von Redaktion

Marox, Kathrein – und seit zweieinhalb Jahren Emilo: Das Eisstadion hat schon mehrere Namen getragen. Um den aktuellen und einen eventuell neuen ist jetzt ein Streit entbrannt.

Emilo? ROFA? Streit um Eisstadionnamen

Rosenheim – Im April 2016 war die neue Leuchtschrift am Eisstadion angebracht worden: Seitdem prangt der Schriftzug eines Münchener Kaffeerösters an der Halle. Werden die Starbulls in der neuen Saison nicht mehr im Emilo-, sondern im ROFA-Stadion auflaufen? So könnte es sein, denn neben dem aktuellen Namensgeber hat sich auch das Kolbermoorer Unternehmen ROFA bei der Stadt um das Namenssponsoring beworben, bestätigt auf Anfrage ROFA-Vorstand Andreas Bauer (siehe Interview unten).

Den Fans mag es egal sein, wie ihr Stadion heißt. Trotzdem gibt es Irritationen und Streit. Denn Emilo-Geschäftsführer Emanuel Clemm erhebt Vorwürfe, er sei bei der Bewerbung um das Namenssponsoring auf die Seite gedrängt worden.

Das 2012 von Clemm (29) gegründete Unternehmen Emilo war schon vor 2016 Sponsor bei den Starbulls. Clemm, der in Rosenheim aufwuchs und 2009 am Ignaz-Günther-Gymnasium Abitur machte, ist ein großer Eishockeyfan. 2016 weitete die von ihm gegründete Kaffeerösterei mit Sitz in München ihr finanzielles Engagement auf das Namenssponsoring aus – mit der Vorgabe, dass das Geld in die Nachwuchsarbeit der Starbulls fließt. Clemm investierte damals für den Schriftzug einen „mittleren fünfstelligen Betrag“. Jetzt sieht er die Gefahr, dass er die Leuchtbuchstaben mit der charakteristischen dampfenden Kaffeetasse in e-Form wieder abbauen muss.

Sein Vertrag mit der Stadt als Eigentümerin des Stadions läuft im Frühjahr 2019 aus. Die relativ kurze Laufzeit war, so Clemm, der Tatsache geschuldet, dass 2016 noch nicht feststand, ob das Stadion im Bestand saniert oder neu gebaut wird. Mittlerweile steht fest: Das Gebäude bleibt und soll im Bestand um eine zweite Eisfläche erweitert werden.

Bereits im Februar 2018 hat Clemm nach eigenen Angaben eine Anfrage an die Kommune gestellt und darin die Absicht von Emilo bekundet, den Vertrag frühzeitig zu verlängern. Die Stadt habe geantwortet, angesichts der Tatsache, dass der Vertrag noch ein ganzes Jahr laufe, gebe es keine Dringlichkeit. Im Mai ging Clemm erneut auf die Stadt zu, um seinen Willen zur Vertragsverlängerung zu bekräftigen. Im Sportamt habe man überrascht reagiert, erinnert er sich. Man habe von den Starbulls gehört, Emilo habe kein Interesse an einer Namensgebung mehr, sei ihm gesagt worden. „Das ist eine Lüge, ich habe niemals gesagt, dass ich aufhören will“, ärgert sich Clemm.

Mitte des Jahres habe er sein Interesse deshalb erneut schriftlich bekundet und ein Angebot abgegeben, später diesen Vorgang im förmlichen Vergabeverfahren der Stadt noch einmal wiederholt. Bei einem Termin mit dem damaligen Starbulls-Vorsitzenden Hans-Peter Schwarzfischer, einem Vertreter des Mitbewerbers ROFA und ihm sei es nicht möglich gewesen, sich zu einigen. „Die ROFA will den Namen, wir wollen den Namen.“

Die Fronten

sind verhärtet

Die Fronten sind also verhärtet. Doch Clemm geht davon aus, dass sein Unternehmen keine Chance hat. Denn der damalige Vorsitzende Schwarzfischer habe in einem Telefonat mit ihm ausgesagt: Er werde als Vorstand alles dafür tun, dass sich die Stadt bei der Vergabe des Stadionnamens gegen Emilo entscheide. Das habe er Schwarzfischer persönlich nicht übel genommen, trotzdem sehe er in dieser Aussage ein Zeichen dafür, dass die Starbulls Einfluss nehmen würden.

Nun könnte man meinen, Namensgeber wird halt der Sponsor, der die größte Summe Geld in die Hand nimmt. Doch Clemm ist der Ansicht, dass sein Unternehmen juristisch gesehen ein vorrangiges Recht auf Vertragsverlängerung habe.

2016 sei Emilo gut genug gewesen, jetzt, wo ein neuer starker Sponsor ins Spiel gekommen sei, werde das Unternehmen auf das Abstellgleis gestellt. „So geht man mit aktiven Sponsoren nicht um“, findet Clemm, der auch den FC Bayern München Basketball unterstützt. Verärgert hat er mittlerweile sein übriges Sponsoring im Block und auf Trikots heruntergefahren.

Das sagen die Starbulls und die Stadt Rosenheim

Morgen, Sonntag, läuft die Bewerbungsfrist für das Namenssponsoring des Eisstadions ab. Die Stadt kann nach Angaben von Pressesprecher Thomas Bugl deshalb derzeit aufgrund des noch laufenden Verfahrens aus vergaberechtlichen Gründen nicht Stellung nehmen. Sie kündigt für Montag, 5. November, eine Stellungnahme an.

Die Starbulls, vertreten durch Vorstandsmitglied Christian Hötzendorfer, teilen auf Anfrage mit: „Wie alle Vertragspartner ist auch die Stadt Rosenheim an die Verschwiegenheitspflicht gebunden, die zwischen Vertragsparteien gilt. Daran hält sich die Stadtverwaltung selbstverständlich auch gegenüber dem Hauptnutzer des Eisstadions, dem Verein Starbulls Rosenheim e.V., weshalb Verträge oder deren Inhalte dem Verein nicht bekannt sind. Der Verein kann insofern nicht beurteilen, zu welchem Zeitpunkt welche oder ob überhaupt Anträge seitens des Kaffeerösters Emilo an die Stadtverwaltung gestellt wurden. Bekannt ist unserem Verein lediglich, dass die Namensrechte, die derzeit die Firma Emilo aus München hält, im Jahr 2019 auslaufen. In welcher Form oder ob die Stadt Rosenheim überhaupt Bietergesuche auf zu vergebende Namensrechte für beziehungsweise für nach 2019 erhalten hat und in welcher Höhe, ist unserem Verein nicht bekannt.“ Hötzendorfer ist überzeugt: „Nur wenn Stadtrat, Stadtverwaltung und alle Unternehmen in Stadt und Landkreis Rosenheim ein starkes, partnerschaftliches Netzwerk bilden, wird es gelingen, Rosenheim wieder zurück in die sportliche Spitze zu hieven und gleichzeitig den Kinder- und Jugendbereich der Starbulls in Deutschland führend zu halten.“ Dafür werde die Vorstandschaft alles tun. Das gelte auch für ehemalige Vorstandsmitglieder. „Über Gespräche und deren Inhalte mit Partnern, Sponsoren oder anderen Vertragsparteien äußert sich der Verein generell nicht“, so Hötzendorfer. Die Starbulls haben nach seinen Angaben vollstes Vertrauen, dass Stadtrat und Stadtverwaltung eine zukunftsgerichtete Entscheidung im Sinne der Entwicklungsmöglichkeiten des gesamten Rosenheimer Eissports treffen werden. duc

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