Rosenheim – Das Konstanzer Figurentheaterstück „Pfoten weg“ von Irmi Wette will Kindern beibringen, sich gegen die unangenehme Nähe eines Menschen zu wehren. Egal ob „glitschige, eklige Dinosaurierochsenfroschküsse“ von der Tante oder eine zu feste Umarmung vom Onkel.
Jetzt war das Puppentheater zu Besuch im Rosenheimer Kultur- und Kongresszentrum. „Wir wollen Kinder das Thema humorvoll nahebringen“, sagt Irmi Wette. Die Macherin des Puppentheaters arbeitete viele Jahre als Erzieherin und traf immer wieder auf Kinder, die von sexuellem Missbrauch betroffen waren. „Ich wollte einfach etwas dagegen unternehmen.“ In Zusammenarbeit mit der Polizei Konstanz schreibt sie ein Theaterstück, bastelt die dazugehörigen Figuren und gestaltet das Bühnenbild. Seit 16 Jahren reist sie jetzt schon durch Deutschland. Das Ziel: Prävention gegen sexuellen Missbrauch von Kindern.
Ein Anliegen, das auch dem Weißen Ring, Deutschlands größter Opferschutzorganisation, unheimlich wichtig ist. Anton Gröber, ehemaliger Leiter der Kriminalpolizei Rosenheim, ist seit über 35 Jahren für die Organisation tätig. Ehrenamtlich. „Kinder müssen gestärkt werden. Ihnen muss vermittelt werden, dass sie das Recht haben, Nein zu sagen“, erklärt Gröber.
Dunkelziffer ist besorgniserregend
Dass sexueller Missbrauch nach wie vor ein Problem ist belegen die Zahlen: In Deutschland gab es im vergangenen Jahr 13539 Fälle. Die Dunkelziffer fällt noch höher aus. „Besorgniserregend“, lautet Gröbers Einschätzung. Genau aus diesem Grund stellt der 74-Jährige den Kontakt zu Wette her und holt das Stück „Pfoten weg“ nach Rosenheim. Die Hauptfiguren sind die drei Katzengeschwistern Salome, Tom und Lotte. Das Problem: die feuchten Küsse und festen Umarmungen von Onkel Burschi und Tante Herzi. Eine Lösung haben die drei nicht. Bis sie Hilfe von Wildschwein, Igel und Hase bekommen.
Mithilfe eines Liedes lernen die Katzengeschwister, „Nein“ zu sagen. Zur Melodie von „Hänschen klein“ schreien zahlreiche Kinder Strophe um Strophe. „Die Kinder werden in dem Stück voll eingebunden und werden ein Teil der Aufführung“, schwärmt Gröber.
Den kleinen Zuschauern wird beigebracht, dass es wichtig ist, über Gefühle zu sprechen. Sie lernen, dass es gute und schlechte Geheimnisse gibt, dass ihr Körper ihnen alleine gehört und dass sie niemals Schuld haben. Am Ende des Stücks zählt Wette den kleinen Zuschauern nochmals auf, an wen sie sich wenden können. Eifrig rufen die Kinder Ideen ins Publikum. „Oma“, „Feuerwehr“, „Polizei“.
Momente, wie diese beweisen Wette, dass sie mit ihrem Theaterstück auf dem richtigen Weg ist. Auch in Rosenheim. Die Zahlen sprechen für sich: Zehn Aufführungen, fast 900 Zuschauer. Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer übernahm die Schirmherrschaft. Besonderheit: Das Präventionsangebot für die Schüler wird kostenfrei angeboten, was unter anderem durch die Unterstützung der OVB-Medienhausstiftung und des Lions Clubs Rosenheim möglich gemacht wird.