Muttergottes in der Königshalle

von Redaktion

OVB-Serie „Kunst im öffentlichen Raum“ – Folge 105: „Heilige Maria mit Jesusknaben“

Rosenheim – Zwei farbkräftige Mosaike zieren in der 1929 geweihten Christkönigkirche die beiden Stirnwände rechts und links des Chores. Links sehen wir die Gottesmutter Maria als gekrönte Himmelskönigin mit dem Jesusknaben auf dem Arm. Dieser hält in seiner Linken den Reichsapfel als Herrscherzeichen und segnet mit der Rechten die Gläubigen. Die Mondsichel zu Füßen der heiligen Maria verweist auf die Apokalyptische Frau in der Offenbarung des Johannes, die das Böse besiegt.

Der Sieg über das Böse wird thematisch auch aufgegriffen im rechten Mosaik. Hier ist es der heilige Michael, der als Sieger auf Luzifer, versinnbildlicht als Drache, steht. In der Rechten hält der Erzengel ein nach oben gerichtetes Schwert. Der Kampf ist beendet, das Gute hat gesiegt. Die erhobene Linke, mit der Handfläche nach vorne, setzt eine Zäsur. „QUIS UT DEUS?“ – „Wer ist wie Gott?“ – den Namen des Himmelsfürsten liest man auf der Schärpe.

Entworfen hat die beiden großformatigen Mosaikbilder der Münchner Künstler Josef Eberz. Ausgeführt wurden sie in den Vereinigten Süddeutschen Werkstätten für Mosaik und Glasmalerei des Wilhelm Pütz (1875 bis 1957) in München-Solln in der Schmiedgasse (heute Faustnerweg 15). Eine kleine Schrift unter Maria weist darauf hin: „Entw. Jos. Eberz / Ausf. Mosaikwerkst. Solln“. Das Marienmosaik wurde von den Katholischen Frauenvereinen gestiftet, das Michaelmosaik von den Katholischen Männervereinen, vor allem vom Katholischen Kasino.

Der Kirche die

„kahle Stimmung“ genommen

Die beiden Mosaikbilder fungierten als Retabel, also als Altarbilder, der beiden Seitenaltäre und wurden im April 1932 direkt auf der Wand angebracht. Offenbar empfand man den großen Kirchenraum von Christkönig, den der Architekt Adolf Muesmann (1880 bis 1956) bewusst als Königshalle entworfen hatte, doch als zu leer. Denn am 22. November 1931 begründete Eberz in einem Brief das Anbringen der Mosaike mit „wodurch der Kirche auch die noch etwas vorhandene kahle Stimmung genommen wird“.

Eberz sah die beiden Mosaike als thematische Ergänzung zu dem monumentalen Farbglasfenster, das er als sein bedeutendstes Glaskunstwerk ab 1927 für den Neubau von Christkönig entworfen hatte.

Leider wurde eines der größten modernen Kirchenfenster Deutschlands im Zweiten Weltkrieg am 21. Dezember 1944 durch Bombenangriffe zerstört und nicht mehr rekonstruiert. Es zeigte Christus als König, der die Stadt Rosenheim segnet. Die ursprünglich für das Langhaus geplanten farbigen Fenster wurden nie ausgeführt.

Christkönig war nicht die erste Kirche in der Zusammenarbeit von Josef Eberz und Adolf Muesmann. Der Architekt Muesmann hatte von 1924 bis 1926 in Freilassing die Pfarrkirche St. Rupert in spätgotisch-expressionistischen Formen erbaut und der Künstler Eberz schuf von 1926 bis 1938 die umfangreiche Ausmalung, die später leider stark verändert wurde.

