Zusätzliche Erleichterung: An jeder Haltestelle gibt es Knöpfe, die Auskünfte über den Fahrplan geben.
Einstiegsfelder: Im Optimalfall halten die Busfahrer genau hier und aktivieren damit eine Beleuchtung.
Der bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund veranstaltet am heutigen Montag für alle Sehbehinderten, Blinde und Interessierten einen Rundgang über den Busbahnhof. Mitarbeiter der Stadt erläutern die Nutzung des neuen barrierefreien Busbahnhofs und stehen für Fragen zur Verfügung. Treffpunkt ist um 14.15 Uhr in der Beratungsstelle Rosenheim (Luitpoldstraße 5).
„Es ist eine große Erleichterung“
Rosenheim – Ohne die schwarz-rote Sonnenbrille und den weißen Blindenstock verlässt die ehrenamtliche Bezirksleiterin des Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbundes (BBSV), Brigitte Lindmeier, nie das Haus. Die 54-Jährige hat eine seltene Augenerkrankung und sieht gerade einmal drei Prozent. „Ich bin nach den gesetzlichen Vorgaben blind“, erklärt sie im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen.
Mit sechs Jahren verlor sie, nach etlichen Operationen, ihr Augenlicht auf der linken Seite. Rechts sieht sie nur minimal. „Es ist einfacher, wenn man damit aufwächst“, ist sich Lindmeier sicher und fügt hinzu: „Ich brauche zwar für viele Dinge länger, aber man kann es schon alles schaffen.“ Die Rosenheimerin hat es sich zur Aufgabe gemacht, diese Lebenseinstellung an andere Betroffene weiterzugeben und unterstützt die zahlreichen Mitglieder des Vereins: „Ich will einfach beweisen, dass man auch mit einer Behinderung selbstständig leben kann.“
Den Menschen größtmögliche Selbstständigkeit zu ermöglichen, war auch eines der zentralen Ziele bei der Gestaltung des neuen regionalen Omnibusbahnhofs am Südtiroler Platz. Spezielle Leiteinrichtungen sorgen für eine umfassende Barrierefreiheit für blinde und sehbehinderte Menschen.
Akustikampeln passen sich an
Verkehrslärm an
Für die ersten Erleichterungen sorgen sogenannte Akustikampeln, die gegenüber des Omnibusbahnhofs, an der Luitpoldstraße, zu finden sind. Die kleinen gelben Kästen mit dem Blindensymbol, die am Ampelmast montiert sind, haben an der Unterseite einen Knopf, den Betroffene drücken müssen, um akustische Signale zu erhalten. Ein langsames „Tok-Tok-Tok“ hilft, die Ampeln überhaupt zu finden. Ein schnelles „Piep-Piep-Piep“ signalisiert, dass die Grünphase beginnt. „Die Ampeln passen sich sogar an die Lautstärke des Verkehrs an,“ erklärt Lindmeier. Ist der Krach besonders groß, werden die Ampeln lauter.
Blinde und sehbehinderte Menschen orientieren sich mithilfe von differenzierten Querungen, die sich auf dem gesamten Boden des Südtiroler Platzes befinden. Hierbei handelt es sich um Stellen im Pflaster, die mit dem Blindenstock ertastet werden.
Behutsam tastet sich Lindmeier vor. Eine Fläche mit Noppenstruktur signalisiert ein sogenanntes Aufmerksamkeitsfeld. Dieses weist unter anderem auf Bürgersteigabsenkungen hin.
„Ohne Aufmerksamkeitsfeld wissen wir nicht, ob wir noch auf dem Bordstein stehen oder schon auf der Straße. Das ist beim Omnibusbahnhof ideal gelöst“, sagt Lindmeier. Dem Aufmerksamkeitsfeld folgt ein Richtungsfeld in Rippenstruktur, damit Betroffene wissen, in welche Richtung sie die Straße überqueren müssen.
Weitere Rippenplatten führen zu einer von zwei Anzeigetafeln. Beide geben bei Bedarf akustisch Auskunft: Neben Datum, Zeit und Aufenthaltsort kann man sich über Knopfdruck auch den Fahrplan anhören. „Sogar vorspulen ist möglich“, sagt die 54-Jährige.
Von der Anzeigetafel führen die Rippenplatten zu den jeweiligen Einstiegsfeldern. „Die Busse halten im Optimalfall direkt an diesen Feldern. Und dann gibt es sogar auch eine Einstiegsbeleuchtung.“ Ein weiterer Vorteil: An jeder Haltestelle gibt es nochmals Schalter, die Auskunft geben darüber, wann welche Anschlüsse möglich sind.
„Es ist eine große Erleichterung, besonders für unseren Personenkreis. Ich denke auch für ältere Leute, die Schwierigkeiten mit dem Sehen haben, ist es jetzt viel einfacher, den Bus zu benutzen“, sagt die Bezirksleiterin.
Vom Busbahnhof geht es für Lindmeier vorerst zurück ins Büro und in einigen Stunden dann mit dem Bus nach Hause, zu ihren zwei Kindern und dem selbstständigen Leben.