Frühjahrsputz im Spielkasten

von Redaktion

Zum Start der Spielplatzsaison: Auf den Spuren der Bauhofmitarbeiter

Rosenheim – Klettern, schaukeln, buddeln, rutschen und toben – mit dem Frühling kehrt auf den 46 Spielplätzen der Stadt das Leben zurück. Damit Kinder und Eltern ihren Aufenthalt dort unbeschwert genießen können, führt der Städtische Bauhof das ganze Jahr über engmaschige Sicherheitskontrollen durch.

Robert Pecher und Hans Auer gehören zu den Spielplatzbeauftragten des Städtischen Bauhofs. Im Einsatz sind sie das ganze Jahr über, denn die Spielplätze bleiben auch im Winter geöffnet. „Hügel werden dann gerne zum Schlittenfahren genutzt“, weiß Markus König vom Umwelt- und Grünflächenamt.

Sichtkontrolle

auf Schäden

Bei jedem Spielplatz in der Stadt findet einmal wöchentlich eine Sichtkontrolle statt. „Dabei wird nach offensichtlichen Schäden und Gefahrenquellen gesucht“, erklärt Markus König. Müll, Zigarettenstummel oder Scherben werden unverzüglich entfernt. Außerdem werden alle Spielgeräte auf faulendes Holz, zerschnittene Seile oder abgenutzte Ketten genau unter die Lupe genommen. „Gerade die Ketten von Schaukeln nutzen sich im oberen Bereich schnell ab“, so die Erfahrung von Robert Pecher. Übersteigt die Abnutzung 30 Prozent, wird das Teil erneuert.

Deutlich aufwendiger als die Routinekontrollen sind die Quartals- und Jahreskontrollen. Bei den Quartalskontrollen wird jede einzelne Schraube auf Abnutzung, Lockerung oder Schädigung überprüft, ebenso alle beweglichen Teile und Verbindungselemente. Den höchsten Aufwand erfordert die Jahreskontrolle. Bei ihr werden sogar die Fundamente der Spielgeräte freigelegt, um den Zustand von Holzpfosten und Verbindungsteilen zu prüfen. Jetzt im Frühjahr werden, wenn vorhanden, die Wasserläufe in Betrieb genommen. „Trinkwasserqualität ist für sie alle Pflicht“, so Markus König.

Die Sicherheit der Kinder hat auf den Spielplätzen eben oberste Priorität. Die Vorschriften und Normen werden deshalb immer mehr. Der Nachteil: Nicht alles was Spaß macht, ist erlaubt. „Natürlich gehen dadurch Kreativität und Abenteuer ein Stück weit verloren“, weiß Robert Pecher. Er betrachtet den Aspekt „Sicherheit“ aber noch aus einem anderen Blickwinkel: „Kommt es zu einem Unfall, könnte ich dafür sogar persönlich haftbar gemacht werden“. Deshalb dokumentieren er und seine Kollegen jede Kontrolle noch vor Ort mittels Notebook und GPS – damit sich im Zweifelsfall eindeutig beweisen lässt, dass jedes Spielgerät tatsächlich auf Herz und Nieren überprüft wurde.

Rosen als

Lehrmeister

Selbst für die Pflanzen, die auf einem Spielplatz wachsen, gibt es strenge Richtlinien. Giftige Gewächse wie Goldregen oder Seidelbast kommen natürlich überhaupt nicht in Frage. Rosen mit ihren Dornen dürfen aber sein – sie erfüllen nach Ansicht von Markus König sogar eine wichtige Aufgabe: „Kinder müssen lernen, mit Gefahren umzugehen. Das gehört zu einer gesunden Entwicklung. Daum darf man nicht alles von ihnen fernhalten.“

Überhaupt müsse man manchmal die „Kirche im Dorf lassen“, finden auch Robert Pecher und Hans Auer: „Auf einem Spielplatz haben sich die Kinder kürzlich aus Ästen einen Unterschlupf gebaut. Den räumen wir nicht sofort wieder weg. Die Kleinen sollen damit erst einmal ihren Spaß haben.“

Sie selbst haben auch Spaß bei ihrer verantwortungsvollen Arbeit. „Diese Aufgabe ist enorm vielseitig“, sind sie sich einig. Außerdem komme das Kind im Mann immer wieder einmal zum Zug. „Natürlich testen wir Schaukeln und Rutschen auch mal selbst“, schmunzelt Robert Pecher. Zusätzlich setzt der 47-Jährige bei seiner Arbeit auf das fachliche Urteil seines eigenen Kindes: „Das ist mein strengster Kritiker“.

Artikel 1 von 11