Rosenheim – Ein neues Gewerbegebiet wird im Rosenheimer Stadtteil Brucklach entstehen. Unternehmen, die sich dort ansiedeln, bringen der Stadt wichtige Einnahmen für die Gewerbesteuer, erhalten und schaffen womöglich auch Arbeitsplätze. Allerdings fürchten Anwohner ein Mehr an Verkehr und Lärm. Die Stadträte befürworten das Projekt grundsätzlich. Doch es gibt Kritik an der Verkehrsführung, und auch eine mögliche Gefahr durch Hochwasser steht im Raum. Die Stadtverwaltung hat im Bauausschuss Details der Planung vorgestellt.
Lage und
Erschließung
Die rund 45000 Quadratmeter große, derzeit landwirtschaftlich genutzte Fläche grenzt im Norden an die Miesbacher Straße, über die das neue Gewerbegebiet dank eines Kreisels erschlossen werden soll. Außerdem besteht eine Anbindung über die Brucklacher Straße. Im Südosten wird das Areal begrenzt durch die Hochwasserschutzlinie entlang der Kalten, im Westen durch die Bebauung entlang der Hohenofener Straße. Außerdem liegt es nahe der geplanten Westtangente. Entlang der Miesbacher Straße wird das Gewerbegebiet mit Bäumen eingegrünt, außerdem wird ein Schallschutz errichtet. Ansiedeln dürfe weder Einzelhandel, noch seien Tankstellen und Waschstraßen erwünscht. Trotzdem sei die Zahl der Interessenten groß, sagte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU).
Insgesamt soll die Verkehrserschließung aber noch einmal überprüft werden, hat Bauer angekündigt. Insbesondere die CSU-Stadträtin Margarete Fischbacher und Dr. Beate Burkl von den Freien Wählern/UP Rosenheim hatten sich kritisch geäußert zu einem möglichen Anschluss des Gewerbegebietes über die Brucklacher Straße.
Entwicklung
Verkehrsaufkommen
Mit der Ansiedlung neuer Gewerbebetriebe wird der Verkehr zunehmen. Dabei, so teilt die Stadt Rosenheim mit, wird sich der sogenannte Neuverkehr zu rund zwei Drittel auf den Anschluss Nord an der Miesbacher Straße verteilen. Ein Drittel wird über den Anschluss West an der Hohenofener Straße fließen. Die Verkehrszunahme liegt bei etwa zwölf Prozent an der Miesbacher Straße und bei etwa zehn Prozent an der Hohenofener Straße.
Beide Straßen gelten als sehr hoch belastet, das hatten bereits im Jahr 2015 Untersuchungen zum Verkehrsentwicklungsplan ergeben. Sie zeigten aber auch, dass die Hohenofener Straße sowie auch Teile der Miesbacher Straße trotzdem zügig befahren werden können.
Belastung: Lärm
und Schadstoffe
Dass ein neues Gewerbegebiet Verkehr anzieht und auch Lärm mit sich bringt, steht außer Frage. Im Sachvortrag der Stadt zum neuen Gewerbegebiet ist von „Überschreitungen der Orientierungswerte für Gewerbegebiete“ die Rede, und zwar entlang der Miesbacher Straße. In der Folge gilt es, beim Bau von Häusern mit Wohnungen zunächst den genauen Lärmpegel in der Umgebung zu messen und dann für den entsprechenden Schallschutz zu sorgen. Im restlichen Bereich des Planungsgebietes sei die Lärmbelastung durch den Straßenverkehr geringer, die Orientierungswerte werden nach Angaben der Stadt „weitgehend eingehalten“. Mithilfe eines Gutachtens hat die Stadt zudem prüfen lassen, welche Auswirkungen die Verkehrszunahme auf der Miesbacher- und Hohenofener Straße hat auf die Immissionsgrenzwerte für Luftschadstoffe. Die Grenzwerte würden eingehalten, meldet die Stadt.
Quer über die Wiese, auf der das neue Gewerbegebiet entstehen soll, laufen zwei Hochspannungstrassen. Entlang der beiden 110-Kilovolt-Freileitungen darf nur bis zu einer gewissen Höhe gebaut werden. Um diese Begrenzung zu umgehen, müssen entweder die Masten erhöht oder die Stromkabel in den Boden verlegt werden. Dies ist Aufgabe des Netzbetreibers, der „Bayernwerke“. Welche der Varianten umgesetzt wird, muss im Rosenheimer Stadtrat beschlossen werden. Gesundheitliche Bedenken aufgrund magnetischer und elektrischer Felder können nach Angaben der Stadt ausgeschlossen werden. Auch die Störanfälligkeit für elektrische und elektronische Geräte ist demnach eher unwahrscheinlich.
Gefahr aufgrund
von Hochwasser
Der Boden des Gebiets wird bestimmt durch Schluff und Ton, darunter liegt Kies. Allerdings ist diese Kiesschicht im Nordwesten des Areals nur wenig oder gar nicht vorhanden. Das ist schlecht, denn im Kies kann Wasser gut versickern, Schluff und Ton sind dafür nicht geeignet. Außerdem ist der Grundwasserspiegel relativ hoch. Daher kann das Gebiet nur genutzt werden, wenn ein Entwässerungskonzept entwickelt wird, inklusive eines Höhenkonzeptes. Zu diesem Zweck hat die Stadt die Fläche bereits vermessen lassen. Sie geht davon aus, dass die Kiesschicht Gewerbehallen mit einer Höhe von bis zu zehn Metern tragen kann. Die Stadt plant, das Gelände zu erhöhen und damit die Hochwassergefahr zu bannen. Herbert Borrmann, der Vorsitzende der CSU-Stadtratsfraktion, hatte die Gefahr angesprochen. Bei allen Bemühungen handle es sich doch „um ein Risikogebiet für Extremereignisse“, wie es etwa das Jahrhundert-Hochwasser eines gewesen sei.