Das Brandhaus kommt weg

von Redaktion

Nach erneutem Zwischenfall: Eigentümer Grubmüller will gesamtes Areal verkaufen

Rosenheim – Die Tage des Brandhauses am Brückenberg in Rosenheim sind gezählt. Das zumindest sagt Martin Grubmüller, dem das Gebäude an der Äußeren Münchener Straße ebenso gehört wie der dahinter liegende Schrottplatz samt Tankstelle. Grubmüller möchte seinen Schrotthandel verkaufen und das Gebäude, in dem es am vergangenen Samstag erneut beinahe gebrannt hätte, gleich mit.

Verhandlungen

mit privatem Investor

Gelassen und nüchtern zugleich klingt Grubmüller (49) am Telefon. Das Mehrfamilienhaus am Brückenberg macht ihm keine rechte Freude mehr, der Schrotthandel mit Tankstelle ebenfalls nicht. „Für mich ist es da nach acht Jahren endgültig gelaufen“, sagt er. Und dass er das gesamte Areal mit einer Größe von 8500 Quadratmetern an einen privaten Investor verkaufen möchte. Mit der Stadt gebe es bereits Gespräche, weil Gutachter den Boden auf eventuelle schädliche Rückstände untersuchen müssen. „Wenn alles gut läuft“, sagt Grubmüller, „dann entsteht auf dem Grundstück bald ein schöner großer Wohnblock.“ Mit seinem Schrottplatz will er an den Stadtrand ziehen. Außerdem hat er vor, in Kürze ein Abbruchunternehmen zu gründen. Einer der ersten Aufträge der neuen Firma soll es sein, das Brandhaus endlich wegzuschieben.

Denn dass das Gebäude nicht mehr zu retten ist, steht nach dem dritten Feuer innerhalb von acht Monaten fest. Wie berichtet, hatte es im Juni 2018 das erste Mal gebrannt. Der Brandstifter, ein damals 26 Jahre alter Bosnier, ist mittlerweile rechtskräftig verurteilt wegen versuchten Mordes und versuchter Brandstiftung. Das zweite Feuer hatte Ende Januar dieses Jahres ein Bewohner des Hauses gemeldet. Zwar konnten die Einsatzkräfte der Feuerwehr den Brand rasch unter Kontrolle bringen, doch das Haus gilt seither als unbewohnbar. Umso erstaunlicher ist, dass den jüngsten Fall am vergangenen Samstag vermutlich ein Mann mitverschuldet hat, der dort gemeldet ist. Und von dem die Polizei zumindest vermutet, dass er tatsächlich noch in einem der Räume haust. Der Mann, ein arbeitssuchender Rumäne (33), hatte sich am frühen Abend zunächst Zutritt zu dem Gebäude verschafft, gemeinsam mit einem 21-Jährigen aus Eritrea. Die beiden Männer zündeten in einem Topf Pappe, Papier und Holzstückchen an, um sich an dem kleinen Feuer wärmen zu können. Noch in dieser Situation fanden Einsatzkräfte die beiden vor, nachdem aufmerksame Zeugen die Polizei verständigt hatten. Die Frierenden löschten das Feuer selbst. Es entstand kein Schaden. Auch zu einem Brand kam es, entgegen erster Meldungen, nicht.

Bei der Vernehmung durch die Polizei stellte sich heraus, dass gegen den 21-Jährigen ein offener Haftbefehl vorlag. Der Eritreer wurde festgenommen und muss nun in der Jugendvollzugsanstalt Bernau eine Haftstrafe von einem Jahr und fünf Monaten absitzen. Näheres zum Hintergrund des Urteils nannte die Polizei nicht. Fest steht aber, dass der junge Mann im Jahr 2015 nach Deutschland eingereist ist. Der 33-jährige Rumäne hingegen bleibt auf freiem Fuß. Die Polizei nimmt an, dass er sich in Deutschland als Saisonarbeiter verdingt und bis zum Brand im Januar tatsächlich fest in dem Haus an der Äußeren Münchener Straße gewohnt hat. Ohne andere feste Bleibe ist er wohl immer wieder dorthin zurückgekehrt, um Unterschlupf zu finden – obwohl das Haus eigentlich seit Wochen fest verschlossen ist. Das sei schon richtig, sagt ein Polizeisprecher, jedenfalls im vorderen Bereich. Wer aber hinter das Haus gehe, finde dort leicht Zugang zu den Räumen, die zum Teil auch gewerblich genutzt worden sind. In der Folge könne man den beiden Männern keinen Einbruch zur Last legen. Und auch eine Straftat im Sinne des Hausfriedensbruchs sei unwahrscheinlich, weil der 33-Jährige ja rechtmäßig dort gemeldet ist.

Brandrat warnt vor Einsturzgefahr

Bewohnbar ist das Haus auf gar keinen Fall mehr. Es könnte bereits Einsturzgefahr bestehen, und so hofft auch Stadtbrandrat Hans Meyrl, dass seine Kräfte nicht noch einmal zu einem Brand dort gerufen werden. „Ich mache mir sonst wirklich Sorgen, das ist gefährlich für meine Leute“, sagt er. „Da muss man Prioritäten setzen.“

Glaubt man Eigentümer Grubmüller, bleiben im Brandhaus die Lichter für immer aus. „Ich habe mit all dem abgeschlossen“, sagt er. Emotionen gebe es dazu nicht, er hänge an keinem seiner Projekte. „Es geht immer nur ums Geldverdienen.“ Vieles hat Grubmüller nach eigener Aussage bereits finanziell erfolgreich auf den Weg gebracht. Aber über all die Jahre auch viel zu viel gearbeitet. Das soll sich ändern: „Mit 55 ist bei mir Schluss mit dem Arbeiten“, sagt Martin Grubmüller.

Wenn er recht behält, ist das Brandhaus am Brückenberg dann längst einem schicken Wohnblock gewichen.

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