Hilfe in der Krise

von Redaktion

Katholische Beratungsstelle bietet Unterstützung – unabhängig von der Konfession

Rosenheim – Das Leben läuft nicht immer rund. Wer sich bei Konflikten und Problemen nicht an kommerzielle Einrichtungen wenden will, dem bietet die katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung Rosenheim und Wasserburg kompetente Hilfe. Auch wenn die Einrichtung von der katholischen Kirche finanziert wird, kann jeder Ratsuchende kommen, unabhängig von Konfession, Glaube oder Weltanschauung.

Die katholische Ehe-, Familien- und Lebensberatung unterhält bundesweit 350 Beratungsstellen. In Rosenheim befindet sich der Sitz dieses kostenlosen Fachangebots am Max-Josefs-Platz 23. Träger der Einrichtung ist die Erzdiözese München und Freising.

Die Diplom-Psychologin und psychologische Psychotherapeutin Brigitte Hauner-Münch leitet die Einrichtung seit August, nachdem sich ihr Vorgänger, Egon Seits, nach 26-jähriger Tätigkeit in den Ruhestand verabschiedet hatte.

600 Ratsuchende

jährlich

Rund 600 Menschen werden jährlich in der Ehe-, Familien- und Lebensberatung Rosenheim zusammen mit ihrer Außenstelle in Wasserburg beraten. Dafür werden rund 3000 Stunden veranschlagt. „Unsere Tätigkeit umfasst viele Lebensbereiche“, sagt Brigitte Hauner-Münch: Paare suchen die Beratungsstelle auf, wenn es in ihrer Ehe oder Partnerschaft kriselt, aber nicht wenige Ratsuchende kommen auch alleine, wenn sie nach Unterstützung in belastenden Lebenssituationen suchen. „Grundsätzlich geht es bei der Arbeit in der Beratungsstelle viel um Beziehung und dabei nicht nur um die Beziehung zwischen einem Paar: „Beziehung beginnt schon bei der Beziehung zwischen Berater und Klient.“ Auch in den Einzelgesprächen gehe es um Beziehung – „um Beziehung zu einem tatsächlichen oder ersehnten Partner, zu den Kindern, den Eltern, aber auch um die Beziehung zu sich selbst“.

Nicht selten fasst dann ein Klient im Laufe der Beratung zum ersten Mal den Mut, offen über Probleme, Sorgen und auch prägende Erlebnisse in seiner Vergangenheit zu sprechen, die ihm manchmal seit Jahrzehnten schwer auf der Seele lasten. Gerade für ältere Menschen bedeute das oftmals eine große Befreiung. „Früher, besonders in den Kriegszeiten, hatte man mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Da sprach man nicht über seine eigenen Gefühle. Die wurden verdrängt und damit niemals aufgearbeitet“, sagt Brigitte Hauner-Münch.

Am Anfang geht es
um Reflexion

Eine ihrer wichtigsten Aufgaben sieht sie daher darin, „Raum und Vertrauen zu schaffen, damit Menschen sich öffnen können“. Der Glaube spiele dabei vordergründig keine Rolle, fließe aber bei manchen Gesprächen ein: „Besonders in schwierigen Phasen geht es den Menschen auch um die Sinnhaftigkeit ihres Lebens. Dabei spielt dann natürlich auch ihr Glaube eine Rolle.“

Mit einem Beratungstermin ist es meistens nicht getan. „Was sich in vielen Jahren aufgestaut hat, lässt sich nicht in einem oder zwei Gesprächen bereinigen.“ Besonders gelte das für Paare, die in die Beratungsstelle kommen. Die hohe Kunst bei diesen Gesprächen: „Bei uns geht es nicht um Schuldzuweisungen.“ Dafür lernen die Partner, ihre eigenen Wünsche, Bedürfnisse und Gefühle frei zu formulieren und dadurch auch den anderen und sich selbst besser zu verstehen. Mit dem ersten Besuch in der Beratungsstelle am Max-Josefs-Platz startet ein längerer Reflexionsprozess. „Bei uns gibt es sogar Hausaufgaben“, sagt Brigitte Hauner-Münch. Beispielsweise fordert sie Paare, die sich auseinandergelebt haben, dazu auf, sich jede Woche zumindest einmal wieder gezielt Zeit füreinander zu nehmen.

„Die Herausforderung lohnt“, ist sich die Leiterin der Beratungsstelle sicher: Bei Jungverliebten würden die Hormone noch purzeln. Mit den Jahren jedoch gewinne die Beziehung an Tiefe und Verbundenheit. Viele Paare würden deshalb sogar gestärkt aus einer Krise hervorgehen, aber jede Beziehung retten kann Brigitte Hauner-Münch nicht. „Es gibt Situationen, in denen es für beide Seiten besser ist, eine Beziehung zu beenden und seine eigenen Wege zu gehen, manchmal auch zum Wohle der Kinder.“ Die Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle bietet deshalb auch eine Trennungsberatung an, um Paare vor allem darin zu unterstützten, auch weiterhin für ihre Kinder gemeinsam Eltern sein zu können.

Grundsätzlich gelte für jedes Gespräch in der katholischen Beratungsstelle: „Alles, was bei uns besprochen wird, bleibt auch hier.“ Alle Berater unterliegen der Schweigepflicht.

Telefonisch erreichbar ist die Ehe-, Familien- und Lebensberatung Rosenheim und Wasserburg unter 08031/381850 oder unter rosenheim@eheberatung-oberbayern.de.

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