von Redaktion

In St. Hedwig versteht man zu feiern, zumal das neue Pfarrzentrum den passenden Rahmen dazu bietet. 60 Jahre sind nun schon vergangen seit der Weihe der Kirche am 10. August 1958. Grund genug, rund um den Gedenktag der Kirchenpatronin ein großes Festprogramm zu kreieren.

Grundsteinlegung am Sonntag, 3. November 1957, durch Generalvikar Dr. Johann Fuchs; rechts hinter ihm Pfarrkurat Martin Haitzmann.Foto Dietrich

Agnes Benda steht vor der im Bau befindlichen Kirche. Foto privat

Rosenheim – Das Programm erinnert an die Entstehung der Kirche und Pfarrei (seit 1962) in der Erlenau und stellt die heilige Hedwig (1174 Andechs bis 1243 Trebnitz) in den Fokus. Sie bot sich als Kirchenpatronin an. Die bayerische Grafentochter und Ehefrau des Herzogs von Schlesien konnte die Brücke bauen zwischen der einheimischen Bevölkerung und den zahlreichen Heimatvertriebenen, die nach dem Zweiten Weltkrieg in der Erlenau eine neue Heimat gefunden hatten.

Pfarrer Martin Haitzmann (1915 bis 2003), der seit seiner Berufung am 1. November 1955 im Bürgerheim St. Martin wohnte und in der dortigen Hauskapelle die Gottesdienste zelebrierte, erkannte schnell, dass das Neubaugebiet eine geistige Mitte brauchte.

Zunächst wurde der dringend notwendige Kindergarten gebaut, dessen Planung Architekt Anton Bernhard (1927 bis 2014) übernahm, der bei entsprechenden Bauten in der Kastenau und Am Gries schon Erfahrungen gesammelt hatte. Für den Kirchenbau lobte das Ordinariat 1957 einen beschränkten Wettbewerb aus, den der junge Rosenheimer Architekt Bernhard ebenfalls für sich entscheiden konnte.

Die Anforderungen an den gewünschten Kirchenbau zeigen deutlich die Handschrift von Joseph Kardinal Wendel (1901 Blieskastel bis 1960 München), der seit 1952 als Nachfolger von Michael Kardinal Faulhaber Erzbischof von München und Freising war. Wendel war ein entschiedener Vertreter der Neuen Liturgie, wie sie Romano Guardini bereits 1917 in seiner Schrift „Vom Geist der Liturgie“ formuliert hatte.

„Junge Wilde“

gaben Richtung vor

Mit dem Architekten Anton Bernhard, dem Bildhauer Josef Hamberger (Jahrgang 1925), der die Ausstattung entwarf, und Pfarrer Martin Haitzmann, zuständig für das theologische Programm, hatte sich ein Team „junger Wilder“ zusammengefunden. Die örtliche Bauleitung hatte Architekt Alfred Schindler (1905 bis 1984).

Am 19. September 1957 begannen die Erdarbeiten, am 3. November 1957 erfolgte die Grundsteinlegung durch Generalvikar Johann Fuchs, im Dezember 1957 war Richtfest, am 20. April 1958 wurde die Turmspitze aufgesetzt, am 15. Juni 1958 war die Glockenweihe und am 10. August 1958 konnte Joseph Kardinal Wendel die Hedwigskirche weihen. Nicht einmal elf Monate für den Bau einer großräumigen Kirche samt Pfarrhaus.

Grundlegend für den Neubau von St. Hedwig war der Gedanke der Gemeinde, die sich um den Altar versammeln sollte: deshalb ein großer Einheitsraum ohne störende Stützen, deshalb ein nach vorne gezogener, frei stehender Altar auf einer Altarinsel und deshalb die Bankblöcke, die den Volksaltar auf drei Seiten rahmen. Das Tabernakel stand mittig auf dem Altar und hatte Türchen vorne und hinten. „Keiner wusste damals, von welcher Seite und in welcher Blickrichtung ein Pfarrer zelebrieren wollte“, erläutert Josef Hamberger die noch unklare Situation.

