Rosenheim – Nach der fulminanten Aufführung von „Cats“ anlässlich des 125-jährigen Schuljubiläums reihte sich mit der Premiere von „Anatevka“ ein weiterer Höhepunkt in die inzwischen schon etablierte Musical-Tradition des Karolinen-Gymnasiums ein. In der ausverkauften Vorstellung beeindruckten die Schüler das Publikum mit ihrem Können, teilt die Schule mit.
Besonders: 120 Schüler beteiligt
Bereits vor einem Jahr hatte das P-Seminar „Musik“ unter der Leitung von Simon Steinkühler den Plan gefasst, das bekannte Broadway-Musical zu inszenieren, und mit diesem Vorhaben die ganze Schulfamilie auf Trab gehalten. Denn nicht nur die Seminarteilnehmer waren an der Produktion beteiligt, sondern insgesamt mehr als 120 Schüler aus den verschiedensten Jahrgangsstufen und Wahlkursen (Chöre, Instrumentalensemble, Tanz, Bewegungskünste, Ton und Licht).
Bis der Vorhang endlich aufgehen konnte, waren deshalb unzählige Stunden für musikalische und szenische Proben nötig, die an vielen Nachmittagen, teils in den Sommerferien oder an den Wochenenden, stattfanden.
In zeitintensiver Kleinarbeit wurde unter der Leitung von Antonia Huber und ihrem Team das Bühnenbild gestaltet, wurden die Requisiten (inklusive des selbst gebauten Milchwagens von Tevje) auf die Farbsymbolik des Stückes abgestimmt und die Kostüme (vom Brautkleid bis hin zur zerfetzten Zombiekleidung) den jeweiligen Darstellern auf den Leib geschneidert, sodass sich die Schulmensa in die Welt des osteuropäischen „Schtetls“ Anatevka verwandeln konnte.
Barbara Kreuz, die die Mammutaufgabe der Regie übernommen hatte, schaffte es, alles zu koordinieren, die zahlreichen Ensembles sowie Erst- und Zweitbesetzungen unter einen Hut zu bringen und noch dazu genug Zeit auf die Erarbeitung der Charaktere zu verwenden.
Zombiehafter
Unterstufenchor
Schauspielerisch brillant und mit feinsinniger Komik verkörperte Daniel Hutter (Q12) die Figur des Milchmanns Tevje und zeigte, dass er seiner Rolle nicht nur stimmlich gewachsen ist, sondern auch die feinen Zwischentöne zwischen Patriarch und liebendem Vater herauszuarbeiten versteht. Nicht ohne Witz blieb auch sein Zusammenspiel mit Lilly Pawelke (Q12), die durch ihren selbstbewussten Auftritt als Tevjes streitsüchtige Ehefrau Golde glänzte und ihrem Mann bei der Suche nach geeigneten Schwiegersöhnen ordentlich Dampf machte.
Maria Hamberger (Q12) gelang als Heiratsvermittlerin Jente der Spagat zwischen dem Klischee einer klatschsüchtigen alten Frau und einem verletzlichen Individuum. Gruselig wurde es beim zombiehaften Auftritt des Unterstufenchors (Leitung: Katrin Gell), der vom Technikteam (Leitung: Leander Klendauer und Jonathan Diegelmann, beide Q12) in ein gespenstisches Licht gehüllt wurde und durch die Soloeinlagen von Theo Horbaschek (7c) und Johanna Mayer (7a) hervorstach. Überzeugende individuelle Akzente in ihrer Interpretation der Figuren setzten außerdem Maria Gschwendtner (Q12), Lucinda Hyska (Q12) und Alexandra Schneider (Q12) als Darstellerinnen der heiratswilligen Töchter, sowie Martin Moosburger (Q12), Lukas Carapina (Q12), Konstantin Schiller (Q11) und Haris Tanjo (Q11), die als deren Bewerber auftraten. Bereichert wurden die Auftritte der Solisten und Chöre durch Tanz- und Akrobatikeinlagen (Leitung: Silke Ritter, Matthias Wallner).
Gewissermaßen im Dauereinsatz während der gesamten Aufführung befand sich das Instrumentalensemble, das an die ostjüdische Musik angelehnte Melodien abwechslungsreich zum Klingen brachte. Nicht zuletzt ist ihm und Melissa Karsten als „Fiddler on the roof“ die gelungene Darbietung zu verdanken, die vom Publikum dann auch mit einem tosenden Applaus bedacht wurde. Ein rundum gelungener Abend. Oder, um beim Jiddischen zu bleiben: Einfach „dufte“! re