Neue Wohnungen auf dem Campus

von Redaktion

Wohnraum ist in Rosenheim knapp und teuer. Studienanfänger starten ihre Hochschulzeit deshalb in ihrer Not manchmal sogar im Zelt. Doch ein neues Projekt gibt Hoffnung: der Campus Rosenheim mit 150 bis 200 Wohnungen und einem Boardinghaus mit 40 Zimmern.

Rosenheim – Trostlos wirkende lange Flure, an denen sich wie Schuhschachteln die Studentenzimmer aneinanderreihen, Gemeinschaftsdusche auf dem Gang: So sieht es bis heute oft aus, das klassische Studentenwohnheim. Ein Ausdruck, den Professor Peter Astner, Initiator und Investor des Campus Rosenheim, nicht in den Mund nimmt. „Wir bauen kein Studentenheim“, stellt er klar. „Wir bauen einen Campus mit neuen, modernen Formen des studentischen Lebens.“

Wo, das steht schon fest: auf dem sogenannten Hubauer-Gelände, das früher der gleichnamigen Getränkefirma gehörte, später einer anderen Rosenheimer Unternehmerfamilie, seit 2015 Peter Astner. Die Hubauer-Halle ist noch bis Ende September 2019 an die Firma Krones vermietet.

5000 der 14 000 Quadratmeter des Areals hat Astner an die Stadt verkauft, die hier über ihre Tochter GRWS ein Wohngebiet verwirklichen will (Siehe Kasten). Auf der restlichen Fläche soll Wohnraum für Studenten und für „flying Profs“, Gastprofessoren an der Technischen Hochschule, sowie Gaststudenten entstehen.

Wie die Studentensiedlung aussehen könnte, auch dazu gibt es Vorstellungen. Denn die für das Projekt gegründete Firma „Campus Ro“ hat einen Architektenwettbewerb ausgelobt und 16 international renommierte Büros zur Teilnahme eingeladen. 14 gaben ihre Entwürfe ab. Das Preisgericht hat drei gleichrangige Sieger gekürt. Sie werden ab Mittwoch, 14. November, in der Technischen Hochschule vorgestellt – im Rahmen einer Ausstellung.

Von Studenten

für Studenten

Trotz unterschiedlicher Ansätze eint die drei Siegerkonzepte – zweimal mit Riegel-, einmal mit aufgelockerter Bebauung – ein Freiflächenkonzept mit Innenhöfen als Räumen für Begegnung. Ein Campus, der Studieren, Wohnen und Freizeit verbindet.

Doch woher wissen Architekten heute, was Studierende wollen? Im Rosenheimer Fall auch, weil Investor Astner an der Technischen Hochschule als Lehrbeauftragter für Bau- und Architektenrecht tätig ist. Und sich schon lange mit dem Thema studentisches Wohnen beschäftigt. Bei Hochschulpräsident Professor Heinrich Köster lief Astner nach eigenen Angaben mit seiner Idee, einen Campus zu entwickeln, offene Türen ein. Denn die Hochschule wird, wie berichtet, auf dem Gelände der Bogensiedlung erweitern – mit Gebäuden für Lehre und Wissenschaft. Jetzt soll auch noch neues Studentenwohnen vor Ort verwirklicht werden – mit dem Ziel: entwickelt von Studenten für Studenten.

Zwei Studiengänge widmeten sich deshalb in zwei Semestern der Frage: Welche Formen des studentischen Wohnens sind gewünscht? Und wie können sie realisiert werden? Zukünftige Innenarchitektinnen lieferten Antworten. Sie stellten die Basis für den Wettbewerb. Auch das Studierenden-Parlament war und ist eingebunden. Unter anderem gingen die Ergebnisse einer Online-Umfrage unter den Kommilitonen in die Auslobung des Wettbewerbs ein.

Campus-Ro-Geschäftsführer Nikolaus Merz kann deshalb sagen, wie Studenten wohnen wollen: in einem Campus, der Gemeinschaft und Rückzug gleichermaßen ermöglicht. Gemeinschaft für Begegnungen und Austausch, Rückzug für konzentriertes Lernen. Was Studeten ebenfalls wünschen: Qualität – auch beim Wohnen auf Zeit. Das bedeutet nach Angaben von Astner: ansprechende Räume, in denen sich die Studierenden wohlfühlen – mit Zusatzangeboten wie einer Fahrradwerkstatt, eines Cafés. „Intelligente Flächen“, ergänzt Merz. Will sagen: flexibel nutzbare Räume, verbunden über Hochleistungs-IT-Netzwerke.

Die Erhebungen im Vorfeld des Architektenwettbewerbs haben außerdem gezeigt: Die typische Studenten-WG wünschen sich nur 21 Prozent der Studierenden, 50 Prozent ziehen Einzelappartements vor. Sechs Prozent würden gerne Familienwohnungen beziehen, denn an der Technischen Hochschule studieren viele im zweiten Bildungsweg und bringen ihre Familie mit.

Doch wird hier eine Wohnung auch bezahlbar sein, denn Campus Rosenheim möchte sich auch selber um den Betrieb kümmern – im Idealfall mit Unterstützung der studentischen Selbstverwaltung. „Die Kosten sollen unter denen eines Standard-WG-Platzes in Rosenheim sein“, sagt Astner. Das heiße: 400 Euro warm sei die Schallgrenze.

37 Millionen Euro umfasst nach Astners Angaben das Projektvolumen. Ein gewaltiges Vorhaben, das ihm jedoch keine schlaflosen Nächte beschert. Denn: „Wir werden auf einer Welle getragen und von allen Seiten intensiv unterstützt. Das Projekt wird gebraucht, weil Rosenheim es braucht.“ Das Unternehmen „Campus Ro“ werde außerdem von einem Trio geleitet, das eine hohe Expertise verspreche: Nikolaus Merz als Geschäftsführer mit kaufmännischer Erfahrung, Astner als Rechtsanwalt und Lehrbeauftragter, Lore Köster als Architektin.

Gemeinsam haben sie sich vorgenommen, einen Campus zu schaffen, der die Holzstadt Rosenheim auch sichtbar nach außen symbolisiert. Bauen sollen die Siedlung regionale Unternehmen. Im November fällt nach Ausstellungsende die Entscheidung darüber, welche der drei Siegerentwürfe des Wettbewerbs am besten zu realisieren ist. Dann steht fest, wie er aussehen wird: der Campus – eine neue Marke des studentischen Wohnens, so das Ziel.

„Beitrag zum bezahlbaren Wohnen“

Rosenheim – Auf einem kleinen Bereich des Hubauer-Geländes will die Stadt bauen lassen – über die GRWS. Pressesprecher Thomas Bugl zum Stand der Dinge:

Ist das Vorhaben als Teilersatz für die Bogensiedlung gedacht?

Nein, das wäre schon aus zeitlichen Gründen nicht möglich. Das geplante Projekt soll aber selbstverständlich dazu dienen, das knappe Wohnraumangebot in Rosenheim zu erhöhen. Es wird an den Bau von vier- bis fünfgeschossigen Mehrfamilienhäusern gedacht.

Für welches Klientel?

Die Stadt will dort einen Beitrag zum bezahlbaren Wohnen leisten. Eine Entscheidung zu Wohnungsgrößen und Wohnungsmix ist derzeit noch offen.

Und wie weit sind die Planungen?

Die Planungen stehen ganz am Anfang. Bisher gibt es unterschiedliche städtebauliche Vorschläge, die im Rahmen des Architekturwettbewerbs zum Campus Rosenheim entwickelt wurden.Interview Heike Duczek

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