Lebensmittel aus zweiter Hand

von Redaktion

Studenten der TH Rosenheim entwickeln „Foodanage“, einen Wiederverkaufs-Markt

Rosenheim – Im Rahmen der Lernveranstaltung „Unternehmensgründung“ an der Technischen Hochschule Rosenheim haben Mannschaften zukunftsträchtige Geschäftsideen entwickelt. Unter ihnen das Team „Food-anage“, bestehend aus Dominik Schüder, Andreas Wagner, Andreas Rauch, Markus Hauser und Alexander Martin. Die fünf Studenten wollen der Lebensmittelverschwendung durch den Aufbau eines spezialisierten Konzeptes entgegentreten. Dieses Konzept soll sich auf Überkapazitäten und Lebensmittel, die nicht der Supermarktnorm entsprechen, spezialisieren.

Zweiter Platz

und 500 Euro

Der Seeoner Kreis und die Sparkasse Rosenheim-Bad Aibling waren von der Ideemit dem Namen „Foodanage“ begeistert und prämierten die Studenten mit dem zweiten Platz und 500 Euro. Jetzt sind die Fünf bemüht, ihre Idee zu verwirklichen und ein Unternehmen zu gründen.

Anlass gibt es genug. Werfen die Deutschen, laut einer Studie, doch jährlich 2,5 Millionen Tonnen Lebensmittel in den Müll. Das sind in etwa 62500 voll beladene Lkw. „Dieser Trend muss gestoppt werden“, sagt Andreas Wagner. Gemeinsam mit seinen vier Kommilitonen setzt er sich gegen die Wegwerfkultur ein. Die Idee: ein Wiederverkaufs-Markt in Rosenheim. Das Motto: „Kein genießbares Lebensmittel mehr wegwerfen, bevor alle satt werden.“

Der Name „Foodanage“ leitet sich aus den beiden englischen Wörtern „Food“ und „Orphanage“ ab. Übersetzt: ein Waisenhaus für Essen. Treffend, denn der Wiederverkaufs-Markt soll genau das werden. Eine Verkaufsfläche für Lebensmittel, die von Supermärkten nicht mehr gewollt sind.

Egal, ob schiefe Gurke, fleckige Kartoffel oder der eingedrückte Joghurtbecher: Wenn Lebensmittel in den Supermarktregalen nicht mehr frisch sind oder das Mindesthaltbarkeitsdatum überschritten haben, landen sie meistens im Müll. Genau das wollen die fünf Studenten mit ihrem Konzept verhindern. „Wir wollen Menschen zum Umdenken animieren und das Umweltbewusstsein unterstützen“, sagt Hauser.

Bis dahin ist es aber noch ein weiter Weg. „Wir befinden uns in der Gründungsphase“, sagt Martin. Der Businessplan steht, Umfragen zum Thema Marktanalyse wurden durchgeführt und Kontakte zu Zulieferungen geknüpft. Viel Arbeit.

Die Umfragen ergeben: Viele sind bereit, Lebensmittel nahe des Mindesthaltbarkeitsdatums zu kaufen. Das Problem sei, dass viele Menschen die Begriffe Mindesthaltbarkeitsdatum und Verbrauchsdatum verwechseln. Zur Aufklärung: Da es sich um ein Mindesthaltbarkeitsdatum handelt, ist das Lebensmittel in der Regel auch nach dem angegebenen Datum noch verzehrbar. Bei Lebensmitteln heißt das Verfallsdatum korrekt Verbrauchsdatum. Dieses gibt an, nach welchem Datum die Ware nicht mehr verzehrt werden darf. Während also die Lebensmittel, die das Verbrauchsdatum überschreiten, berechtigt im Müll landen – haben alle anderen eine zweite Chance verdient. Diese soll es, wenn alles nach Plan läuft, im Wiederverkaufs-Markt geben. Auch über die möglichen Kunden haben sich die fünf Studenten schon Gedanken gemacht: Umweltbewusste, Heimatverbundene und Preisbewusste. Auch die emotionale und geografische Bindung soll beim Kauf eine Rolle spielen. „Wir wollen Wert auf regionale Produkte legen“, sagt Wagner.

Deutlicher Unterschied zur Tafel

In dem Wiederverkaufs-Markt sollen hauptsächlich Obst und Gemüse verkauft werden. Auf leicht verderbliche Lebensmittel wie Fleisch und Fisch wird verzichtet. „Die Gestaltung des Marktes wollen wir eher schlicht und kostengünstig halten“, sagen sie.

Soweit, so gut. Der Plan steht, an der Umsetzung muss noch gearbeitet werden. Nach wie vor fehlt es an Sponsoren. Und auch die Zustellersuche läuft eher schleppend. „Wir haben fast 60 Supermarktketten und Lebensmittelgroßhändler kontaktiert. Entweder es gab Absagen oder überhaupt keine Reaktion“, bedauert Schüder.

Trotzdem lassen sich die Fünf nicht entmutigen. „Wir wollen den Menschen die Möglichkeit geben, ihren Teil zur Umwelt beizutragen“, sagt Martin und fügt hinzu: „Seitdem wir uns mit dem Konzept beschäftigen, achten wir viel mehr darauf, was wir wegschmeißen.“

Der Unterschied zur Tafel: „Wir geben Bürgern aus allen Gesellschaftsschichten die Chance, der Lebensmittelverschwendung aktiv entgegenzutreten“ sagt Hauser und fügt hinzu: „Außerdem steht bei uns die Umwelt im Vordergrund. Wir wollen die Verschwendung eindämmen.“ Dass „Foodanage“ auch bedürftigen Menschen zugute komme, sei ein positiver Nebeneffekt.

Artikel 1 von 11