„Jeder, der seine Stadt liebt, ist ein Influencer“

von Redaktion

Interview City-Managerin erklärt, warum sie sich im Ausschuss geärgert hat

Rosenheim – City-Managerin Sabrina Obermoser erläutert die Gründe für ihre Verärgerung und wo das Online-Marketing für die Einkaufsstadt steht.

Was hat Sie an der Diskussion im Wirtschaftsausschuss gestört?

Es fehlt in Rosenheim eine grundlegende Online-Strategie, die Stadt als Einkaufs- und Erlebnisstandort zu vermarkten. Nur einzelne Punkte wie einen Influencer herauszupicken, ist für mich der falsche Ansatz. Am meisten hat mich jedoch gestört, dass das City-Management sich mit der Thematik beschäftigt, hier bereits Erfahrungen gesammelt hat, jedoch niemand mit uns in Kontakt getreten ist. Zudem wurde mit Begriffen sehr oberflächlich umgegangen, ohne die Hintergründe beleuchtet zu haben. Die Online-Strategie lebt von unterschiedlichen Faktoren. Hier sprechen wir nicht nur von einem Hashtag auf Instagram. Youtube-Channel, Facebook, Insta- gram, Blog, Vlog, Landingpage, Marktplatz – das sind immense Aufgaben. Diese zu realisieren, passiert nicht einfach nebenbei. Nicht umsonst gibt es zahlreiche Städte, die eigene Stellen dafür geschaffen haben. Ich muss einräumen, dass ich wohl mit der falschen Erwartungshaltung in den Ausschuss gekommen bin. Ich hätte mir ein weitreichenderes Konzept gewünscht. Es ist jedoch generell erfreulich, dass das Thema zumindest auf der Tagesordnung stand und nun hoffentlich ernsthaft an einer Umsetzung gearbeitet wird.

Wie steht das City-Management zum Influencer-Marketing?

Das Influencer-Marketing darf nur als Baustein betrachtet werden. Jeder Rosenheimer, der seine Stadt liebt, agiert hier als Influencer oder Markenbotschafter seiner Stadt. Wenn man auf bekannte Influencer mit großer Reichweite zurückgreifen möchte, müssen diese gezielt ausgewählt und die Inhalte gesteuert werden. Man darf doch stolz darauf sein, was Rosenheim zu bieten hat. Das darf man auch zeigen, ob nun in einem Inserat in der Zeitung oder auf Onlinekanälen. Influencer zeigen das positive Bild der Stadt und motivieren dadurch zu einem Besuch Rosenheims und damit auch der Geschäfte und der Gastronomie. Das Influencer-Marketing ist daher ein möglicher Bereich in der Onlinestrategie, der verfolgt werden kann, um Rosenheim gerade bei der jüngeren Generation wieder in den Fokus zu rücken. Das City-Management hat sich intensiv darum bemüht, die Mitgliedsgeschäfte für das Online-Geschäft zu interessieren – unter anderem in Workshops.

Wie weit ist der Einzelhandel im Online-Handel vorangekommen?

Hier sprechen wir nach wie vor von einer sehr heterogenen Landschaft. Vom „Online-Anfänger“ bis zum Profi ist alles vertreten. Wir können nur Impulse geben, die teilweise dankend angenommen werden, andere fühlen sich überfordert mit der Aufgabe. Die Vielzahl an Kanälen, die man heute bedienen soll, stellt Geschäftsleute vor eine große Herausforderung und bindet zeitliche und finanzielle Ressourcen. Bei zurückgehenden Frequenzzahlen müssen wir mit dem Einzelhandel, Stadtverwaltung und City-Management gemeinsam eine Lösung erarbeiten. Und das Ganze lieber gestern als morgen. Interview: Heike Duczek

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