Rosenheim – Sie posten in den sozialen Netzwerken, wo sie ihre coolen Klamotten kaufen, in welchem Hotel sie bei ihrem Karibikurlaub absteigen und wo der Hamburger am besten schmeckt – und Millionen Menschen folgen ihnen. Nicht nur im Netz, bei Instagram, sondern im besten Falle auch mit dem Konsumverhalten in der realen Welt: „Influencer“ sind die neuen Werbestars. Ihre Marketinginstrumente: Selfies und Posts. Doch kann auch eine Kommune angesagte Leute mit hohem Einfluss auf andere beim Marketing für den Einzelhandelsstandort nutzen?
Die SPD-Stadtratsfraktion findet, diese Frage muss beantwortet werden – gemeinsam mit dem City-Management. Der Antrag der Sozialdemokraten wurde deshalb im Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus behandelt.
Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl lehnte die Idee nicht generell ab, warnte jedoch vor zu hohen Erwartungen. Deutsche Vorreiter-Städte wie Hof seien in das Influencer-Marketing eingestiegen. In Hof pusht Bloggerin Debora Fikentscher die Stadt auf dem Blog „einkaufen-in-hof.de“. 3400 Follower: Das sei trotz der hochgelobten Kampagne nicht viel, fand Bugl. Natürlich gebe es Metropolen wie London und New York, die über Influencer werben – so erfolgreich, dass den beiden Weltstädten 88 Millionen Menschen folgen.
Doch Rosenheim ist nicht London. Und die Experten der Beratungsgesellschaft Cima, die die Stadt seit Jahren in puncto Einzelhandelsentwicklung fachlich begleiten, warnen nach Bugls Angaben sogar davor, auf den Zug aufzuspringen. Es könne sich als Strohfeuer entpuppen. Noch nicht ausgereift genug sei diese Marketingform im Bereich Einzelhandel, so Bugl.
Dass es im Bereich Fremdenverkehr klappe, zeige der Tourismusverband Chiemsee-Alpenland: Er sei bereits auf sozialen Netzwerkkanälen aktiv und werbe dort für die Region und auch für Rosenheim. Unter anderem gab es eine Kampagne für den Christkindlmarkt.
Bugl schlug vor, zuerst eine „Landing-Page“ zu entwickeln – eine Internetseite, auf der Nutzer zuerst landen, wenn es um die Einkaufsstadt Rosenheim geht. Diese Plattform soll der Präsentation von Geschäften und Marken dienen und einen Anstoß geben für die Nutzung sozialer Netzwerke – auf denen sich für Rosenheim später dann auch Influencer tummeln könnten. Doch wer soll das sein? Fitness-Bloggerin Sophie Thiel? CSU-Stadtrat Daniel Artmann sieht die Notwendigkeit, Personen zu motivieren, die authentisch für Rosenheim stehen. Sein Beispiel: der Rennfahrer Martin Tomczyk.
„Wie wäre es mit den Rosenheim-Cops?“, fragte Franz Opperer von den Grünen. Geschäfte in der Innenstadt seien oft Drehorte. Sie müssten ja nicht unbedingt verfremdet werden und könnten in der Serie ihre Produkte platzieren. Das ist laut Bugl jedoch seit einer Novellierung des Rundfunkstaatsvertrages nicht mehr möglich, weil es als subtile Werbung angesehen wird. Die Stadt habe mit den Bavaria Studios zwar eine Lizenzvereinbarung über die Marke Rosenheim-Cops getroffen, doch die Vermarktung sei trotzdem eine sehr schwierige Angelegenheit.
Artmann und Opperer wiesen darauf hin, dass das Einzelhandelsmarketing nicht Kernaufgabe der Stadt sei. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU) sieht eher die Notwendigkeit, die Rahmenbedingungen für eine optimale Präsentation zu schaffen. Ein Mosaikstein sei die „Landing-Page“, die den Einzelhandel für das Thema Online-Marketing – auch über soziale Netzwerke – sensibilisieren könne, sagte Bugl. 7000 Euro will das Stadtmarketing dafür ausgeben – in Co-Finanzierung mit einem Partner wie dem City-Management. Die Präsentation soll sich nicht allein auf die Innenstadt konzentrieren, sondern den Aicherpark und das Möbelhaus Weko einbeziehen.