Ehrenvorsitz für Christiane Hufnagel

von Redaktion

Historischer Verein Rosenheim würdigt ihr langjähriges Engagement

Rosenheim – Nach zehn Jahren erscheint wieder ein Band „Das bayerische Inn-Oberland“ – der Zeitschrift des Vereins Rosenheim. Vorgestellt wurde die jüngste Ausgabe bei der Mitgliederversammlung im Flötzinger Bräustüberl. Außerdem auf dem Programm: Ehrenmitgliedschaft für Christiane Hufnagel und die Wahl eines neuen stellvertretenden Vorsitzenden.

Auf der Suche

nach Nachwuchs

Seit 117 Jahren gibt es den Historischen Verein Rosenheim. Aktuell zählt er 381 Mitglieder. Ihre Aufgabe: Die Erforschung und Vermittlung von Geschichte und Kultur von Stadt und Landkreis Rosenheim. Der Altersdurchschnitt liegt bei 60 Jahren und älter. Um auch junge Leute für den Verein zu begeistern, haben 15 Schüler des Ignaz-Günther-Gymnasiums ein Marketing-Konzept entwickelt (wir berichteten). Dazu gehört auch ein Imagefilm mit dem Titel „Wir sind Geschichte“. Erstmals in der Öffentlichkeit gezeigt wurde dieser im Herbst 2018. Nun wurde mit ihm auch die gut besuchte Mitgliederversammlung eröffnet.

Im Geschäftsbericht zählte Vorsitzender Karl-Heinz Brauner die vielen Veranstaltungen, Vorträge und Exkursionen des vergangenen Jahres auf. Im Juli wurden erstmals im Landkreis Rosenheim Stolpersteine verlegt. Einen Stolperstein stiftete der Historische Verein.

Seit Herbst arbeitete Karl-Heinz Brauner zusammen mit Simon Hausstetter, Rainer Janka und Julia Heuel an der Herausgabe eines neuen Bandes „Das bayerische Inn- Oberland“. „Es ist ein Jubiläumsband“, sagte Brauner (siehe Kasten).

Im Jahr 1901 war die erste Ausgabe erschienen. Nun kommt Band 60 auf den Markt. Er enthält mehrere Aufsätze aus den Bereichen Kunstgeschichte, Literaturgeschichte und Kirchengeschichte. Die Zeitspanne reicht vom Mittelalter bis zur heutigen Zeit. Unter den Autoren finden sich einige jüngere und ganz junge. „Die Rosenheimer Geschichte mag alt sein, ihre Autoren sind jung“, schreibt Brauner im Vorwort.

Vor ihm stand Christiane Hufnagel sechs Jahre an der Spitze des Vereins. Für ihr Engagement wurde sie nun zur Ehrenvorsitzenden ernannt. Unter ihrer Führung entstanden drei Publikationen: Die Bildbände „Rosenheim – Wachstum und Wandel“ und „Schauplätze zur Zeit der Stadterhebung“ sowie die Dissertation der Rosenheimer Historikerin Isabel Leicht: „Der Kriegstoten gedenken. Lokale Erinnerungskulturen in Rosenheim und Penzberg nach 1945.“ Außerdem hat Christiane Hufnagel intensiv die Produktion der Zeitzeugen-Interviews angeschoben, von denen bereits 32 erschienen sind. Kurzfassungen können auf der Internetseite des Historischen Vereins abgerufen werden.

Neu besetzt werden musste das Amt des stellvertretenden Vorsitzenden. Walter Leicht war aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten. Seine Aufgabe übernimmt Simon Hausstetter. „Eine große Ehre“, sagte der 29-jährige Rohrdorfer.

Der Jubiläumsband „Das bayerische Inn-Oberland“

Ein halbes Jahr lang haben Simon Hausstetter (29) und Julia Heuel (24) zusammengesessen, überlegt und geplant. Immer mit im Boot: Karl-Heinz Brauner, der Vorsitzende des Historischen Vereins Rosenheim, und Vereinsmitglied Rainer Janka. Gemeinsam haben sie dafür gesorgt, dass er nun fertig ist: der Jubiläumsband „Das bayerische Inn-Oberland“, 60. Jahrgang 2019. Die erste Ausgabe nach zehn Jahren Pause.

Wer das Buch mit dem Untertitel „Zeitschrift des Historischen Vereins Rosenheim“ in die Hand nimmt, hat sofort ein haptisches Vergnügen – vorausgesetzt, er bringt überhaupt eine Liebe zum Medium Buch mit. Keine Frage ist das für Simon Hausstetter und Julia Heuel. Die beiden haben eine GBR gegründet, sind auch privat ein Paar – und sie verbindet diese Liebe zum Buch und zu allem, was gedruckt ist. Hausstetter hat Latein, Griechisch und Germanistik studiert und arbeitet in einem Antiquariat an der Amalienstraße in München. Zudem engagiert er sich in Rohrdorf als stellvertretender Leiter des Bauernhof-Museums. Julia Heuel dagegen hat sich dem Optischen verschrieben, gerade hat sie an der Uni Bozen ihre Bachelor-Arbeit im Fach Design vorgelegt, Schwerpunkt Grafikdesign. Zwei Menschen also, die wunderbar gemeinsam an einem Buch arbeiten können, zumal an einem Jubiläumsband, der ja immer besonders gelungen sein soll.

Doch vor Gestaltung und Druck steht der Inhalt: Die Aufsätze zu Themen aus Kunstgeschichte, Literaturgeschichte und Kirchengeschichte hatte der Historische Verein ausgewählt. Das Vorwort hat Karl-Heinz-Brauner beigesteuert. Der Schwerpunkt des knapp 200 Seiten umfassenden Buches liegt klar auf dem Thema Literatur.

Damit der Inhalt auch wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht wird, hat Hausstetter 550 Fußnoten überprüft und jede Zeile Korrektur gelesen. Wie er sagt, mit Unterstützung seines Bruders, der als Lehrer in Lübeck lebt. Dazu galt es, Bildrechte zu klären und gegebenenfalls andere Bilder zu finden.

Julia Heuel hat ihr Design-Talent eingebracht. Immer mit dem Ziel, dass Inhalt und Grafik aufeinander abgestimmt sind. Die Seiten selbst sind luftig gehalten. Die Texte sind gut lesbar, was nicht zuletzt an der angenehmen Größe der Schrift liegt. In der Gestaltung hat Julia Heuel auf kleinste Details geachtet: etwa dann, wenn der Leser entdecken kann, dass das Tüpfelchen des „i“ auf dem Cover der Form einer Zwiebel nachempfunden ist und den Zwiebelturm der Heilig-Geist-Kirche umfasst. Eine Umrahmung, die sich später als Hintergrund der Seitennummern wiederfindet. Viel Arbeit für beide, die gegen Ende immer mehr Zeitdruck mit sich brachte.

Am Ende sind Simon Hausstetter und Julia Heuel zufrieden mit dem Ergebnis: 500 Stück des Jubiläumsbandes sind gedruckt, die Arbeit hat eine Druckerei in Litauen übernommen. Das sei eine Frage des Preises gewesen, gibt Hausstetter unumwunden zu. Eine Spedition hat dann alle Exemplare verpackt in 18 Kisten nach Rosenheim gefahren. Jetzt stehen sie zum Verkauf bereit. 15 Euro kostet ein Band, zu haben ist er im Buchhandel. Mitglieder des Historischen Vereins können ihn kostenlos beziehen.Ilsabe Weinfurtner

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