Rosenheim – Rosen, Lilien, Chrysanthemen und Freesien – Blumen sind als Dekorationsmittel beliebt. Heute ist der internationale Tag der Floristik – auch in Rosenheim. Der perfekte Anlass für einen Vormittag im Reich der Blumen.
Um 9 Uhr ist im Flower Power schon reger Betrieb. Blumen, die über Nacht geliefert worden sind, müssen ausgepackt und angeschnitten werden. Die Blumen kommen aus Holland, die Fairtrade-Rosen aus Ecuador. Täglich werden so um die 400 Blumen geliefert.
„Flower Power“ – Inhaberin: Heidi Pütz
Inhaberin Heidi Pütz (48) begrüßt mich. In der linken Hand hält sie einen Blumenstrauß, mit der rechten Hand zeigt sie mir den Weg zu den Spinden. Für einen kurzen Moment bin ich überwältigt von der farbigen Vielfalt und dem Geruch, der sich schon jetzt im gesamten Laden ausgebreitet hat. Jacke und Tasche landen im Spind. Zurück im Laden drückt mir Pütz ein Messer in die Hand. Kollegin Francesca Drescher, eine gelernte Floristin, legt einen Bund Chrysanthemen vor mich auf den Tisch. „Blätter abmachen und Stil anschneiden“, lautet die Anweisung der 23-Jährigen. Vorsichtig nehme ich eine Blume in die Hand, trenne die Blätter ab und versuche, den Stil schräg abzuschneiden. Ohne Erfolg. Ich nehme ein anderes Messer, überzeugt davon, dass meins stumpf ist. Doch auch der zweite Versuch missglückt. Ratsuchend wende ich mich an Francesca Drescher. „Nicht so zaghaft, die Blumen können viel ab“, sagt sie. Beherzt versuche ich es erneut. Dieses Mal klappt es. „Der Vorgang ist wichtig, damit die Blumen genügend Wasser aufnehmen können“, klärt mich die Floristin auf. Tipp für daheim: Die Stile mit einem scharfen Messer etwa drei bis fünf Zentimeter lang schräg anschneiden und unmittelbar danach in eine Vase geben. Chrysantheme um Chrysantheme schneide ich auf diese Weise zurecht und stelle sie in eine Vase. Zufrieden betrachte ich mein Werk.
„Nicht schlecht, jetzt kannst du dich an den Rosen probieren“, sagt Pütz und drückt mir ein Bund in die Hand. Auch hier die selbe Prozedur. Hinzu kommt, dass ich mit einem Messer vorsichtig die Dornen abtrenne, sodass sich später niemand an der Rose verletzt. Eine Hälfte der Blumen kommt in eine Vase – mit warmen Wasser. Die restlichen Blumen werden in Papier eingepackt und zur Lagerung in die Kühlkammer gelegt – bei acht Grad. „Das ist die optimale Temperatur“, sagt Drescher.
Die 23-Jährige muss es wissen. Sie arbeitet schon seit zwei Jahren im Rosenheimer Flower-Power und bindet am Tag circa 35 Blumensträuße. Davor absolvierte sie eine dreijährige Ausbildung zur Floristin. Im Praxisteil lernte sie den Umgang mit Blumen, in der Theorie setzte sie sich mit den Fächern Gestaltung, Farblehre und Kunstgeschichte auseinander. Der Beruf Floristin war schon immer eine Herzensangelegenheit für die junge Frau. „Am meisten begeistern mich die Farben und die vielen Farbkombinationen“, sagt sie.
Auch ich soll mich jetzt an einer Zusammenstellung der unterschiedlichen Farben versuchen. Gestecke mit Steckschaum stehen auf dem Programm. Fünf eiserne Formen, die an Muffinformen erinnern, sind vor mir aufgereiht. Drescher schneidet den Steckschaum zurecht und legt ihn ins Wasser. „Es ist wichtig, den Steckschaum nicht runterzudrücken, damit er sich gleichmäßig vollsaugt.“
Ich drücke den nassen Schaum vorsichtig in die Form und stecke Blumen und Grün in den Schaumstoff. Die Aufgabe macht Spaß. Obwohl ich für alle fünf Gestecke die gleichen Materialien genutzt habe, sehen alle unterschiedlich aus. „Das ist das Schöne am Beruf“, sagt Pütz. Sie hat das „Flower Power“ vor 22 Jahren ins Leben gerufen. Erst in Happing, später am Ludwigsplatz in Rosenheim. Pütz ist Gärtnerin und Floristin – ein Beruf, den sie schon immer ausüben wollte.
Frische Blumen,
frischer Kaffee
„Ich bin auf einem Bauernhof groß geworden und habe mich schon immer für die Natur interessiert“, sagt sie. Stück für Stück baute sie den Blumenladen im Herzen Rosenheims auf.
Vor vier Jahren kam das Café hinzu, ihr Mann betreibt es. Bei Waffeln und Cappuccino können jetzt die Blumen im Laden nebenan bewundert werden. „Durch das Café sind wir viel bekannter geworden“, sagt Heidi Pütz. Ab und zu greift sie ihrem Mann zwar unter die Arme, ihre wahre Liebe aber gilt den Blumen. „Ich zaubere jedem Menschen ein Lächeln ins Gesicht. Das ist natürlich eine große Herausforderung, aber auch unheimlich schön“, sagt Pütz.
Auch auf mich wartet die nächste Herausforderung. Manschettensträuße binden. „Spiralförmig binden, keine Blätter am Stil“, lautet die Anweisung. Eine Rose in der Mitte, gemischt mit Anemonen, Chrysanthemen und etwas Grün. Zufrieden betrachte ich meinen ersten Strauß. Francesca Drescher nickt zustimmend und zeigt auf die nächste Manschette. Zeit für Pausen bleibt vorerst nicht. „Viele wissen nicht, wie stressig der Beruf eigentlich ist“, sagt die 23-Jährige. Sträuße binden, Bestellungen entgegennehmen, Blumen anschneiden: Auch mein Vormittag im Reich der Blumen vergeht wie im Flug.
Besonders stressig wird die Arbeit im Blumenladen an Feiertagen, wie Valentinstag und Muttertag. Denn: Blumen sind nicht nur ein beliebtes Dekorationsmittel, sondern auch ein Symbol für Gefühle.