Energiepreise steigen

von Redaktion

2019 müssen die Bürger bundesweit höhere Energiepreise verkraften. Auch in Rosenheim zahlen Kunden der Stadtwerke im neuen Jahr etwa sechs bis neun Prozent mehr für Strom, Gas und Fernwärme.

Rosenheim – „Wir können uns den weltweiten Entwicklungen nicht entziehen“, bedauert Dr. Götz Brühl, Geschäftsführer der Stadtwerke Rosenheim. Diese seien zwar nur ein kleines Rädchen im Getriebe der nationalen und internationalen Energiepreismärkte. Doch das kommunale Versorgungsunternehmen müsse die weltweiten Entwicklungen mit ausbaden.

Am Beispiel der Strompreispolitik wird dies besonders gut deutlich: Auch die Stadtwerke Rosenheim kaufen den Strom für ihre 35000 Kunden in der Stadt und für die 17200 Haushalte im Umland und in fremden Netzgebieten an der Leipziger Börse ein. Aktuell gehe die Preiskurve steil nach oben, berichtet Brühl. Seit Ende März seien die Preise pro Megawattstunde Strom von 35 auf 53 Euro gestiegen, das sind rund 70 Prozent.

Abhängig von

Großhandelspreisen an Leipziger Börse

„Seit 2009 sind sinkende Großhandelspreise durch steigende Abgaben und Umlagen ausgeglichen worden. Jetzt klettern die Preise von Strom, Gas, Kohle und CO2-Zertifikaten an den Börsen. Damit endet nun eine lange Periode, in der die Endkundenpreise stabil waren“, erläuter Brühl.

Weiterer Preistreiber: Umlagen, die unter anderem helfen, den Netzausbau vor allem im Bereich der Windkraft zu finanzieren. Hier stehen gewaltige Investitionen für ober- und unterirdische Leistungen von Nord- nach Süddeutschland an. Größte Herausforderung: Netzengpässe ebenso zu verhindern wie Überlastungen. Dieser Ausgleich wird über das sogenannte Netznutzungsentgelt finanziert. Je mehr Handlungsbedarf besteht, desto höher ist hier der Finanzierungsaufwand – verbunden mit steigenden Umlagen, berichtet Brühl.

Seit 2017 haben sich nach seinen Angaben außerdem die Preise für die CO2-Zertifikate – nach etwa zehn Jahren Stabilität – deutlich erhöht: Pro Tonne des klimaschädlichen Kohlendioxids muss jetzt ein finanzieller Ausgleich für die ökologische Belastung von 20 Euro gezahlt werden (eine Vervierfachung gegenüber den Vorjahren).

Der Großhandelsmarktplatz, auf dem sich auch kleine Stadtwerke tummeln müssen, werde außerdem durch internationale Entwicklungen geprägt. Diese wiederum würden durch den stark erhöhten Energiebedarf in China und Schwellenländern wie Indien ausgelöst. Die Verdoppelung der Ölpreise (für Gas stiegen sie im Großhandel auf ein Anderthalbfaches) wirke sich negativ aus. Ein weiterer Einfluss im Welthandel ist nach wie vor – trotz der Ausstiegsbemühungen in Deutschland – der Kohlepreis, der sich laut Brühl seit 2016 verdoppelt hat und sich in Deutschland auf den Strompreis niederschlägt.

„Die Stadtwerke bedauern all diese Entwicklungen, haben aber keine Möglichkeit darauf Einfluss zu nehmen“, so Brühl.

Dass sich mit dem Strom- auch der Preis für Fernwärme erhöht, liegt auf der Hand. Denn Fernwärme, an dessen 160 Kilometer langem Netz in Rosenheim aktuell rund 1350 Gebäude angeschlossen sind, ist – dank der Kraft-Wärme-Kopplung – ein Nebenprodukt der Stromerzeugung. Auch die Gaspreiserhöhung sei ein Ergebnis der weltweiten Entwicklungen, so Brühl weiter. Gebührenänderungen bei Gas und Fernwärme gab es das letzte Mal 2011.

Doch auch beim Trinkwasser wird erhöht. Als Grund nennt Brühl allgemein gestiegene Baupreise.

Rechenbeispiele für Strom, Gas, Fernwärme und Wasser

Strom (erhöht wird der Verbrauchspreis): Eine Durchschnittsfamilie verbraucht pro Jahr etwa 2700 Kilowattstunden Strom. Pro Monat zahlt die Familie ab 2019 etwa 4,80 Euro mehr als bisher.

Gas: Ein normales Einfamilienhaus verbraucht im Jahr etwa 20 Megawattstunden Gas. Die Kosten pro Monat werden sich in diesem Fall um etwa 9,30 Euro erhöhen.

Fernwärme: Berechnet für ein Mehrfamilienhaus mit 26 Wohneinheiten, zahlt ein Mieter ab 2019 durchschnittlich 4,60 Euro mehr für Fernwärme als bisher.

Wasser: Ein Einfamilienhaus verbraucht pro Jahr etwa 120 Kubikmeter. Das ergibt eine Preiserhöhung von etwa 1,20 Euro pro Monat.duc

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