Rosenheim – Das Aktionsbündnis Internationaler Frauentag Rosenheim setzt sich seit 25 Jahren dafür ein, die Rechte der Frauen und ihre Interessen mittels vielfältiger Aktionen und Veranstaltungen für einen Monat im Jahr sichtbar zu machen. Der Kampf für Gleichberechtigung geht weiter – an den Forderungen der Frauchenrechtlerinnen hat sich in all den Jahren nämlich nicht viel verändert.
Wilma Waldt von der SPD erinnert sich gut an die Anfangsjahre des Weltfrauentags in Rosenheim. „Damals wurden wir an unseren Informationsständen von vorbeigehenden Männern noch wüst beschimpft“, erzählt sie bei der Pressekonferenz im Bürgerhaus Happing. Sogar eine Gegendemo habe sich formiert: „Muskelbepackt und braun gebrannt tauchten einige Männer mit Schildern in den Händen bei einer unserer Veranstaltungen auf und forderten für sich das gleiche Recht, also einen Männertag.“ Wie die damaligen Organisatoren darauf reagierten? „Wir haben gesagt, dass ihnen dieses Vorhaben natürlich freisteht, aber dass es hier und jetzt um die Rechte der Frauen geht“.
Einen Schritt
vor, zwei zurück
So gesehen, hat sich seitdem dann doch einiges in der Gesellschaft verändert. Böse Kommentare ernten die Vertreterinnen der 20 Organisationen, Vereine, Verbände und Parteien, die hinter dem Aktionsbündnis Rosenheim stehen, heutzutage für ihr Engagement kaum noch.
Trotzdem: Am Ziel angekommen ist die Gleichberechtigung noch lange nicht, da sind sich alle einig. „Mal geht es einen Schritt vor, aber dann auch leider wieder einen zurück“, bedauert Rosenheims Gleichstellungsbeauftragte Christine Mayer. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Aktionsbündnisses hat sie in Archiven gestöbert und ist dabei auch auf Plakate von früheren Frauentagen gestoßen. „Darauf stehen zum Großteil die gleichen Forderungen wie heute“, sagt sie.
Dabei stehen den Frauen heutzutage alle Wege offen, könnte man meinen. „Sie trauen sich nicht, neue Wege zu beschreiten“, bedauert Dr. Brigitte Kölzer, Frauenbeauftragte an der Technischen Hochschule Rosenheim. Nach wie vor würde sich die große Mehrheit der Studentinnen für die Zweige Innenarchitektur und Gesundheitswesen entscheiden. Der Anteil der Frauen in den technischen Studiengängen liege aktuell auf gerade einmal zehn Prozent.
Trend: Klassische Rollenverteilung
Überhaupt hat Dr. Brigitte Közer festgestellt, dass junge Frauen wieder sehr viel Wert auf die klassische Rollenverteilung legen – also der Mann verdient das Geld, die Frau bleibt daheim bei den Kindern. „Ein riskantes Denken“, meint sie, denn im Falle einer Scheidung können sich die Frauen längst nicht mehr auf einen nachehelichen Unterhalt verlassen: „Wenn ich das den Studentinnen erkläre, werden sie oft weiß wie die Wand. Viele wissen das einfach nicht.“
Darum lautet der Rat von Karin Gack vom Frauen- und Mädchennotruf: „Sich absichern und auch nach der Heirat finanziell unabhängig bleiben“. Kind und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist aber alles andere als einfach. „Das moderne Leben ist gerade für uns Frauen unglaublich anstrengend“, sagt Petra Mehne von BPW (Business and Professional Women) Mangfalltal. Für Christine Müller vom DGB steht desha
lb fest: „DieFrauen müssen die Männer noch viel mehr in die Pflicht nehmen“. Grundsätzlich seien heutzutage schon sehr viele Männer dazu bereit, ihre Kinder zu erziehen: „Die Männer von heute wollen Väter sein“.
Dauerbrenner Lohngerechtigkeit
Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt nach Ansicht von Susanne Kieslinger von den SPD-Frauen ein Dauerbrenner. Ebenso die Lohngerechtigkeit. „Frauen haben nach wie vor die schlechter bezahlten Berufe“, ärgert sie sich. Dies führe wiederum dazu, dass die Altersarmut besonders die Frauen hart treffe. Außerdem gäbe es nach wie vor viel zu wenige Frauen in Führungspositionen.
Auch in der Politik haben die Männer nach wie vor die Übermacht. Die Zahl der Frauen im Landtag ist nach der Bayerischen Landtagswahl sogar wieder von knapp 30 auf 26,8 Prozent gesunken. „Im Rosenheimer Stadtrat schaut es auch nicht viel besser aus“, so Alexandra Linordner von der CSU-Frauen-Union. Schuld an dieser Unterbesetzung seien nicht zuletzt die Frauen selbst. „Viele trauen sich einfach nicht zu, so einen Posten zu übernehmen“, meint sie. Außerdem: „Frauen wählen keine Frauen.“
Kampf um Rechte der Frauen geht weiter
Darum will das Rosenheimer Aktionsbündnis Internationaler Frauentag auch in Zukunft weiter für die Rechte der Frauen kämpfen. Die Bündnispartnerinnen wissen aber auch, bis zur völligen Gleichberechtigung von Mann und Frau ist es noch ein weiter Weg. Christine Müller vom DGB dazu: „Seit den 70er- und 80er-Jahren hat sich schon einiges getan, aber die Schritte sind sehr klein. Ich glaube, dass wir erst in 400 Jahren völlig gleichberechtigt sind.“