Rosenheim – Rosenheim darf sich weiter „Fairtrade-Stadt“ nennen: Nach der Zertifizierung vor zwei Jahren fand jetzt die Rezertifizierung statt. Dr. Beate Burkl, Vorsitzende des Fördervereins Fairtrade-Stadt Rosenheim, erhofft sich dadurch einen weiteren Auftrieb für den fairen Handel. „Unfair war gestern“, sagte sie bei der Feierstunde im Rathaus.
Weltweit gibt es bereits über 2200 Fairtrade-Städte in 36 Ländern. In Deutschland sind es aktuell 571.
Dr. Beate Burkl sieht Rosenheim darum als „Teil eines weltumspannenden Netzes“. Ein Jahr nach der Zertifizierung gründete sich in Rosenheim der Förderverein Fairtrade-Stadt Rosenheim. „Das ist ein Alleinstellungsmerkmal in Deutschland“, erklärte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer in ihrer Rede. Der Weg zu einem weltweit fairen und friedlichen Miteinander erfordere große Anstrengungen. Hinter dem Logo „Fairtrade-Stadt“ würden viele kleine, fast unmerkliche Schritte dazu beitragen, die Welt zumindest ein kleines Stück besser zu machen. Trotz bestehender Ungerechtigkeit im internationalen Handel, Ausbeutung, Verschmutzung der Umwelt und globaler Schädigung des Klimas sehe sie auch ermutigende Zeichen: „Die Märkte verändern sich. Nachhaltige Produkte gewinnen an Bedeutung.“
Die musikalische Umrahmung der Feierstunde übernahmen Schüler der beiden zertifizierten Fairtrade-Schulen der Stadt: der Kinderchor der Grundschule Westerndorf St. Peter und die Bläsergruppe des Karolinen-Gymnasium. Das Schwerpunktthema lautete „Faire Kleidung“. „Sie hat eine hohe Qualität und ist durchaus attraktiv“, meinte Gabriele Bauer.
Wo faire Kleidung erhältlich ist und warum man mit dem Kauf dieser Produkte nicht nur für soziale Gerechtigkeit, sondern auch für den Schutz von Umwelt und Klima eintritt, machte eine Podiumsdiskussion deutlich. Fairtrade-Referentin Carina Bischke stimmte zuvor mit einem kurzen Impuls-Referat auf das Thema ein: Weltweit arbeiten über 30 Millionen Menschen in der Bekleidungsindustrie. „Viele dieser Menschen werden extrem schlecht bezahlt“, stellte sie fest. In Ländern wie Bangladesh liege der Lohn bei durchschnittlich 54 Euro monatlich, rund 250 Euro seien dort aber für die Existenzsicherung nötig. Außerdem sei vielen Verbrauchern hierzulande nicht klar, dass sie mit ihrem Konsumverhalten auch zur Schädigung von Umwelt und Klima beitragen. „Für die Produktion eines Baumwoll-T-Shirts benötigt man rund 2700 Liter Wasser“, klärte die Referentin auf. In Ländern, in denen Baumwolle produziert wird, führe das mittlerweile zu einem akuten Wassermangel. Zudem würden Chemikalien, die bei der Herstellung der Textilien zum Einsatz kommen, das Trinkwasser verschmutzen.
Höhepunkt der Feier war die Überreichung der Rezertifizierungs-Urkunde. Rosenheim habe dafür alle Kriterien voll erfüllt, betonte Carina Bischke. Mit der Rezertifizierung beweise die Stadt, dass bei der Zertifizierung vor zwei Jahren nicht nur eine Urkunde an die Wand gehängt, sondern ein aktiver Prozess in die Wege geleitet wurde. Der Titel „Fairtrade-Stadt“ wird jeweils für zwei Jahre vergeben. Für den Förderverein „Fairtrade-Stadt Rosenheim“ gibt es also weiter viel zu tun.