Rosenheim – Alex Stieglitz wollte schon als kleiner Bub Polizist werden. „Das war mir aber eine Nummer zu groß“, sagt der 24-Jährige. Für Recht und Ordnung will er trotzdem sorgen. Also bewirbt er sich kurzerhand bei der Rosenheimer Sicherheitswacht. „Ich habe oft Kollegen gesehen, die durch den Salingarten oder über die Loretowiese gelaufen sind“, sagt er. Jetzt ist er einer von ihnen. Am heutigen Donnerstag werden Urkunden und Glückwünsche an die acht neuen Mitglieder der Sicherheitswacht verliehen. Mit dabei: Polizeipräsident Robert Kopp.
Ein Blick zurück: Anfang Januar bekommt Stieglitz eine E-Mail von Polizeihauptkommissar Robert Maurer. Im Anhang eine Einladung zur Sicherheitswacht-Schulung. „Ich habe mich riesig gefreut“, erinnert sich Stieglitz. Ähnlich geht es Tina Hirsch-Krôl. „Ich wollte schon immer so etwas in die Richtung machen“, sagt die 45-Jährige.
Mitte Januar treffen sich Stieglitz und Hirsch-Krôl zum ersten Mal. Dreimal wöchentlich nehmen sie, gemeinsam mit sechs anderen Teilnehmern, an Schulungen teil. Ehrenamtlich. Stieglitz besucht einen Erste-Hilfe-Kurs und lernt den Umgang mit dem Funkgerät.
Die angehenden Sicherheitswachtler lesen in Gesetzbüchern und lernen, wie man sich in bestimmten Situationen verhält. „Es war schon sehr intensiv“, sagt Hirsch-Krôl. Mit Anspannung fiebert sie der Abschlussprüfung entgegen.
Zum „großen Prüfungstag“ ist neben Maurer auch Polizeiobermeisterin Verena Rolle mit von der Partie. Die Prüfung ist in zwei Teile unterteilt. Los geht es mit einer Art Rollenspiel.
Über Funk informiert Rolle eine Sicherheitswacht über eine betrunkene Frau im Salingarten. „1879-1 Salingarten“ ertönt es aus dem Funkgerät. Langsam nähert sich die Sicherheitswacht der Frau. Ihre Aufgabe: Für Ordnung sorgen. Die Sicherheitswacht stellt die Frau vor die Wahl. Entweder die Bierflasche in den nächstgelegenen Mülleimer werfen oder Platzverweis. Die Frau zeigt sich einsichtig und verlässt den Salingarten.
Ein Optimalfall, der leider nicht immer so abläuft, weiß auch Maurer. Dennoch ist der erste Teil der Prüfung geschafft.
Übrigens: Außer einen Platzverweis auszusprechen, darf die Sicherheitswacht auch einen Straftäter festhalten, der auf frischer Tat ertappt worden ist. Außerdem haben sie das Recht Personen zu befragen und die Personalien aufzunehmen, wenn dies der Gefahrenabwehr oder der Beweissicherung dient.
Im zweiten Teil stellt Polizeiobermeisterin Rolle den acht Prüflingen Fragen. Es geht um verschiedene Szenarien, Regeln und den Umgang mit dem Funkgerät. Frage um Frage wird von den Anwesenden korrekt beantwortet. „Bestanden“, lautet das Urteil von Maurer.
Mittlerweile ist die Ausrüstung komplett, die Ausweise sind fertig und die Abschlussprüfung vom Tisch. Stolz hält Hirsch-Krôl die blaue Einsatzjacke mit der Aufschrift „Sicherheitswacht“ in den Händen. „Die Uniformen gefallen mir unheimlich gut“, schwärmt sie.
Einen abschließenden Tipp gibt es von Polizeihauptkommissar Maurer: „Das Funkgerät ist eure Lebensversicherung. Es wird Situationen geben, in der ihr auf die Hilfe der Polizei angewiesen seid. Also ruhig bleiben, leise sprechen und präzise Angaben machen.“
Alexander Stieglitz nickt. Er kennt diese drei Punkte. „Ich fühle mich gut vorbereitet“, sagt er. Ab Freitag sorgt der 23-Jährige in der Rosenheimer Innenstadt für die Sicherheit der Bürger – und ist seinem Traum vom Beruf Polizisten ein Stück näher.