Rosenheim – „An die Senioren heranzukommen, ist nicht leicht“, weiß Josef Kugler, Vorstand des Seniorenbeirats. Die Rosenheimer Seniorenmesse soll das ändern. Am vergangenen Samstag fand sie zum zweiten Mal im Kultur- und Kongresszentrum statt. Der Andrang war mit über 2500 Besuchern groß. Organisatoren, Aussteller und Besucher zeigten sich durch die Bank sehr zufrieden.
Eine Messe mit rund 40 Ausstellern und Rahmenprogramm mit Musik und Show zu organisieren, macht viel Arbeit. „Ein Jahr lang waren wir damit beschäftigt“, erzählte Josef Kugler. Dass sich der Aufwand gelohnt hat, zeichnete sich bereits eine halbe Stunde vor der offiziellen Eröffnung ab. Schon da herrschte an vielen Ständen reger Betrieb.
Die Informationsmöglichkeiten waren bei der Seniorenmesse breit gefächert. Kliniken und medizinische Dienste luden zu Seh-, Gehör- und Reaktionstests ein, außerdem konnte man Blutdruck und Blutzucker messen oder mittels Ultraschall eine Verengung der Halsschlagader ausschließen lassen. Sozialverbände, Stadtbibliothek und Volkshochschule präsentierten ebenso ihre Angebote wie Fahrschulen und Transportunternehmen. Die freiwillige Feuerwehr startete auf dem Vorplatz des Kuko eine Feuerlöschübung, die Polizei gab Tipps für die Sicherheit und ein Richter vom Amtsgericht beriet zu Fragen zur Betreuung von Senioren, die ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen können. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, Zweiter Bürgermeister Anton Heindl und Dritte Bürgermeisterin Dr. Beate Burkl nahmen sich viel Zeit, um mit den Besuchern ins Gespräch zu kommen.
Das Motto in diesem Jahr lautete: „Für jedes Problem gibt es auch eine Lösung“. „Die Messlatte wurde damit hoch gelegt“, meinte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. Beim Rundgang durch die Messe zeigte sich dann aber schnell, dass es tatsächlich schon eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt, die das Leben im Alter enorm erleichtern können.
Damit auseinandersetzen sollte man sich möglichst frühzeitig, lautete die einhellige Meinung der Experten. Die Realität sieht anders aus. Die meisten Menschen schieben das Thema „Alter“ möglichst lange weit von sich weg. „Man macht sich zwar Gedanken über die finanzielle Absicherung, aber was es wirklich heißt, alt zu werden, dass man dann vielleicht schon Hilfe braucht, um eine Tür aufzumachen, das verdrängt man lieber“, sagte Roman Linke. Der 51-jährige Rosenheimer besuchte die Seniorenmesse in erster Linie, um sich über Hilfeangebote für seine Eltern zu informieren, beispielsweise einen Notrufknopf: „Ein Notruf bringt Sicherheit und kann dazu beitragen, möglichst lange im Zuhause zu bleiben.“
Das Thema „Wohnen im Alter“ beschäftigte auch viele andere Besucher. Ein Ehepaar aus Westerndorf St. Peter, beide 83 Jahre alt, und nach eigener Einschätzung noch „fit“, suchte nach Ideen, um sich die Hausarbeit zu erleichtern. „Bis jetzt klappt alles ganz gut. Aber das kann sich schnell ändern“, wissen die beiden. Für die Zukunft wünschen sie sich vor allem eines: „Wir wollen so lange es nur geht, in unserer eigenen Wohnung bleiben.“
Nur die wenigsten Wohnungen sind aber seniorengerecht gestaltet. „Das ist ein wirklich großes Problem“, sagte Silvia Stock, Seniorenbeauftragte des Landkreises Rosenheim. Ihr Rat: „Schon frühzeitig mit kritischen Augen durch die Wohnung gehen. Wo stehen Möbel im Weg? Passt ein Rollator durch die Zimmertür?“