Der Kampf mit dem schwarzen Ball

von Redaktion

OVB-Serie Ausprobiert und miterlebt – Beim Squash-Training mit Viertklässlern

Rosenheim – Squash gehörte einst zu den Trendsportarten. Doch: Immer weniger Menschen interessieren sich für die Sportart aus England. Unverständlich für Kathrin Rohrmüller. Die 59-Jährige ist mehrmalige Stadtmeisterin. Ihr Sohn Rudi (27) spielt in der Nationalmannschaft und auch ihr Mann Rudi senior brennt für den Sport.

Seit 1981 sind die Rohrmüllers in der Squash-Szene aktiv. 1985 übernimmt das Ehepaar die Squash-Anlage am Kefer. „Das war eine super Zeit. Ganz Rosenheim hat damals Squash gespielt. Teilweise musste man sich sogar zwei Wochen vorher anmelden, um einen Platz zu bekommen“, erinnert sich die 59-Jährige. 2008 wird der Rosenheimer Squashverein gegründet.

34 Jahre später sieht es etwas anders aus. Die Mitglieder im Verein sind zurückgegangen und die Anlage am Kefer hat mittlerweile geschlossen. Die Rohrmüllers und ihre Squash-Schläger sind in den Aicherpark gezogen, haben sich in den „Squash-Tower“ eingemietet und teilen sich die zweite Etage mit einem Fitnessstudio. „Mit Fitnesshallen kann man einfach mehr Geld machen“, weiß Kathrin Rohrmüller.

Auf den 64 Quadratmetern im „Squash-Tower“ gibt es sechs Räume, in denen gespielt werden kann. Jeder Raum ist durch vier Wände begrenzt, ist 9,75 Meter lang und 6,40 Meter breit. An den Wänden befinden sich rote Markierungen, die das Spielfeld begrenzen. Der Boden ist aus Parkett. Die Rückwand aus bruchsicherem Sicherheitsglas. Hinter dem Glas halten sich, an Wettkampftagen, Zuschauer und Schiedsrichter auf.

Für meinen Schnuppertag im Squash-Reich hat sich Kathrin Rohrmüller etwas ganz Besonderes einfallen lassen. Schon seit geraumer Zeit organisiert der Squashverein Schulsportprojekte in Zusammenarbeit mit dem Fachverband Squash in Bayern. Grundschulen aus Happing, Pang und Rosenheim dürfen an einem Schnuppertraining teilnehmen und lernen alles, was man über die Sportart wissen muss.

Gemeinsam mit 14 Viertklässlern werde auch ich ein Probetraining absolvieren. Bevor es losgeht, werden uns die vier Trainer vorgestellt. Mit dabei: Der ehemalige Jugendnationalspieler Niklas Becher, die beiden Rentner Mike Bauchop und Sigi Klopfer und der Professor Erwin Friedel.

Einteilung in Vierergruppen

Wir werden in Vierergruppen eingeteilt. Das Prinzip läuft folgendermaßen ab: In jedem Raum wartet ein anderer Trainer mit einer anderen Aufgabe auf uns. Erste Station: „Longline-Schläge“ mit Niklas Bechler. Ziel ist es den Ball auf direktem Weg zur Stirnwand zu schlagen, sodass er in einer geraden Linie zurückfliegt.

„Schläger und Ball schnappen und in einer Linie aufstellen“, lautet die Anweisung von Becher. Für die unter 1,50 Meter großen gibt es eine Schutzbrille – damit der Schläger oder Ball nicht im Auge landet.

Der ovale Schläger ist schwerer als im Badminton, aber leichter als im Tennis. Wer Zahlen bevorzugt: Im Regelfall wiegen Squash-Schläger zwischen 130 bis 160 Gramm. Kurz erklärt Becher, wie der Schläger in der Hand liegen muss. Rechtshänder, wie ich, haben den linken Fuß vorne. Ein paar Schläge durch die Luft und ich bin bereit für meinen ersten Versuch. Becher wirft mir den Squashball aus Gummi zu. Meine Aufgabe ist es, ihn gegen die Wand zu schlagen. Der schwarze Ball ist etwa so groß wie ein Golfball. Zu klein für meine Augen, wie es scheint, denn ich habe Schwierigkeiten den Ball mit meinem Schläger zu treffen. Nach einigen Versuchen klappt es besser. Ähnlich bei meinen drei Mitstreitern, die sich von der Aufgabe schnell gelangweilt zeigen. Also gibt es nach jedem Durchgang Sprünge. Zur Abwechslung für die Kinder und zur Strafe für mich, wie es scheint.

Während fleißig gesprungen wird, erklärt Becher, was es mit dem schwarzen Sportgerät auf sich hat: „Der Ball ist hohl und enthält einen Tropfen Flüssiggas. Bei Erwärmung entsteht dadurch ein Überdruck“, erklärt mir der Trainer. Der Ball muss also erst warmgespielt werden, damit er seine volle Sprungkraft erreicht.

Nach 20 Minuten geht es weiter. Mike Bauchop will, dass wir uns am Jonglieren probieren. Diese Aufgabe meistere ich mit Bravour. Ich habe deutlich mehr Spaß als die drei Viertklässler in meiner Gruppe – und auch etwas mehr Durchhaltevermögen. Weiter geht es mit Zieltraining. Unsere Aufgabe ist es Kegel auf einer Bank mit dem Ball zu treffen. Ich treffe keinen einzigen Kegel, während Viertklässler Andrea einen Kegel nach dem anderen abräumt und es sich nicht nehmen lässt mich immer wieder darauf hinzuweisen.

Einfache Regeln, schnelle Erfolge

Während es für die Viertklässler noch weiter geht, darf ich mich im Spiel mit Sigi Klopfer probieren. Kurz erklärt mir der Rentner nochmals die Regeln. Alle vier Wände zählen zur bespielbaren Fläche, pro Schlag muss einmal die sogenannte Stirnwand angespielt werden. An dieser befindet sich eine rote Linie, über die der Ball aufkommen muss. Der Gummiball darf maximal einmal den Boden berühren. „Bereit?“, fragt Klopfer. Ohne auf meine Antwort zu warten, feuert er den Ball gegen die Stirnwand. Ich feuere ihn zurück. Hin und her. Klopfer lässt mich durch den kleinen Raum laufen, der mir auf einmal viel größer vorkommt. Während er sichtlich gefasst wirkt, läuft mir der Schweiß über die Stirn. Das Spiel ist unheimlich schnell – jedenfalls kommt es mir so vor. Nach einer gefühlten Ewigkeit beenden wir das Spiel.

Bei einem Wettkampf werden drei Gewinnsätze bis elf Punkte gespielt. Punkte gibt es für einen Ausball, wenn der Ball zweimal aufkommt, zu tief ist oder nicht erwischt wird. Fazit: Die Regeln sind einfach zu verstehen, das Spiel macht Spaß, kleine Erfolge stellen sich schnell ein und man kann sich richtig auspowern.

Mehr Infos

Wer sich selbst im Squash ausprobieren will, ist jederzeit herzlich willkommen. Für Kinder gibt es jeden Montag die Möglichkeit ein Kindertraining zu absolvieren. Alle anderen können einen Court reservieren. Öffnungszeiten: Montag bis Samstag von 9 bis 17 Uhr. Telefon: 08031/43031.

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