Rosenheim – Vier Engel haben sich auf der Bühne der Inntalhalle zu einer gemütlichen Schafkopfrunde niedergelassen. Es ist kein Zufall, dass die kartelnden Himmelsboten zu ihren Lederhosen schwarze, grüne, orange und gelbe Flügel tragen – an ihren Charaktären erläuterte Salvator-Redner Peter Kirmair die politischen Verhältnisse im Lande. Kirmair war für den Starkbieranstich diesmal in die Rolle des „Portners“ geschlüpft: Er wachte über den Eingang zum altbairischen Paradies – „Der Frankenhimmel is nämlich do ganz drübn.“ – und blickte unter dem Titel „Da Himme über Bayern“ spöttisch auf des Wirrwarr „do drunten“ – sprich die versammelte Prominenz aus Politik, Institutionen und Behörden sowie Geschäftspartnern von Auerbräu.
Kirmair knüpfte mit seiner Rolle an eine literarische Vorlage an: den heiligen Portner aus Franz von Kobells „Brandner Kasper“. Aber heilig war Kirmairs Portner nicht so recht – im Gegenteil: „I hob leider noch keine amtliche Anleitung für die Verwendung geschlechtersensibler Sprache. Sie Herr Kloo? Darum jetzt dann wenig himmlisch, sondern unverändert authentisch, unsensibel und pelchert wia de letztn Jahre.“
Doch trotz der drohenden Ankündigung: Heuer war Kirmair nicht gar so gschert wie in den Vorjahren. War es die einsetzende Altersmilde? Oder der Mangel an Stoff? Denn gleich eingangs stellte der Portner die Frage: „Wos soi i do heid über meine Bürgermoasta da drunt ausm Landkreis Rosenheim sogn? Ned vui, de machan ja nix mehr.“ Angesichts der im nächsten Jahr bevorstehenden Kommunalwahl hat Kirmair einen politischen Stillstand ausgemacht. Diejenigen, die wieder antreten würden, wollten jeden politischen Fehler vermeiden, denn anderen sei es eh „wurscht“ – und sprach dann direkt die Rosenheimer Oberbürgermeisterin an: „Stimmt‘s Frau Bauer, ist bei eahna in da Stod a ned anders?“ Thema war auch der Dackel, den sich Bauer im Vorgriff auf ihren Ruhestand angeschafft hat: Warum sie sich denn einen so quirligen und eigensinnigen Hund ausgesucht habe? „Ois Erinnerung an Verwaltung und Stadtrat vielleicht? Ned gell, denn do waar a Großer, Schwerfälliger, Träger besser gwen.“
Tatsächlich hätten die Bürgermeister ja vor allem ein Problem: „Des Oanzige, wos stört an dem Job, ist der Bürger.“ Nicht viel zu sagen hat der Bürger nach Überzeugung des Portners auch beim Brennertunnelzulauf: „Moants ihr, dass de do drobn ned scho lang de End-Trassn festglegt ham?“ Zumindest aber habe dieses Vorgehen dafür gesorgt, dass die Bürger in den betroffenen Gemeinden zusammenstehen. Die Gemeinden aber würden aufgrund unterschiedlicher Interessen auseinanderdriften: „Oh heiliger St. Florian, behüt unser Haus, zünd andere an.“
Kirmair verteilte seinen Spott gleichmäßig über Landes- und Kommunalpolitik und ließ dabei kein politisches Lager ungeschoren davonkommen, mit Ausnahme der AfD – sprich dem Engel mit den blauen Flügeln: „Na, solang sich der ned an de üblichen Regln hoit, und mia a ned wissn, wo as Spuigeld herkimmt, hod der in dieser himmlischen Runde no nix zum suacha.“
Ministerpräsident Markus Söder musste sich für sein Raumfahrtprogramm verspotten lassen, die Bayern-SPD für ihre Selbstabschaffung und die beiden CSU-Landtagsabgeordneten Stöttner und Lederer für ihre ausbleibende Karriere.
Auch der stellvertretende Landrat – „da Huber Josef“, den vor dem Unfall von Landrat Wolfgang Berthaler niemand gekannt habe – bekam sein Fett weg, ebenso wie Kolbermoors Bürgermeister Peter Kloo, der in der Faschingszeit sauber eingespannt gewesen sei, – „na ned in da Arbat, sondern ois Schäfflermoasta“ – oder Rosenheims Zweiter Bürgermeister Anton Heindl, der künftig seine Sammlung klassischer Zitate nur noch seiner Frau als „Betthupferl“ vortragen könne – als Einschlafhilfe. Auch die potenziellen OB-Kandidaten durften sich einiges anhören.
Dennoch: Gar so beißend-ätzend war Kirmair im Vergleich zu früheren Jahren nicht. Ein Heiliger, wie bei Kobell, war sein Portner allerdings auch nicht. Dafür zeigte sich seine Figur viel zu sehr irdischen Genüssen verhaftet: „Mia im boarischen Himme ham gar koa Manna. Schmarrn,… mia tringan wia ihr do druntn a guads Bier“ – das wäre so recht nach dem Geschmack eines anderen bayerischen Himmelsbotens gewesen: des Engels Aloisius.