Offenes Singen in der Pfarrei Christkönig ist sehr beliebt

„Gemeinsam singen tut gut“

von Redaktion

Es wird immer weniger gesungen. In der Pfarrei Christkönig wirkt man diesem Trend stimmgewaltig entgegen. Regelmäßig findet im Pfarrheim das „offene Singen“ statt. Jeder ist willkommen. Schiefe Töne werden kulant überhört.

Rosenheim – Ins Leben gerufen wurde das Treffen für alle, die gerne miteinander singen wollen, im Jahr 2011. Damals zogen sich einige sangesfreudige Pfarreimitglieder altersbedingt aus dem Kirchenchor zurück. Auf das gemeinsame Singen wollten sie aber dennoch nicht verzichten.

Seitdem findet das offene Singen regelmäßig alle zwei Monate eine Stunde lang am ersten Dienstag statt. Der Eintritt ist frei, die Texte werden gestellt.

„Es geht um

die therapeutische Wirkung.“

Waltraud Reich

Im Gegensatz zu der Arbeit in Chören verlaufen die geselligen Stunden im Pfarrheim ohne jeglichen Anspruch auf Qualität. „Uns geht es um die therapeutische Wirkung“, erklärt Waltraud Reich, die zusammen mit Walter Ganßer die Treffen vorbereitet und organisiert.

Dass Gesang – vor allem gemeinsam – eine heilende Wirkung haben kann, wussten schon die Menschen vor vielen Tausend Jahren. Mittlerweile ist der positive Effekt für Körper und Seele wissenschaftlich belegt: Das „Liebes- und Bindungshormon“ Oxytocin wird vermehrt ausgeschüttet und Stresshormone werden abgebaut. Die Pulsfrequenz verlangsamt sich, der Blutdruck sinkt, die Muskulatur entspannt sich und das Herz- Kreislaufsystem wird besser mit Sauerstoff versorgt.

Gemeinsames Singen soll sogar eine lebensverlängernde Wirkung haben. Schwedische Forscher untersuchten in den 90er-Jahren über 10000 Menschen. Ihr Ergebnis: Mitglieder von Chören und Gesangsgruppen haben eine deutlich höhere Lebenserwartung als Menschen, die nicht singen.

Über derartige Begleiterscheinungen macht man sich beim offenen Singen in Christkönig aber wohl weniger Gedanken. Im Vordergrund steht der Spaß. Im Schnitt kommen rund 25 Sangesfreudige im Alter zwischen 40 und 90 Jahren. Frauen sind deutlich in der Überzahl, aber unter den Stammgästen finden sich auch einige Männer.

Waltraud Reich und Walter Ganßer legen vor jedem Treffen fest, was gesungen wird. Sie orientieren sich dabei an den Jahreszeiten und auch an den Vorschlägen der Teilnehmer. Die Gema macht ihnen die Arbeit nicht leicht. „Wir arbeiten nur mit den Liedtexten und die heften wir nicht zusammen und sammeln sie sofort nach unseren Treffen wieder ein, um gegen keine Vorschriften zu verstoßen“, erzählt Waltraud Reich.

Noten sind aber auch gar nicht nötig. Was gesungen wird, ist meistens bestens bekannt. Es geht quer durch alle Stilrichtungen. Schlager sind grundsätzlich beliebt, ebenso alte bayerische Stücke. Aber auch Rock und Pop werden angestimmt. „Sogar Songs von Queen und den Beatles haben wir in unserem Repertoire“, so Waltraud Reich. Grundsätzlich stellt sie aber fest, dass die Teilnehmer lieber auf Deutsch als auf Englisch singen: „Das ist halt einfacher“. Darum, wenn modern, lieber die „Deutsche Welle“ mit Liedern wie „99 Luftballons“ von Nena. „Das kennt auch fast jeder“, so Waltraud Reich.

Alma Schröter gehört zu denen, die fast bei keinem Treffen fehlen. „Ich habe immer schon gerne gesungen“, erzählt die 83-Jährige. Ihrer Meinung nach wird heutzutage schon in der Schule viel zu wenig gesungen. „Dabei macht das Singen in der Gemeinschaft besonders viel Spaß“, weiß sie aus eigener Erfahrung: 24 Jahre war die Rosenheimerin Mitglied im Kirchenchor. „Da musste natürlich jeder Ton sitzen“, erzählt sie. Umso mehr genieße sie nun an dem offenen Singen, „dass auch einmal was falsch sein darf.“ Wander- und Berglieder gefallen Alma Schröter besonders gut. Generell kann sie sich aber für alle musikalischen Stilrichtungen begeistern, nur „Techno geht überhaupt nicht“.

Regelmäßig mit dabei ist auch Elisabeth Goupilleau-Bordasch. Sie begeistert sich vor allem für klassische Stücke und Musical. Außerdem freut sie sich immer, wenn ein Kanon auf dem Programm steht.

Roland Reich kommt eigentlich zum offenen Singen, weil er seine Ehefrau Waltraud Reich bei diesem ehrenamtlichen Engagement unterstützen will, aber auch er hat festgestellt: „Das gemeinsame Singen tut gut“.

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