wochen. Ich werde für zwei Wochen packen und mit einem Rucksack reisen.“ Unbedingt dabei sein müssen ihr Reisetagebuch, ihre Kameraausrüstung, Tablet und Handy.

Die Wohnung ist untervermietet, das Auto verkauft. Der Erlös davon ist Teil ihres Startkapitals. Das Besondere an ihrer Reise: „Ich habe nicht extra Geld zusammengespart“, sagt sie und lacht verlegen. „Es hat lange gedauert, bis ich verstanden habe, dass Gespartes nicht unbedingt notwendig ist“, so die Rosenheimerin und fügt hinzu: „Arbeiten muss ich so oder so. Ich glaube, mit weniger Geld im Gepäck muss ich lernen, mehr an meine Grenzen zu gehen und meine Komfortzone zu verlassen. „Es fühlt sich wirklich gut an“, sagt Berger.

Ihre Mottos: „Niemand sollte klein träumen“ und „Alles ist möglich, irgendwie geht alles, wenn man es nur will.“

Rückkehr nach Deutschland ungewiss

Und vielleicht ist es gerade wegen dieser beiden Sichtweisen, dass die 28-Jährige mit der Idee spielt, niemals nach Deutschland zurückzukehren. „Außer meine Eltern und Freunde hält mich hier nichts. Ich hoffe, dass ich auf meiner Reise irgendetwas im Umweltschutz finde, wo ich gut reinpasse“, so Berger. Fest steht, sie will für mehrere Jahre unterwegs sein: „Mir ist es vollkommen egal, ob ich drei oder fünf Jahre unterwegs bin. Ich habe viele Ängste“, sagt sie, „Ich habe Angst, dass ich nach drei Monaten schon wieder nach Hause möchte und ich in Geldnot gerate.“

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