Ovb-Serie In alten Zeitungsbänden geblättert – Umzug ins Gebäude am Innreit
Neues Haus für die Stadtwerke
Rosenheim – Ein Blick zurück in die Vergangenheit sagt viel über die Entwicklung einer Stadt und die Sichtweise früherer Generationen. Vieles wiederholt sich auch in verblüffender Weise. Wir haben deshalb in alten Zeitungsbänden geblättert und präsentieren in unregelmäßigen Abständen die interessantesten Dinge aus bestimmten Jahren. Heute geht es um die Zeit vom 14. bis 27. Januar.
„Am Donnerstag und Freitag kommen durch den Kommunalverband Rosenheim-Stadt im Barth-Anwesen in der Kaiserstraße gelbe Rüben das Pfund zu 10 Pfg. zum Verkauf. Nachdem infolge Fehlens jeglicher Zufuhr von Kartoffeln die jetzige Kartoffelration wohl nicht mehr lange gegeben werden kann, wird der Bevölkerung dringend empfohlen, sich mit Gemüse, speziell gelben Rüben, genügend einzudecken.“
*
„Sitzung des Stadtmagistrats Rosenheim. Entsprechend dem Kommissionsantrage vom 28. Dezember 1918 wird beschlossen, auch für das Jahr 1919 wieder 2000 Mk. aus der Reichalmosenstiftung ,zur Unterstützung von bedürftigen, unverschuldet in Not und Arbeitslosigkeit geratenen Handwerkern, Kleingewerbetreibenden und Handwerksgehilfen‘ zur Verfügung zu stellen, umsomehr, als jetzt nach Kriegsende bei der Rückkehr unserer Krieger aus dem Felde, bei der Einsetzung der reichsgesetzlichen Familienunterstützung und beim Wiederaufbau der heimischen Wirtschaft eine Unterstützung aus Stiftungsmitteln noch notwendiger und dringlicher als bisher erscheint.“
*
„Von den Bewohnern des Klosterweges liegt eine Eingabe vor, in der um Beseitigung der noch stehenden Bäume am Klosterweg und Errichtung einer kleinen Akazienallee ersucht wird. Begründet wird die Zuschrift mit unschönem Anblick und Feuchtigkeit in den Häusern. Ein Gutachten der Stadtgartenverwaltung empfiehlt ebenfalls die Beseitigung der Bäume. In der sehr lebhaften Aussprache trat überwiegend die Ansicht hervor, man möge die alten, schöne Bäume erhalten und lediglich die abgestorbenen durch junge ersetzen.“
„Aus den Schulen im Arbeitsamtsbereich Rosenheim wurden im letzten Jahr 3684 Schüler und Schülerinnen entlassen. Damit konnte nur etwa die Hälfte der offenen Lehrstellen besetzt werden. Beim Arbeitsamt Rosenheim sind derzeit 1416 Lehrstellen unbesetzt.“
*
„ ,The Lords‘ kommen am Mittwoch, 22. Januar, in die Rosenheimer Inntalhalle. Dem Stadtjugendring Rosenheim ist es gelungen, die populärste deutsche Beatgruppe zu einem Gastspiel zu gewinnen.“ Am nächsten Tag hieß es dazu: „Nicht gerade als Gentlemen zeigten sich die Mitglieder der Berliner Beatgruppe ,The Lords‘. Zwei Tage vor dem großen Beatfestival des Stadtjugendrings sagten sie kurzerhand ,wegen Krankheit‘ ab. Dem Stadtjugendring ist es aber gerade noch gelungen, eine mindestens gleichwertige Ersatzband aufzutreiben. Das Hauptprogramm am morgigen Mittwochabend werden nun die von Funk, Film und Fernsehen her bekannten ,New Orleans Hot Dogs“ aus München bestreiten.“
*
„,Nun haben wir nicht mehr verschiedene Zweige der Stadtwerke, sondern einen einzigen Betrieb‘“, sagte Oberbürgermeister Dr. Steinbeißer bei der Eröffnungsansprache für das neue Haus der Stadtwerke am Innreit. Es sei das Ziel einer hundert Jahre alten Entwicklung gewesen, die einzelnen Abteilungen der Stadtwerke, die bisher in verschiedenen Gebieten der Stadt logierten, unter einem Dach zu vereinen. Mit der Gründung des Gaswerkes im Jahr 1864 – nachdem bereits vorher schon im bescheidenen Umfang eine Wasserversorgung bestand – wurde der Grundstein zu den Stadtwerken gelegt. Das EWG folgte 1896. Die jüngsten Kinder der Stadtwerke sind das Heizkraftwerk (1956) und die Müllverbrennung (1964).“
„Am 1. Januar ist ein Beschluß des Stadtrates in Kraft getreten, der besagt, daß außerhalb eines bestimmten Bereichs in der Innenstadt die Mülltonnen von den Bürgern auf den Gehweg gestellt werden müssen. Dadurch soll die jährliche Gebühr um etwa 100 Mark gesenkt werden. Bauamtsleiter Paul Hohmann ist der Meinung, daß man die Bürger vorher hätte fragen sollen. ,Denn viele, einschließlich mir selbst, finden, daß man das alte System hätte beibehalten sollen.‘“
*
„Nicht ganz so harmonisch wie in den Vorjahren verlief das Jahrestreffen des BLSV-Kreisverbands in der Simsseeklink. Der Grund: Rosenheims Oberbürgermeister Dr. Michael Stöcker möchte zur Sanierung des städtischen Haushalts die Sportvereine verstärkt zur Kasse bitten. Die anwesenden Kommunalpolitiker ließen keinen Zweifel daran, daß die Pläne des OB im Stadtrat auf energischen Widerstand stoßen werden.“ In der Neujahrsansprache kurze Zeit später lenkte der OB ein. Eine neue Regelung mit niedrigeren Beiträgen wurde ausgearbeitet.“
*
„Ende März rollen Lastwagen mit Akten Richtung Mangfalldamm. Dort eröffnet die Stadtverwaltung im Haus Nummer 4 ihre Zweigstelle ,Rathaus Tegernseestraße‘. Die Umzugskosten und die Kosten für die notwendigen Neuanschaffungen – zusammen 400000 Mark – wurden schon im Haushalt 1993 verankert. Hinzu kommt ein jährlicher Mietzins von etwa 480000 Mark für 2497 Quadratmeter Bürofläche. Warum die Stadt trotz dieser verlorenen Kosten nicht selber neue Büros baut, erklärt Horst Rankl, Leiter des Hauptamtes, mit Blick auf das Gebäude des Amtsgerichts an der Bismarckstraße: ,Darauf haben wir ein Auge geworfen, das wäre ideal wegen der Nähe zum Rathaus.‘ Aber bisher weiß niemand, wann das geplante Justizzentrum auf dem Beilhackgelände Wirklichkeit – und damit die Bismarckstraße frei wird.“
*
„Eine Stadt wie Rosenheim ohne Busbahnhof – wo gibt es das noch? Im Bereich des Bahnhofs soll eine zentrale Anfahrstelle für Busse entstehen, außerdem ein Parkhaus. Wann dies verwirklicht werden kann, steht aber noch in den Sternen.“re