Durchg‘wischt is‘ glei

von Redaktion

Aschermittwoch der CSU: Putzfrau Franz und die Frage, was kommt nach Gabriele Bauer

Rosenheim – Die Welt dahoam im „Happinger Hof“: Möglich gemacht hat das der politische Aschermittwoch der Rosenheimer CSU. Redner wie CSU-Stadtrat Daniel Artmann und insbesondere der Landtagsabgeordnete Otto Lederer wagten einen Blick über Rosenheim hinaus. Den Fokus ganz auf die Stadt hingegen richtete Franz Knarr als „weltbekannte Putzfrau aus Rosenheim“.

Nächstes Jahr will die Putzfrau Franz ihren Staubwedel in die Ecke stellen. 20 Jahre sauber Staub aufwirbeln in der Stadt und unter ihren Vertretern muss genug sein, findet sie. Und natürlich passt der Zeitpunkt perfekt: Hängt doch auch Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer ihren Posten im kommenden Jahr an den Nagel. Zwei also, die dem Ende ihrer beruflichen Laufbahn entgegensehen, deren „Trauerjahr“ begonnen hat. „Schwere Zeiten“ für Putzfrau Franz und seine „Gabi“ – und natürlich für alle, die sich vorher in Stellung bringen wollen oder müssen als Kandidaten fürs Amt im Rathaus.

Wobei, und da wischte sich selbst die mit allen kommunalpolitischen Wassern gewaschene Putzfrau für einen Moment verdutzt über die Augen: So früh wie nie ist diesmal „die Katze aus’m Sack“, ein erster Kandidat benannt: „Der Andi haut‘s naus“ – er, Andreas März, ist es selbst. Wie es so läuft im Rosenheimer Rathaus, das kann der Andi vom Reinigungspersonal lernen, kennt die Putzfrau doch das politische Personal genau: „Wia Kinda sans.“ Hören nicht, folgen nicht. Und „wenn i eich die Leviten les‘, dann schert‘s eich an Dreck“.

Folgsamer allemal ist da Dackel Otto, der kleine Liebling von Oberbürgermeisterin Bauer. Der immerhin könnte als „Orakel“ für die Trassen zum Brenner-Nordzulauf“ eine entscheidende Rolle spielen: „Wenn er mim Schwanzerl wedelt, dann de oane, wenn er sei Haxerl hebt, dann die ander, und wenn er gar ein Häufchen macht, mitten durch Rosenheim, auf der einstigen Bahnstrecke Prinzregentenstraße, am Rathaus vorbei“. Putzfrau Franz weiß, wie der Dackel läuft – und der Verkehr in der Stadt fließt. Erst einmal nämlich gar nicht mehr, wegen der vielen Großbaustellen. „Umleitung“, prophezeit Franz ohne ins Wischwasser zu schauen, „wird zum Unwort des Jahres“. Und schlimmer noch: „Kein Navi zeigt mehr an, was wahr is. Bürger werden sich verirren, Kinder wird man da verlieren. Die Polizei rückt ständig aus und findet selber nimmer raus.“

Einen Ausweg finden, das war auch Stichwort für Otto Lederer, der den Bezug herstellte zu US-Präsident Donald Trump, zu China und Russland, zur zunehmenden Destabilität zwischen den Mächten. Europa müsse geeint auftreten, sagte er. Ein verlässliches Gegengewicht bilden. „Bayern und Deutschland haben nur eine Chance, wenn wir in Europa zusammenhalten“, sagte er. Und warnte zugleich vor dem Aussterben der Europäer sowie vor dem Machtverlust der europäischen Staaten: „In der Welt von heute hat kein einzelner europäischer Staat mehr ein Gewicht.“ Dabei sei es angesichts der weltpolitischen Lage zwingend notwendig, sich Verbündete zu suchen, um eine Spaltung Europas zu verhindern, sagte Lederer. Für ihn führt der Weg über ein „Europa der Regionen“ mit christlichen Werten und echten „Patrioten, nicht Nationalisten“.

Daniel Artmann sagte, Ziel müsse eine Politik sein, die „für Werte und Traditionen“ einstehe. Und deshalb sei für ihn eine Zusammenarbeit mit dem „linksgetriebenen Personal“ der Grünen auf allen politischen Ebenen undenkbar. Auch in Rosenheim. „Grüne Politik ist oft scheinheilig“, sagte Artmann. Ob scheinheilig oder nicht: Den Grünen-Stadtrat Franz Opperer hat zumindest Putzfrau Franz auf ihrem Kandidaten-Plan zur Oberbürgermeisterwahl, weil: „Der hot d‘Weisheit min Löffel gfressen.“

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