Koolbermoor – Sie heißen Timmy, Cäsar, Moritz und Poldi – und sie alle sind spurlos verschwunden. Die Katzenbesitzer in Kolbermoor-Süd leben in Angst und Schrecken um ihre vierbeinigen Familienmitglieder: In einem Radius von etwa 150 Metern um die südliche Königsseestraße sind seit April zehn Katzen spurlos verschwunden. „Da muss ein Katzen-Hasser am Werk sein“, ist sich Dominik Prikril sicher.
Polizei: Verschwinden
unbedingt melden
Seine Katze Timmy ist am 10. November verschwunden. Seither ist das 13-jährige Tier nicht mehr auffindbar. Keine Haare im Garten, keine an der Straße – nirgendwo der kleinste Hinweis. Timmy ist wie vom Erdboden verschluckt. Ab dem 11. November hat Prikril Zettel verteilt, aufgehängt und mit Nachbarn gesprochen. Da stellte sich heraus, dass weitere Tiere vermisst werden. Prikril hat daraufhin eine Karte angefertigt und eingezeichnet, wo und wann Katzen verschwunden sind. Das Ergebnis: „Der Radius beträgt südlich der Königsseestraße 150 Meter.“ Die ganzen Katzenfreunde in Kolbermoor-Süd sind jetzt in Alarmbereitschaft. „Einige lassen ihre Tiere nicht mehr alleine raus, sondern gehen an der Leine mit ihnen Gassi“, sagt Prikril.
Neben Timmy sind neun weitere Katzen verschwunden, darunter Poldi. Das Tier gehörte Ingrid Kuhn und es verschwand am 12. April – das erste Tier in Prikrils Aufzeichnung. Mittags gegen 11.40 Uhr hat Kuhn den Kater noch gesehen, danach war er wie vom Erdboden verschluckt. Kuhn hat alles abgesucht, ist mit ihrem Hund losmarschiert, um die Katze zu suchen – „sie waren die besten Freunde“, erzählt sie. Aber Poldi ist nie wieder aufgetaucht. Die jüngsten Fälle sind Cäsar, der am 7. Februar, verschwunden ist und Moritz, er wird seit 9. Februar vermisst. Zehn Tiere in dieser Zeit in diesem kleinen Gebiet? Die Anwohner gehen nicht von Verkehrsunfällen aus. „Dafür sind es zu viele“, sagt Kuhn. Außerdem hätte man dann das tote Tier auf der Straße oder am Straßenrand gefunden.
Aber was kann der Grund fürs Verschwinden der Tiere sein? „Wir glauben, dass es ein Katzen-Hasser ist“, sind die Anwohner unisono überzeugt. „Er kann die Katzen in Marderfallen fangen und dann töten oder man kann sie auch leise erschießen“, sagt Prikril. Generell gebe es eigentlich in diesem Viertel – ihres Wissens – keinen Katzen-Hasser. Man kennt sich in den Nachbarstraßen. Aber eine andere Erklärung für das Verschwinden gibt es für die „Tiermütter und -väter“ einfach nicht mehr.
Die Häufigkeit, der kleine Radius lassen auch die Leiterin des Rosenheimer Tierheims Johanna Halisch an einen Katzen-Hasser denken. „Erfahrungsgemäß ist das so“, sagt sie zum Mangfall-Boten. „Einige sind sauer, weil die Katzen in deren Garten machen und dann greifen sie zur Selbsthilfe“, berichtet sie, davon habe sie schon mehrmals gehört. „Für mich ist dieses Verhalten von Menschen unvorstellbar.“ Es könne natürlich auch andere Gründe haben: Eine Katze könnte einen Giftköder gefressen haben und sich dann zum Sterben an Stellen verkriechen, wo sie nicht so leicht wiedergefunden wird – „das machen Katzen“, sagt sie. Dennoch hält sie im Hinblick auf die Anzahl der verschwundenen Tiere und der Tatsache, dass sie alle aus einem sehr kleinen Bereich stammten, Giftköder für wenig wahrscheinlich. Die Katzen-Besitzer versteht Halisch gut: „Die Sorge um das Tier, die Ungewissheit macht die Besitzer halb wahnsinnig.“ Aber eigentlich mag sie an Giftköder bei der Anzahl der Tiere und dem kleinen Radius nicht denken. „Das sind schon extrem viele“, ist sie überzeugt. Aber machen Katzen-Hasser die Runde in Kolbermoor? „Ich habe bisher nichts gehört, sagt sie – auch von anderen Regionen im Landkreis sei ihr nichts bekannt.
So ist es auch bei der Aiblinger Polizei: „Eine Häufung von verschwundenen Tieren gibt es nicht“, sagt eine Polizistin auf Nachfrage des Mangfall-Boten – obwohl die Besitzer das Vermissen bei der Polizei gemeldet haben. Aber sie sagt, dass man auf jeden Fall das Verschwinden eines Tieres bei der Polizei melden solle.
Die Anwohner überlegen, ob sie jetzt eine Initiative gründen, sagt Kuhn. Aber erstmal wollen sie noch etwas abwarten, wie es jetzt weitergeht. Aber auch das bringt den Katzen-Mamas und -Papas aus Kolbermoor ihre Lieblinge nicht zurück. Monika Wimmer kann es immer noch nicht glauben: Ihr Moritz ist seit 9. Februar verschwunden. „Moritz gehörte zur Familie“, sagt sie. Wimmer hat wie alle anderen alles abgesucht, Plakate aufgehängt – aber Moritz bleibt verschwunden, genau wie Cäsar, den Barbara Roider liebevoll „Cäsi“ nennt. Ob sie wieder eine Katze möchten? Eigentlich schon, sind sie alle überzeugt. Aber: Dann werden sie mit GPS ausgestattet. Dann kann man die Tiere via Internet verfolgen und notfalls ausfindig machen.