Der Kampf um Gleichberechtigung

von Redaktion

Am 8. März ist Weltfrauentag: Forderungen der Frauenrechtler bleiben gleich

Rosenheim – Das Aktionsbündnis Internationaler Frauentag Rosenheim setzt sich seit 25 Jahren dafür ein, die Rechte der Frauen und ihre Interessen mittels vielfältiger Aktionen und Veranstaltungen für einen Monat im Jahr sichtbar zu machen. Der Kampf für Gleichberechtigung geht weiter – an den Forderungen der Frauchenrechtlerinnen hat sich in all den Jahren nämlich nicht viel verändert.

Wilma Waldt von der SPD erinnert sich gut an die Anfangsjahre des Weltfrauentags in Rosenheim. „Damals wurden wir an unseren Informationsständen von vorbeigehenden Männern noch wüst beschimpft“, erzählt sie bei der Pressekonferenz im Bürgerhaus Happing. Sogar eine Gegendemo habe sich formiert: „Muskelbepackt und braun gebrannt tauchten einige Männer mit Schildern in den Händen bei einer unserer Veranstaltungen auf und forderten für sich das gleiche Recht, also einen Männertag.“ Wie die damaligen Organisatoren darauf reagierten? „Wir haben gesagt, dass ihnen dieses Vorhaben natürlich freisteht, aber dass es hier und jetzt um die Rechte der Frauen geht“.

Einen Schritt

vor, zwei zurück

So gesehen, hat sich seitdem dann doch einiges in der Gesellschaft verändert. Böse Kommentare ernten die Vertreterinnen der 20 Organisationen, Vereine, Verbände und Parteien, die hinter dem Aktionsbündnis Rosenheim stehen, heutzutage für ihr Engagement kaum noch.

Trotzdem: Am Ziel angekommen ist die Gleichberechtigung noch lange nicht, da sind sich alle einig. „Mal geht es einen Schritt vor, aber dann auch leider wieder einen zurück“, bedauert Rosenheims Gleichstellungsbeauftragte Christine Mayer. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Aktionsbündnisses hat sie in Archiven gestöbert und ist dabei auch auf Plakate von früheren Frauentagen gestoßen. „Darauf stehen zum Großteil die gleichen Forderungen wie heute“, sagt sie.

Dabei stehen den Frauen heutzutage alle Wege offen, könnte man meinen. „Sie trauen sich nicht, neue Wege zu beschreiten“, bedauert Dr. Brigitte Kölzer, Frauenbeauftragte an der Technischen Hochschule Rosenheim. Nach wie vor würde sich die große Mehrheit der Studentinnen für die Zweige Innenarchitektur und Gesundheitswesen entscheiden. Der Anteil der Frauen in den technischen Studiengängen liege aktuell auf gerade einmal zehn Prozent.

Trend: Klassische Rollenverteilung

Überhaupt hat Dr. Brigitte Közer festgestellt, dass junge Frauen wieder sehr viel Wert auf die klassische Rollenverteilung legen – also der Mann verdient das Geld, die Frau bleibt daheim bei den Kindern. „Ein riskantes Denken“, meint sie, denn im Falle einer Scheidung können sich die Frauen längst nicht mehr auf einen nachehelichen Unterhalt verlassen: „Wenn ich das den Studentinnen erkläre, werden sie oft weiß wie die Wand. Viele wissen das einfach nicht.“

Darum lautet der Rat von Karin Gack vom Frauen- und Mädchennotruf: „Sich absichern und auch nach der Heirat finanziell unabhängig bleiben“. Kind und Beruf unter einen Hut zu bringen, ist aber alles andere als einfach. „Das moderne Leben ist gerade für uns Frauen unglaublich anstrengend“, sagt Petra Mehne von BPW (Business and Professional Women) Mangfalltal. Für Christine Müller vom DGB steht desha

lb fest: „DieFrauen müssen die Männer noch viel mehr in die Pflicht nehmen“. Grundsätzlich seien heutzutage schon sehr viele Männer dazu bereit, ihre Kinder zu erziehen: „Die Männer von heute wollen Väter sein“.

Dauerbrenner Lohngerechtigkeit

Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf bleibt nach Ansicht von Susanne Kieslinger von den SPD-Frauen ein Dauerbrenner. Ebenso die Lohngerechtigkeit. „Frauen haben nach wie vor die schlechter bezahlten Berufe“, ärgert sie sich. Dies führe wiederum dazu, dass die Altersarmut besonders die Frauen hart treffe. Außerdem gäbe es nach wie vor viel zu wenige Frauen in Führungspositionen.

