Rosenheim – Von heute an darf sich die Johann-Rieder-Realschule in Rosenheim „Schule mit dem Profil Inklusion“ nennen. Kultusminister Bernd Sibler wird Schulleiter Wolfgang Forstner eine entsprechende Urkunde überreichen. Für die Schule selbst bringt der neue Titel vor allem eines: Entspannung.
750 Buben und Mädchen besuchen die Realschule im laufenden Schuljahr. 30 von ihnen haben Inklusionsbedarf, brauchen eine intensivere Betreuung. Etwa, weil sie schlecht hören, Probleme mit den Augen haben oder eine andere körperliche Einschränkung. Die Kinder im Alter zwischen zehn und 16 Jahren sind auf die Klassen fünf bis zehn verteilt. Dabei werde darauf geachtet, dass nicht mehr als drei Kinder mit Inklusionsbedarf in einer Klasse sitzen, sagt Schulleiter Wolfgang Forstner. Die durchschnittliche Klassenstärke liegt bei 25 Schülern.
Inklusion gehört bereits seit rund sechs Jahren zum Angebot. Und daher weiß Forstner: Inklusion in der Schule – das bedeutet eine große Portion Idealismus und Engagement in Kombination mit umfangreichen Verwaltungsaufgaben. Übernommen hat diese Aufgaben die zweite Konrektorin Karin Plöckinger, zusätzlich zu ihrem normalen Tagesgeschäft. Nun, als Folge des Titels „Schule mit dem Profil Inklusion“, bekommt sie mehr Freiraum: Sie hält pro Woche vier Stunden weniger Unterricht, kann diese Zeit für Organisatorisches in Sachen Inklusion nutzen.
Dazu gehört unter anderem die Kommunikation zwischen der Schule und dem Sachaufwandsträger, der Stadt Rosenheim. Aber auch die Verständigung mit Eltern und mobilem sonderpädagogischem Dienst (MSD). Sieben Mitarbeiter des MSD arbeiten an der Johann-Rieder-Realschule. Eine ihrer Aufgaben ist es, den sogenannten Nachteilsausgleich zu formulieren – also festzuschreiben, welches Kind welchen Bedarf an Unterstützung hat und wie diese organisiert werden kann. Das vom MSD erarbeitete Konzept wird in den Stundenplan der jeweiligen Klasse eingearbeitet. In der Regel bekommt ein Kind maximal drei Stunden pro Woche die notwendige Förderung, zumeist in Form von Einzelförderstunden.
Doch Inklusion erfordert mehr als individuelle Einzelbetreuung. Es geht insbesondere auch darum, Kindern mit Einschränkungen die Teilnahme am regulären Unterricht zu ermöglichen. Wenn sie also schlecht hören oder sehen, muss es im Klassenzimmer Mikrofone geben, muss der Beamer vergrößerte Schriften zeigen können, darf die Tafel nur mit gut sichtbaren Farbkreiden beschrieben werden. Bei Schulaufgaben erhalten die Schüler mehr Zeit. Wenn nötig, wird eine Schulbegleitung organisiert.
Vieles ist an der Johann-Rieder-Realschule seit Jahren gelebte Praxis. Die Schulfamilie habe es sich zum Ziel gemacht, den Kindern „alle Möglichkeiten“ zu bieten, sagt Forstner. Aber er gibt auch zu: „Inzwischen kommen wir an eine Grenze.“ Umso mehr ist er jetzt „froh über den amtlichen Status“ und die daraus resultierende Entspannung für den Schulalltag. Ilsabe WEinfurtner