Ein Blick in die Vergangenheit sagt viel über die Entwicklung einer Stadt und die Sichtweise früherer Generationen. Wir haben deshalb in alten Zeitungsbänden geblättert und präsentieren in unregelmäßigen Abständen die interessantesten Dinge aus bestimmten Jahren. Heute geht es um die Zeit vom 8. bis 21. Oktober.
Bewährungsprobe für neue Inntalhalle
Rosenheim – „Mit Spannung wurden am Samstag und Sonntag die Nachrichten von dem neuerlichen Friedensangebot der Mittelmächte erwartet. Bis tief in die Nacht hinein waren am Samstag unsere Geschäftsräume von einer wissensdurstigen Menge umlagert. Auch am gestrigen Sonntag war der Andrang an unseren Anschlagtafeln stark. Um die Extrablätter riß man sich förmlich.“
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„Die teure Zeit. In einem hiesigen Konditoreigeschäft wurde dieser Tage für einen Zopf, ein Gebäck etwa 25 Zentimeter lang, 10 Zentimeter breit und 4 Zentimeter hoch, der unglaubliche Preis von 1,80 Mk. gefordert. Vor dem Kriege bezahlte man ungefähr 20 Pfg. für ein gleich großes Stück. Es ist höchste Zeit, daß der Krieg ein Ende nimmt!“
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„Kerzen-Beschlagnahme. Infolge Rohmaterialmangels sind die Kerzen für die Heeresverwaltung beschlagnahmt worden. Für die Zivil-Bevölkerung, die weder Gas noch elektrisches Licht besitzt, ist ein Viertel des Bestandes seitens der Regierung reserviert worden. Die Verteilung geht durch den Kommunal-Verband mit Kerzen-Bezugscheinen.“
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„Der Verein für Fraueninteressen, Ortsgruppe Rosenheim, beabsichtigt, im November, wenn die Fadenverteilung stattgefunden hat, einen Kurs für Anfertigung von Straßenschuhen abzuhalten. Vielen Frauen, die für sich und ihre Kinder zu Weihnachten neue Schuhe unter den Christbaum legen möchten, wird der Kurs willkommen sein. Teilnehmerinnen werden gebeten, sich zu melden, Montag, den 14. ds. nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr im ,Deutschen Kaiser‘.“
„Die Vollbeschäftigung im Bereich des Arbeitsamtes Rosenheim hielt auch im September an. Der Mangel an Arbeitskräften, wie er bereits in den Vormonaten in verschiedenen Wirtschaftszweigen zutage getreten war, blieb unverändert. Es kam zu Überstunden- und Schichtarbeit, sowie zu erneuten Anforderungen von ausländischen Arbeitnehmern.“
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„110000 Quadratmeter groß ist das Dreieck zwischen Mangfall, Salzburger Bahn und der neuen Erschließungsstraße nach Happing. Einen Teil davon, etwa 20000 Quadratmeter, macht die alte Stadtgärtnerei aus, nach der dieses Neubaugebiet Rosenheims benannt wird. Es entstehen dort über zweihundert Miet- und Eigentumswohnungen und gewerbliche Betriebe. Der Baugrund bietet auch hier – wie wäre das in Rosenheim anders zu erwarten – besondere Schwierigkeiten und muß entsprechend aufbereitet werden. Das Baugelände liegt an der künftigen Erschließungsstraße nach Happing. Diese weicht nach der Mangfallbrücke vom Verlauf der jetzigen Rathausstraße in Richtung der einstigen Eisweiher ab. Die jetzige Rathausstraße wird dann von der Mangfallbrücke bis zur Einmündung in die Chiemseestraße aufgelassen. Auf der einen Seite hat der Metallverarbeitungsbetrieb Kreuzer bereits mit dem Bau einer erdgeschossigen Betriebshalle begonnen. Auf der anderen Seite hat der Technische Überwachungsverein begonnen, eine Prüfhalle zu erbauen, die allen modernen Ansprüchen genügt.“
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„Mit dem Konzert der Donkosaken hatte die neue Inntalhalle auf der Loretowiese in Rosenheim ihre Bewährungsprobe zu bestehen. Zwar fanden dort bereits folkloristische Abende statt, und außerdem diente sie ihrem ureigenen Zwecke als Bierpalast. Ob sie sich aber auch für Unterhaltungsveranstaltungen mit künstlerischem Niveau eignen würde, das muß sich erst zeigen. Für ein anspruchsvolles Publikum wären die unmittelbare Nachbarschaft mit dem Würstlduft aus der Schenke ebenso wie der ungedeckte Eingang zu den Toiletten kaum annehmbar. Es fehlt überdies gänzlich die Möglichkeit, sich während der Pausen zu ergehen und den gesellschaftlichen Kontakt zu pflegen, der nun einmal einen Bestandteil künstlerischer Veranstaltungen bildet.“
„Seitdem der Eiserne Vorhang gefallen ist, schweigen in Rosenheim die Luftschutzsirenen. Die vormals üblichen Probealarme wurden eingestellt. Demnächst kommen die Handwerker und montieren das Sirenenungetüm auf dem Dach des Ignaz-Günther-Gymnasiums ab. „Eine Gefahr aus der Luft wird nicht mehr gesehen“, sagt Josef Staudhammer, Leiter des Ordnungsamtes und auch zuständig für den Katastrophenschutz. Ohnehin hatten Befragungen ergeben, daß die Bürger die verschiedenen Signaltöne nicht so recht voneinander unterscheiden konnten. ABC-Alarm oder Warnung vor Luftangriffen, wieviele an- und abschwellende Signaltöne dies verdeutlichten, wußten die meisten nicht.“
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„Zögerlicher als bisher werden in Rosenheim derzeit Einzelhandelsflächen neu vermietet. In den Top-Lagen der Innenstadt ist davon zwar noch nichts zu spüren. Aber schon in zweiter Reihe wird es lichter. Auswirkungen hat diese Situation auch auf städtebaulich wichtige Objekte wie die Oswaldmühle (unter anderem Café, Volksbank Raiffeisenbank, Kufsteiner Straße12, Anmerkung der Redaktion). ,Die Oswaldmühle wird nicht aus ihrem Dornröschenschlaf gerissen. Keine Rendite in Sicht‘, sagt Walter Geser von der Raiffeisenbank.‘“
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„In der Reichenbachstraße wird ein provisorischer Radweg entgegen der Einbahnrichtung angelegt, und zwar ohne aufwendigen Ausbau. Damit ist dies der erste Radweg in Rosenheim, der gegen die Einbahnrichtung verläuft, aber nicht auf dem Gehweg, sondern auf der Fahrbahn.“
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„Sowohl Bund als auch Land haben kein Geld für den Bau einer zweiten Eisfläche in Rosenheim. Das geht aus Bescheiden an die Stadt hervor. Der Bund läßt offen, ob ab 1998 eine Förderung erfolgen kann, das Land stellt derzeit keine Mittel in Aussicht.“