Auch in der Politik haben die Männer nach wie vor die Übermacht. Die Zahl der Frauen im Landtag ist nach der Bayerischen Landtagswahl sogar wieder von knapp 30 auf 26,8 Prozent gesunken. „Im Rosenheimer Stadtrat schaut es auch nicht viel besser aus“, so Alexandra Linordner von der CSU-Frauen-Union. Schuld an dieser Unterbesetzung seien nicht zuletzt die Frauen selbst. „Viele trauen sich einfach nicht zu, so einen Posten zu übernehmen“, meint sie. Außerdem: „Frauen wählen keine Frauen.“

Kampf um Rechte der Frauen geht weiter

Darum will das Rosenheimer Aktionsbündnis Internationaler Frauentag auch in Zukunft weiter für die Rechte der Frauen kämpfen. Die Bündnispartnerinnen wissen aber auch, bis zur völligen Gleichberechtigung von Mann und Frau ist es noch ein weiter Weg. Christine Müller vom DGB dazu: „Seit den 70er- und 80er-Jahren hat sich schon einiges getan, aber die Schritte sind sehr klein. Ich glaube, dass wir erst in 400 Jahren völlig gleichberechtigt sind.“

Das Programm auf einen Blick

Freitag, 1. März: Ökumenischer Weltgebetstag, ab 19 Uhr in der Apostelkirche in der Lessingstraße 26 und in der Versöhnungskirche in der Severinstraße 13.

Freitag, 8. März: Informationsmesse für Frauen, von 9 bis 12 Uhr in der Agentur für Arbeit in der Wittelsbacherstraße 57.

Samstag, 9. März: In der Fußgängerzone informiert die CSU-Frauen-Union Rosenheim Stadt von 10 bis 13 Uhr zum Thema „Starke Frauen in die Politik“ und der Verein Terre des Femmes, Städtegruppe Rosenheim von 12 bis 16 Uhr zum Thema „Menschenrechte für die Frau“.

Samstag, 9. März: Kabarettistin Sunna Hygen bringt ab 20 Uhr ist aktuelles Solokabarett für Frauen „Horizont – Geschnitten oder am Stück „ auf die Bühne des Bildungszentrums in der Pettenkoferstraße 5. Eintritt 18 Euro, Kartenvorverkauf im Weltladen.
Dienstag, 12. März: Die DGB Frauengruppe Rosenheim veranstaltet im Bürgerhaus Happing ab 19 Uhr ein Zwei-Personen-Theaterstück rund um die Frauenrechtlerinnen Anita Augspurg und Clara Zetkin, die vor 100 Jahren das Frauenwahlrecht miterkämpften. Eintritt frei.

Donnerstag, 14. März: In ihrem interaktiven Vortrag „Frauen sind die besseren Manager“ zeigt Organisations-Beraterin Petra Mehne, dass Frauen bestens für Führungsaufgaben geeignet sind. Beginn ist um 10 Uhr in Tante Paulas Gasthausbrauerei in der Gaststätte Mailkeller in der Schmettererstraße 20. Eintritt frei.

Freitag, 15. März: „Europa der Frauen? Europa den Frauen!“, ist das Motto einer Diskussionsveranstaltung der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen Rosenheim im Café Bistro Arche im Mangfallpark Süd. Beginn ist um 18.30 Uhr. Eintritt frei.

Freitag, 15. März: Der Mädchentag „Girls only“ findet von 13 bis 18 Uhr im Familienzentrum Christkönig am Kardinal-Faulhaber-Platz 7 statt. Eintritt frei. Anmeldung ist nicht erforderlich.

Samstag, 16. März: Internationales Frauenfrühstück von 9.30 bis 12 Uhr im Bürgerhaus Miteinander in der Lessingstraße 77, Gedeck sieben Euro.

Freitag, 22. März: Kunsttherapeutischer Workshop zum Motto „Die Zeit ist reif“ beim Frauen- und Mädchennotruf am Ludwigsplatz 15 von 15 bis 19 Uhr. Anmeldung ist erforderlich unter 08031/9016944 oder per Internet unter verwaltung@frauennotruf-ro.de.
Dienstag, 26. März: Die KAB Kreisverband Rosenheim lädt unter dem Motto „Transparenz statt Gleichheit?“ ab 19.30 Uhr zu einem Vortrag mit anschließender Diskussionsmöglichkeit um Thema Lohn im Bildungszentrum in der Pettenkoferstraße 5 ein . Eintritt frei.

Mittwoch, 27. März: Kinoabend ab 19.30 Uhr im Pfarrheim Pang in der Panger Straße 11. Gezeigt wird die bittersüße Komödie „Die Friseuse“ von Doris Dörrie. Eintritt frei.

Dienstag, 2. April: Abschluss des Frauenmonats mit einem Vortragsabend mit Finanzexpertin und Buchautorin Helma Sick in der Technischen Hochschule Rosenheim zum Thema „Von der Pharaonin zum Heimchen am Herd“. Beginn ist um 19 Uhr. Eintritt frei.

Auch Männer und Jungen werden mit dem Programm angesprochen. Es gibt aber vier Veranstaltungen, zu denen nur Frauen und Mädchen Zutritt haben. Diese sind: Kabarett-Abend, Mädchentag, Internationales Frauenfrühstück und Kunsttherapeutischer Workshop.

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