Eine neue Heimat für arme Tiere

von Redaktion

Spatenstich für Rosenheimer Tierheim – Freude bei Vereinsvorsitzender

Rosenheim – Mit dem ersten symbolischen Spatenstich startete am gestrigen Freitagnachmittag der Bau für das neue Tierheim. Das Wort „Wunder“ fiel oft, denn der Weg dorthin war lang und steinig. Dementsprechend groß ist bei Andrea Thomas, Vorsitzende des Tierschutzvereins Rosenheim und ihrem Team die Freude darüber, dass es nun tatsächlich losgeht.

Die Abrissarbeiten des alten Tierheims am Gangsteig in Kolbermoor sind abgeschlossen. Was noch steht, ist das alte Hundehaus. Es wird noch solange genutzt werden, bis der erste Teil des neuen Tierheims gebaut ist. Alle anderen rund 100 Tiere leben während der Übergangsphase in angemieteten Containern. „Damit ist die Situation für unsere Tiere bereits jetzt um einiges besser, als in der Vergangenheit“, freut sich Tierheimleiterin Johanna Halisch.

Das alte Tierheim war in einem völlig desolaten Zustand. Trotzdem war ein Neubau über viele Jahre hinweg nur ein Wunschtraum. „Wir sind durch ein Tal der Tränen gegangen“, erinnert sich Rosenheims Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer. Die Standortsuche gestaltete sich schwierig. Außerdem fehlten dem Verein, der sich zum allergrößten Teil aus Spenden finanziert, die Mittel.

Eine zweckgebundene Erbschaft in Höhe von 2,9 Millionen änderte alles. Von wem, bleibt weiter ein Geheimnis. Aber der größte Dank bei der gestrigen Feierstunde galt dieser tierlieben Erblasserin aus dem Landkreis. „Sie hat nur durch Zufall von unserer schwierigen Situation erfahren“, erzählt Andrea Thomas.

Ein „finanzielles Wunder“, meint die Vorsitzende des Tierschutzvereins Rosenheim, denn man hat immer davor zurückgescheut, eine derartige Finanzierungshilfe überhaupt anzusprechen: „Uns gefiel der Gedanke nicht, dass ein Mensch sterben muss, damit wir das Tierheim bauen können“. Jetzt sei sie dieser alten Dame für ihr Vermächtnis zum Wohle der Tiere in Stadt und Landkreis Rosenheim aber unendlich dankbar. An sie gerichtet betont Andrea Thomas: „Wir werden dieses Erbe steht in Ehren halten. Das sind wir der Dame schuldig. Dafür stehen wir ein.“

Bereits im Frühjahr 2020 soll der Neubau bezugsfertig sein. Derzeit wird mit Kosten zwischen 4,2 bis 4,5 Millionen Euro gerechnet. Die genaue Summe steht erst fest, wenn in den kommenden Wochen alle Angebote der einzelnen Gewerke eingegangen sind. Nur regionale Firmen sollen mit den Arbeiten beauftragt werden. Andrea Thomas hofft auf „Tierheim freundliche Preise“.

1200 Pfähle in den Untergrund

Zuerst einmal werden jetzt 1200 Pfähle in den Untergrund gerammt. „Der Untergrund ist schwierig“, informiert Gabriele Bauer. Danach soll es zügig weitergehen, um den ehrgeizigen Bauplan einhalten zu können.

Auch der Ärger mit den Nachbarn scheint vorbei. Sie haben ihre Klage zurückgezogen. In Folge mussten die Architekten aber ihre Pläne für das neue Haus überarbeiten, vor allem in Hinblick auf den Lärmschutz. „Wir haben die Auflagen so gestaltet, dass das Tierheim nicht mehr gefährdet ist“, so die Oberbürgermeisterin. Für sie steht fest: „Wir haben den richtigen Standort gefunden.“

Das sieht der stellvertretende Landrat Dieter Kannengießer genauso. Er sicherte zu, dass schon bald ein Gespräch mit den 46 Bürgermeistern des Landkreises über die Fundtierkosten-Pauschale stattfinden wird. Diese deckt derzeit nicht einmal zehn Prozent der jährlichen Ausgaben. Einige Gemeinden verweigern die Kostenübernahme für die Aufnahme und Versorgung von Fundtieren sogar völlig.

Der Tierschutzverein Rosenheim hofft auf ein Umdenken, denn die finanzielle Situation bleibt angespannt. Andrea Thomas rechnet mit mindestens weiteren 500000 Euro, die für den Neubau noch aufgebracht werden müssen. Außerdem bleibt der laufende Betrieb, der jährlich mit über 500000 Euro zu Buche schlägt. „Wir sind weiter dringend auf Spenden angewiesen“, erklärt die Vorsitzende des Rosenheimer Tierschutzvereins.

Nicole Brühl, Präsidentin des Tierschutzbundes Bayern, hatte vor sechs Jahren noch keine große Hoffnung für das Rosenheimer Tierheim. „Wie bringt man ein Tierheim aus so einem Loch heraus? Mir fiel nichts ein“, erzählt sie.

Zuversichtlich in die Zukunft

Der Fortbestand des Tierheims sei aber auch im Hinblick auf alle anderen 74 Tierheime in Bayern enorm wichtig gewesen: „Das Ende des Rosenheimer Tierschutzvereins hätte einen Flächenbrand mit weiteren Schließungen verursachen können. Dann wären viele Tiere auf der Straße gelandet“. Jetzt blickt auch sie zuversichtlich in die Zukunft: „Das neue Tierheim bietet die Möglichkeit, in dieser Region Tierschutz auf höchst professionellem Niveau zu betreiben.“

Spenden an den Tierschutzverein gehen an die Sparkasse Rosenheim, Kontonummern 8797 oder 731844; BLZ 711 500 00; IBAN: DE13 7115 0000 0000 0087 97; BIC: BYLADEM1ROS

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