Eberz begründete mit St. Rupert seine Karriere als Gestalter sakraler Räume. Den besten Eindruck seiner klar gezeichneten, flächigen Figuren, die in ihrer oftmals symmetrischen Bildkomposition und ihrer frontalen Darstellung an byzantinische Mosaiken erinnern, bieten die Frauenfriedenskirche in Frankfurt am Main (Mosaik der Chorwand 1928/29), die Kirche Christkönig in Leuna in Sachsen-Anhalt (Mosaike 1929/30) sowie die Pfarrkirche Herz Jesu in Weiden in der Oberpfalz (Mosaike und Fenster 1933 bis 1935).

Die Schriftbänder wurden erst beim Wiederaufbau der Christkönigkirche nach dem Krieg angebracht. Maria wird gerahmt von „JUNGFRAU MUTTER KÖNIGIN“ und „SEGNE UNS“, Michael von „KÄMPFER SIEGER HIMMELSFÜRST“ und „VERTEIDIGE UNS“.

Pfarrer Bernhard Haslinger wollte 1974 den Chorraum entsprechend dem Zweiten Vatikanischen Konzil umgestalten und Hochaltar, Seitenaltäre und Mosaike entfernen lassen, wie es Ludwig Weinberger in seiner 2004 veröffentlichten Magisterarbeit „Moderne und Barock“ darstellt, wo der engagierte Rosenheimer den Bau und die Ausstattung der Christkönigkirche akribisch erarbeitete.

Generalkonservator Dr. Michael Petzet vom Landesamt für Denkmalpflege verhinderte jedoch die massiven Eingriffe und bescheinigte der Christkönigkirche: „Dieser Bau von hoher Qualität hat als Werk einer abgeschlossenen Epoche heute schon deutlich Denkmalsrang.“

Der Hochaltar und die Mosaike mussten also unverändert bleiben. Leider durften die Altartische der beiden Seitenaltäre entfernt werden, als der renommierte Rosenheimer Bildhauer Josef Hamberger 1982 bis 1984 die neue Ausstattung des Chorraumes schuf.

Seither fehlen Maria und Michael die Standflächen und der siebenarmige Leuchter sowie der Taufbrunnen, an sich qualitativ hochwertige Arbeiten von Hamberger, verunklären die Wand unter den Mosaiken.

Das Werk

„Heilige Maria mit dem Jesusknaben“, Höhe 475 Zentimeter, Breite 200 Zentimeter; „Heiliger Michael“, Höhe 480 Zentimeter, Breite 245 Zentimeter;

1932, Mosaik; Christkönigkirche, Kardinal-Faulhaber-Platz 10, Rosenheim.

Der Künstler

Josef Eberz, 1880 in Limburg an der Lahn geboren, studierte ab 1901 an den Kunstakademien von München (u. a. bei Franz von Stuck), Düsseldorf und Karlsruhe. An der Stuttgarter Akademie, die er von 1905 bis 1912 besuchte, fand er seine künstlerische Heimat als Meisterschüler des Farbtheoretikers Adolf Hölzel und im „Hölzelkreis“. Hier lernte der Maler, Grafiker und Illustrator auch seine spätere Frau Gertrud Alber (1879 bis 1955) kennen. Nach der Hochzeit 1917 lebte das Paar in München, von wo aus sich Josef Eberz deutschlandweit in Kunstvereinen engagierte und als Professor an den Münchner Lehrwerkstätten unterrichtete. Reisen in den 1920er-Jahren nach Italien, Dalmatien und Paris bereicherten seine Palette. 1929 zählte Josef Eberz zu den ersten Stipendiaten der wieder eröffneten Villa Massimo in Rom. Im Dritten Reich als „entartet“ gebrandmarkt, starb der Expressionist 1942 verarmt in München.

Schon früh wandte sich Eberz der sakralen Kunst zu und schuf zahlreiche farbkräftige Wandbilder, Mosaiken und Farbglasfenster für Kirchenräume. Viele seiner baugebundenen Arbeiten sind heute zerstört oder stark verändert. Die Kunstsammlungen der Stadt Limburg bewahren seinen Nachlass.fie

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