Liesbeth Wohrizek
Liesbeth Wohrizek, 1936 in Troppau in Mährisch-Schlesien (Tschechien) geboren, studierte 1957 bis 1964 in München an der Akademie der bildenden Künste Malerei bei Charles Crodel sowie Gebrauchsgrafik bei Julius Schmidt und Richard Roth. Parallel dazu Ausbildung in der Glasklasse. 1962-1963 einjähriges Stipendium an der Royal Academy of Arts in London. Hier heiratete die Malerin und Grafikerin 1963 den seit 1953 in München frei schaffenden Bildhauer Walther Wohrizek (1923 Teplitz-Schönau, Nordböhmen/ Tschechien, bis 2004 Obing). Zurück in München schloss Liesbeth Wohrizek 1964 ihr Studium an der Akademie bei Mac Zimmermann ab und wirkte fortan als freischaffende Künstlerin.
1972 zog das Künstlerehepaar Wohrizek von München nach Stockham bei Obing, wo sie einen über 500 Jahre alten Bauernhof erworben hatten. 2015 starb Liesbeth Wohrizek, deren Werke der sakralen Kunst (Kreuzwege, Kirchenfenster, Altäre, Wandteppiche, Glas- und Mosaikarbeiten) in zahlreichen Kirchen in Bayern zu finden sind. Mit ihren freien Arbeiten, großformatigen, gegenstandslosen Bildern, war die Künstlerin auf vielen Ausstellungen, auch international, vertreten. 2013 erhielt sie den Preis für bildende Kunst, den Roter-Reiter-Preis, des Kunstvereins Traunstein.fie
Heilige Hedwig baut Brücken
Eine junge Frau sitzt auf einem Sessel und deutet auf eine kleine Marienfigur mit dem Jesusknaben. Neben sich hat sie ein Paar Schuhe stehen und auf dem Kopf trägt sie Schleier und Krone. Der Heiligenschein weist die weise Lächelnde als Heilige aus. Es ist Hedwig von Schlesien, deren Steinmosaik seit 1985 die Westfassade der Kirche St. Hedwig in der Erlenau ziert. Das Mosaik wurde von der Obinger Künstlerin Liesbeth Wohrizek entworfen, die es in Zusammenarbeit mit der Münchner Firma Gustav van Treeck fertigte. Ein breites Schriftband gibt Auskunft „Sankt Hedwig / Mutter der Armen / Botin des Friedens“.
Edle, handgebrochene Steine wurden verwendet. So säumen Amazonit und Jaspis das grüne Gewand und das lachsfarbene Untergewand. Azurit und Sodalith geben dem Umhang das intensive Blau. Verschiedene Marmor-, Kalk- und Schiefergesteine füllen die Flächen. Goldglas bildet den Namenszug und setzt kleine Akzente. Liesbeth Wohrizek reduzierte bei ihrem Steinmosaik, eine damals beliebte Technik, die Formen und verlieh ihnen eine lebhafte Struktur durch den Wechsel von größeren und kleineren Flächen sowie hellen und dunklen Steinen und polierten und rauen Oberflächen.
Patronin für Kirche
in Erlenau
Die heilige Hedwig, deren Fest am 16. Oktober gefeiert wird, ist die ideale Patronin für diese Kirche in der Erlenau. Hier fanden nach dem Zweiten Weltkrieg Heimatvertriebene ein neues Zuhause. Hedwig, geboren um 1174 auf Burg Andechs als Tochter von Berthold IV. Graf von Andechs und Herzog von Meranien, heiratete den Piastenherzog Heinrich I. von Schlesien und bildet so die Brücke zwischen Bayern und Schlesien.
Der Kirchenbau von St. Hedwig, entstanden nach dem Entwurf des Rosenheimer Architekten Anton Bernhard, ausgestattet von dem Rosenheimer Bildhauer Josef Hamberger und geweiht 1958 durch Joseph Kardinal Wendel, atmet in seiner Schlichtheit den Geist der Neuen Liturgie. Im Altar, damals schon als Volksaltar auf einer Altarinsel konzipiert, sind als Reliquien einige Knochensplitter der heiligen Hedwig eingesetzt. Doch bis in die 1980er-Jahre fand sich keine künstlerische Darstellung der Patronin in oder an der Kirche.