Erst das Zweite Vatikanische Konzil sollte sich dieser Frage annehmen und veröffentlichte am 4. Dezember 1963 Handreichungen zur Liturgie. Im Rückblick wird deutlich, wie progressiv der Bau und die Ausstattung von St. Hedwig sind, und das bereits einige Jahre vor dem richtungsweisenden Konzil. „St. Hedwig wurde so Heimat für Menschen, die ihre Heimat verloren hatten“, wie es Pfarrer Andreas Maria Zach auf den Punkt bringt.

St. Hedwig ist aber auch aktuell das einzige Gebiet der Stadtteilkirche Rosenheim-Inn, wo junge Familien auch heute noch neuen Wohnraum finden können, und so kamen durch das Neubaugebiet Mitterfeld viele neue Gemeindemitglieder hinzu. Beachtenswert sind hier die 70 Ministranten, die hier Dienst tun, und die lebendige Kirchenmusik durch Kirchenmusiker Herbert Weß.

Von Frauentragen

bis Taizé

Gisela Zeilhofer, Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, Schriftführerin Walpurga Vorwalder und Mesnerin Agnes Benda geben begeistert Auskunft über besondere Gruppen und ihre Aktivitäten. Seit der Kirchenweihe 1958 wird täglich abends der Rosenkranz gebetet, und Anna Zacher, mittlerweile über 90 Jahre alt, hat noch keinen einzigen Rosenkranz versäumt.

Seit der Gründung der Frauengruppe 1985 wird beim „Frauentragen“ jährlich in der Adventszeit eine Marienfigur von Haus zu Haus getragen. Die Atrium-Gruppe um Márta Guóth-Gumberger widmet sich seit 1994 der religiösen Entfaltung von Kindern nach dem Vorbild der Montessori-Pädagogik. Die Familien Weiß, Kloska und Lex gestalten seit 1997 fantasievoll eine Jahreskrippe, deren Szenerie alle zwei bis drei Monate wechselt. Auf Initiative von Agnes Benda werden seit 2011 an den Sonntagen in der Fastenzeit und in der Adventszeit Abende im Geiste von Taizé abgehalten.

„Gerade durch das im letzten Jahr eingeweihte neue Pfarrzentrum St. Hedwig ist in diesem strukturschwachen Stadtteil ein Platz entstanden, wo Menschen sich versammeln, beten, treffen und feiern“, fasst Pfarrer Zach die Bedeutung der 60 Jahre jungen Kirche St. Hedwig zusammen.

Wer Lust hat, bei diesen und noch vielen weiteren Gruppen, die es in der Pfarrei St. Hedwig gibt, vorbeizuschauen, der kann sich auf der Homepage näher informieren unter www.st-hedwig-rosenheim.de.

Neue Maßstäbe im Kirchenbau

Samstag, 13. Oktober: Um 14 Uhr beginnt das Fußballturnier der Ministranten der Stadtteilkirche Rosenheim-Inn. 18 Uhr Konzert des Kirchenchores mit der Gospelmesse für Chor und Rhythmusinstrumente „Body & Soul“ von Lorenz Maierhofer; die Leitung Kirchenmusiker hat Herbert Weß. 19 Uhr Siegerehrung, anschließend steigt eine Party.
Sonntag, 14. Oktober: Um 10 Uhr startet die Prozession mit Wortgottesdienst am Mitterfeld – auf dem kleinen Platz Regina-Protmann-Straße/Ecke Käthe-Kollwitz-Straße; mit Station vor der Mayerbachstraße 17; anschließend findet die Eucharistiefeier in der Kirche St. Hedwig mit Pfarrer Andreas Maria Zach statt; bei schlechtem Wetter wird der gesamte Gottesdienst in die Kirche St. Hedwig verlegt. Um 12 Uhr ist Mittagessen im Pfarrsaal St. Hedwig geplant; danach gibt es Kaffee und Kuchen. Um 13.30 Uhr findet eine Kirchenführung in St. Hedwig mit der Kunsthistorikerin Dr. Evelyn Frick statt.
Ab Anfang Oktober zeichnet eine Fotoausstellung in der Hedwigskirche die Höhepunkte der vergangenen 60 Jahre nach.fie

Festprogramm

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