Rosenheim – „Animals United“ ist ein noch recht junger Verein. Gegründet wurde er im April 2014. Mittlerweile gibt es deutschlandweit 15 Aktionsgruppen mit rund 3500 Aktivisten. Seit 2015 ist die Organisation auch in Rosenheim tätig. Ziel ist es, Tiere vor jeglicher Ausbeutung durch die Menschen zu bewahren. Wie die Aktivisten das erreichen wollen, schildert Alex Saalfeld im Gespräch mit den OVB-Heimatzeitungen. Der 32-Jährige ist in Rosenheim für die Administration und Koordination der Tierrechtsorganisation zuständig.
Es gibt in Deutschland bereits eine ganze Reihe von Organisationen, die sich für das Wohl der Tiere einsetzen. Warum braucht es da noch eine weitere?
Animals United entstand durch die Fusion von zwei bereits seit länger bestehenden Tierrechtsorganisationen, ist also streng genommen gar nicht neu dazugekommen. Meiner Meinung nach könnte es aber auch noch viel mehr Vereine hierzulande geben, die sich für die Rechte der Tiere einsetzen. Der Bedarf ist einfach enorm groß.
In Sachen „Tierschutz“ hat sich in Deutschland im Gegensatz zu vielen anderen Ländern aber doch schon viel zum Positiven hin verändert?
Der Meinung sind viele Menschen. Aber sie täuschen sich. Auch in Deutschland gibt es nach wie vor viele Missstände. Ich denke da sofort an die Massentierhaltung. Doch auch bei idyllischen Bildern von Kühen auf einer Alm schaut es hinter den Kulissen in vielen Fällen ganz anders aus.
Nicht nur die Nutztierhaltung ist Animals United ein Dorn im Auge. Die Organisation verwehrt sich außerdem gegen die Nutzung von Fellen und Häuten in der Bekleidungsindustrie und dem Einsatz von Tieren in Forschung und Unterhaltung. Selbst beim Thema „Haustier“ machen sie Probleme aus. Geht das nicht zu weit?
Nein, wir kämpfen für die Rechte der Tiere in allen Bereichen und da gibt es leider auch bei den Haustieren vieles, das im Argen liegt. Eine artgerechte Haltung ist wichtig, noch mehr haben wir aber die Zucht und den Zoohandel im Blick.
Sollen sich die Menschen keine Haustiere mehr anschaffen?
Natürlich kann man mit Tieren zusammenleben. Es wäre aber schön, wenn man sich vor der Anschaffung ausführlich über den neuen Mitbewohner informiert und ein Tier aus dem Tierheim holt, anstatt es zu kaufen.
Auch den Bauern könnte Ihr Engagement missfallen?
Muss es nicht zwangsläufig. Statt auf die Fleischproduktion könnten sie in Zukunft auf die Produktion pflanzlicher Lebensmittel setzen. Das ist besser für Tier, Umwelt und Mensch.
Essen Sie noch Fleisch?
Nein. Ich bin überzeugter Veganer. Vor ein paar Jahren habe ich damit begonnen, meine Ernährung Schritt für Schritt umzustellen. Ich muss sagen, mir fehlt heute weder Fleisch noch Käse.
Wie weit gehen Sie bei Ihrem Kampf für die Rechte der Tiere?
So weit, wie es legal ist. Wir wollen schließlich erreichen, dass sich das deutsche Recht zugunsten der Tiere verändert. Da wäre es kontraproduktiv, wenn wir selbst gegen das bestehende Recht handeln.
Wie sehen die Aktionen von Animals United dann aus?
Wir setzen vor allem auf Aufklärung, beispielsweise durch Informationsstände und Kreativaktionen. Wir wollen die Menschen dort abholen, wo sie sind. Statt sie zu belehren, wollen wir mit ihnen ins Gespräch kommen. Außerdem haben wir schon einige Demos organisiert, beispielsweise als Zirkus Krone in Rosenheim gastierte oder auch vor den Toren des Herbstfestes, um auf das Leiden der Pferde im Ponykarussell aufmerksam zu machen.
Muss man den Menschen heute nicht Spektakuläreres bieten, um auf sich aufmerksam zu machen?
Ja, das ist tatsächlich manchmal eine Gradwanderung. Persönlich wünscht man sich schon manchmal, noch mehr Menschen zu erreichen. Darum habe ich zum Beispiel im Januar zusammen mit einigen anderen Gleichgesinnten halbnackt in Rosenheim gegen die Fellindustrie protestiert. Eine gute Aktion, finde ich. Aber das habe ich nicht im Namen von Animals United gemacht, sondern aus eigenem Antrieb heraus.
Wann ist das Ziel von Animals United erreicht?
Selbst bei gutgemeinten Projekten wie Weidefleisch wird getötet. Das bleibt grausam. Kein Tier wird totgestreichelt. Mein Ziel ist es, dass komplett auf die Nutzung von Tieren verzichten wird. Schließlich sind wir alle fühlende Lebewesen.
Interview: Karin Wunsam