Am 16. Juli 1984 beschloss die Kirchenverwaltung unter Vorsitz von Pfarrer Martin Haitzmann, der 1955 als Kurat in den neuen Seelsorgebereich gekommen war und den Kirchenbau vorangetrieben hatte, die Außenwand beim Haupteingang künstlerisch gestalten zu lassen, „da nun ringsherum gebaut wurde und die Geschäfte farbenfreudige und gut gegliederte Hausfronten schaffen“.
Zwei Künstler wurden um Entwürfe gebeten und der Vorschlag von Liesbeth Wohrizek überzeugte auch Friedrich Kardinal Wetter, als dieser am 22. März 1985 anlässlich der Firmung in St. Hedwig weilte. „Die Finanzierung des Mosaiks ist durch zweckgebundene Spenden und einen zugesagten Zuschuss der Stadt Rosenheim gesichert.“
Liesbeth Wohrizek hatte bereits eine Verbindung zu Pfarrer Haitzmann und der Hedwigskirche. Ihr Mann, Walther Wohrizek, Henselmann-Schüler wie Josef Hamberger, hatte 1958 die Mosaike unter den Apostelkerzenhaltern gestaltet und im Jahr 1962 die Ausstattung der Marienkapelle im Turmuntergeschoss geschaffen.
Pfarrer Haitzmann hätte es gerne gesehen, dass das Mosaik bis zum 14. Juli fertig wäre, da er an diesem Sonntag seinen 70. Geburtstag und Ruhestandspfarrer Georg Reischl sein diamantenes Priesterjubiläum feierten. Am 26. April 1985 erhielt Liesbeth Wohrizek offiziell den Auftrag. Doch weitere Beratungen über die bildliche Gestaltung, so am 13. Juni 1985 mit Domkapitular Prälat Georg Schneider und Baubezirksleiter Ludwig Deimel, verzögerten die Ausführung. Ende August war das Mosaik schließlich fertig und zum Hedwigsfest, dem 16. Oktober 1985, konnte es feierlich geweiht werden. Liesbeth Wohrizek erhielt ein Honorar von 10000 DM, weitere 10000 DM fielen für Material und Herstellung an. Am 17. Januar 1986 resümierte Pfarrer Haitzmann: „Die Arbeit der Künstlerin Elisabeth Wohrizek findet allgemein Anerkennung und hat in der Pfarrgemeinde viel Freude bereitet.“
Marienfigur
als Begleiterin
Die Künstlerin orientierte sich in ihrer Gestaltung der heiligen Hedwig an ganz typischen Elementen aus ihrer Legende. So soll die Heilige aus ihrer bayerischen Heimat eine kleine Marienfigur mitgebracht haben, die sie zeitlebens begleitete und die ihr auch ins Grab mitgegeben wurde, als sie nach ihrem Tod am 14. oder 15. Oktober 1243 in der von ihr gestifteten Klosterkirche Trebnitz bestattet wurde.
Als Herzogin, darauf verweist die Krone, förderte sie die Ansiedlung deutscher Kolonisten, die Vertiefung des christlichen Glaubens und den Ausbau des Landes. Trotz ihrer hohen Stellung lebte sie, wie ihre Nichte die heilige Elisabeth von Thüringen, bescheiden und sorgte sich um Notleidende und Kranke. Wie die Armen wollte sie barfuß gehen und als ihr Beichtvater sie ermahnte, doch Schuhe zu tragen, trug sie diese unter dem Arm. Am 26. März 1267 sprach Papst Clemens IV. die schlesische Landesmutter heilig, schnell verbreitete sich ihre Verehrung und bald kamen Reliquien nach Andechs.
Die Künstlerin Liesbeth Wohrizek ist noch mit einem weiteren Kunstwerk in der Hedwigskirche vertreten. Im Jahr 1996 ließ der Nachfolger von Pfarrer Haitzmann, Pfarrer Ulrich Dillmann, von der Obinger Künstlerin eine Mosaikscheibe von zwei Metern Durchmesser hinter dem monumentalen Kruzifix von Josef Hamberger anbringen. Es symbolisiert die aufgehende Sonne und damit die Auferstehung. Pfarrer Dillmann war es auch, der im Jahr 1993 eine farbig gefasste Schnitzfigur der heiligen Hedwig von dem Kolbermoorer Bildhauer Klaus Bechtold in der Kirche aufstellen ließ, sodass seither die Patronin von Schlesien, Polen und der Heimatvertriebenen zweifach vertreten ist.