Vor dem Ball kommt die Wahl

von Redaktion

Ob gebraucht oder neu: Das Angebot an Faschingskostümen ist riesig

Rosenheim – Pirat, Hippie oder doch lieber Fabelwesen? Vor dem Faschingsball kommt die Kostümwahl. Die Suche nach der passenden Kleidung kann den Geldbeutel ganz schön strapazieren. Es geht aber auch deutlich günstiger: Beim ersten großen Secondhand-Faschingsmarkt im Pfarrheim St. Hedwig gab es mehr als 2000 gebrauchte Faschingsartikel zum kleinen Preis. Der Andrang war groß und die Kreativität der Faschingsnarren grenzenlos.

Veranstaltet wurde der Secondhand-Faschingsmarkt von der Pfarrei St. Hedwig in Zusammenarbeit mit der „Aktion Hoffnung“. Diese unterstützt durch den Erlös von Kleiderspenden soziale Projekte auf der ganzen Welt.

Verkauf hilft
Menschen in Not

Die Idee, Märkte für gebrauchte Faschingskleidung durchzuführen, kam den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Organisation vor einigen Jahren beim Sichten der gespendeten Kleidungsteile. „Darunter finden sich immer einige Faschingskostüme oder Kleidung, die sich gut dazu machen lässt“, sagte Karin Strippler, die diese speziellen Secondhand-Märkte für die „Aktion Hoffnung“ bayernweit organisiert. Heuer sind es 58 Faschingsmärkte. Die Waren dafür gehen der Organisation nicht aus. „Wir füllen unsere Lager ständig neu auf“, sagte Karin Strippler.

Dementsprechend groß war das Angebot an Faschingsartikel im Pfarrheim. Die Besucher kamen aus dem gesamten Landkreis. Sehr zur Freude von Agnes Benda, Mesnerin von St. Hedwig. „Unser neues Pfarrheim bietet viel Platz, da haben wir uns gedacht, jetzt probieren wir es halt mal mit einem Secondhand-Faschingsmarkt. Dass das Interesse daran gleich so groß ist, ist sehr schön“. Auch sie selbst begab sich auf Kostümsuche. „Vielleicht wird es eine Hexe oder ein Teufel. Auf jeden Fall etwas Wildes“, überlegt sie.

Kinderkostüme gab es bereits für wenige Euro. Wer von den Erwachsenen etwa zehn bis 15 Euro investierte, war ebenfalls von Kopf bis Fuß komplett eingekleidet.

Christina Maier aus Bad Aibling ging am Schluss mit einem Korb voller gebrauchter Kleidungsstücke nach Hause. „Ich bin ein totaler Faschingsfan“, sagte sie. Während der heißen Phase des Faschings besuche sie fast täglich einen Faschingsball in Stadt und Landkreis. Besonders freut sie sich auf das Biberger Dirndlkranzl am unsinnigen Donnerstag. „Da ist die Stimmung immer total gut“, schwärmte die 26-Jährige. Dort erscheinen will sie als Prinzessin. Das Kostüm will sie sich selbst schneidern – aus den Teilen, die sie beim Secondhand-Markt in St. Hedwig erwerben konnte, darunter auch ein weit ausladender Reif-Unterrock. „Daraus lässt sich bestimmt etwas Schönes machen.“

Frauen suchen

anders

„So günstig wie möglich“, lautet das Motto von Petra und Claudia aus Rosenheim bei der Kostümwahl. Die beiden Damen wollen zusammen mit weiteren Freundinnen den Weiberfasching im Gasthof Höhensteiger besuchen. Zusammen mit der ganzen Clique hat man den meisten Spaß, vor allem, wenn alle gleich gekleidet sind, waren sich die beiden einig. Darum suchten sie nach zwei identischen Kostümen. Auch sie wurden nicht enttäuscht. Bereits nach kurzer Suche stießen sie auf zwei farbenfrohe Kleider: vielleicht das Richtige, um als Brasilianerin aufzutauchen.

Frauen waren deutlich in der Überzahl. Die wenigen Männer, die sich im Pfarrheim St. Hedwig auf die Suche nach einem passenden Kostüm machten, zeigten sich auch weniger kreativ. „Einfach, gemütlich und nicht zu warm, sollte es sein“, sagte der 37-jährige Markus. Bis auf diese drei Auswahlkriterien hatte er keine weiteren Ansprüche an sein Kostüm. „Vielleicht gehe ich ja als Sträfling.“

Von bequem bis gruselig: Die Trends bei den Verkleidungen

Fasching – das ist auch in einigen Rosenheimer Geschäften ein großes Thema. Dabei gilt: Gut verkaufen lassen sich ganz besondere Kostüme ebenso wie die guten alten Klassiker: „Die Trends hängen stark von den Mottos der Faschingsvereine aus der Region ab“, sagt Guido Stöckmann von den Faschingsspezialisten House of Carneval. In Flintsbach beispielsweise habe man „Japan“ zum Thema gemacht, was dazu führe, dass sich generell alles asiatisch Angehauchte gut verkaufe.

Seit Jahren hält sich der Trend zu höherer Qualität. „Die Kunden achten verstärkt auf hochwertige Materialien und eine gute Verarbeitung der Kostüme. Sie sind auch bereit, dafür mehr Geld auszugeben“, sagt Stöckmann. Im Schnitt geben die Kunden pro Kostüm circa 40 Euro aus, sagt Dagmar Hundhammer vom Drogeriemarkt „Müller“ in Rosenheim. Dazu kommen die Accessoires, für die rund 15 Euro ausgegeben werden.

Bei den Kindern haben Lizenzkostüme die Nase vorne: „Für die Buben soll es Star Wars oder Spiderman sein“, sagt Stöckmann. Bei den Mädchen stehen dagegen Einhörner und Flamingos hoch im Kurs. Aber auch hier gilt: Klassiker wie Cowboy, Indianer oder Märchenprinzessin sind nach wie vor beliebt, sagt Dagmar Hundhammer.

„Männer wählen oft bequeme Verkleidungen wie einen Piraten oder Vampir“, sagt Hundhammer. In diesem Jahr sei alles sehr beliebt, was zum Thema „Steampunk“ gehöre. Frauen bevorzugen Kostüme wie den Flamingo, achten aber auch stark auf die Accessoires.

„Stark im Trend sind farbige Kontaktlinsen, durch die man ohne großen Aufwand einen starken Effekt bewirken kann“, sagt Stöckmann. Beispielsweise könne man unter bestimmten Lichtbedingungen einen „UV-Flash“ hervorrufen, wodurch die Augen gruselig aufleuchten. „Für junge männliche Singles soll es eher etwas Praktisches sein“, sagt Angelika Koschei von der Rosenheimer Karstadt-Filiale. Sie kaufen oft einteilige Kostüme wie eine Tequilla-Flasche oder Tierkostüme. Ähnliches kann auch Guido Stöckmann bestätigen: „Diese Kostüme sind auch bei Kälte praktisch, da sie meist sehr warm sind.“

Die meisten Kostüme für Kinder sind ganze Sets. „Bei den Erwachsenen hingegen achten vor allem junge Frauen darauf, dass sie einzelne Teile neu kombinieren können, weil sie häufig auf mehrere Faschingspartys gehen“, sagt Stöckmann.

Die Verkäufer sind sich einig: Im Fasching kommt nichts völlig aus der Mode. Die Klassiker wie Pirat oder Clown sind nach wie vor beliebt. Einzig die Verkäufe der sogenannten Morphsuits – hautenge Ganzkörperkostüme – seien nach dem Boom vor einigen Jahren stark zurückgegangen, sagt Stöckmann.sr

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