Rosenheim – Gummi-Rakete, Filzlandschaft, Foto-Comic oder Hasenvilla – die Kreativität in der Kinder- und Jugendkunstschule „Kind und Werk“ ist grenzenlos. Seit 42 Jahren lassen Kinder und Jugendliche dort ihrer Phantasie freien Lauf. Mit dem Projekt „Handwerk trifft Schule“ geht der Verein jetzt neue Wege.
In den Anfangsjahren von Kind und Werk waren besonders die Kurse am Vormittag sowie am frühen Nachmittag gefragt. Jeden Tag war was los. Das hat sich geändert. Nur noch am Dienstag und Mittwoch treffen sich die Zwergerlgruppen von 9.30 bis 11 Uhr. Die meisten Angebote finden aktuell an den späten Nachmittagen statt. „Heutzutage sind meist beide Eltern berufstätig und die Kinder sehr oft den ganzen Tag in Hort, Kindergarten oder Schule“, weiß Irmgard van Berlekom, Koordinatorin bei „Kind und Werk“.
Verschiedene Bastelangebote
Um die Kinder weiterhin zu erreichen, hat sich der Verein ein neues Projekt einfallen lassen. „Handwerk trifft Schule“ bringt Schulklassen zu Kind und Werk. In den Räumlichkeiten in der Chiemseestraße direkt neben dem Freibad werden verschiedene Bastelangebote für die ersten bis sechsten Klassen durchgeführt – abgestimmt auf den Lehrplan: Bei den „Inn-Piraten“ können die Kinder spielerisch und kreativ die Welt der Schiffer und Seiler und des Flusses erkunden. Um die Wahrnehmung der Architektur im Alltag geht es beim „Bau deines Traumhauses“. Bei dem Workshop „Schatzkisten mit Alarmanlage“ erfahren die Kinder durch ihr praktisches Tun viel über den Stromkreislauf und bei „Nistkästen und Vogelhäuser“ steht der handwerkliche Umgang mit Holz im Vordergrund. „Die Kinder lernen dabei auch viel für ihr späteres Leben“, steht für Irmgard van Berlekom fest. Im handwerklichen Bereich gäbe es heutzutage noch deutliche Defizite, so van Berlekom: „Der Fachkräftemangel fängt im Kindergarten an.“
Die erste Resonanz ist gut. Schon eine ganze Reihe von Schulklassen hat sich angemeldet. „Kind und Werk macht sich damit in den musischen Fächern zum außerschulischen Partner der Ganztagsschulen“, so Irmgard van Berlekom. Der Verein reagiere auf diese Weise auf die gesellschaftliche Veränderung. Finanzielle Unterstützung für das Projekt kommt von der Sparkassenstiftung Zukunft für Stadt und Landkreis Rosenheim.
Als Barbara Donning vor 42 Jahren in Rosenheim die Bastelwerkstatt „Kind und Werk“ ins Leben rief, keimte erst langsam die Erkenntnis, dass sich künstlerisches Schaffen auf die kindliche Entwicklung positiv auswirkt. „Lange Zeit war man der Meinung, dass kreatives Schaffen mit Kindern zwar ganz nett ist, aber mehr auch nicht“, erinnert sich Irmgard van Berlekom. Seit einigen Jahren gewinnen die insgesamt 60 Jugendkunstschulen und Kulturpädagogischen Einrichtungen in Bayern aber an Stellenwert: „In einer Zeit, in der die Technik und Digitalisierung zunehmend Einfluss auf unser Leben nimmt, merkt man, wie wichtig Kreativität und Handwerk sind.“
Bewerbung an Kultusministerium
Irmgard van Berlekoms erklärtes Ziel: „Wir wollen eine stärkere öffentliche Förderung der Jugendkunstschulen.“ Deshalb hat sich der Rosenheimer Verein jüngst über den Landesverband der Jugendkunstschulen und Kulturpädagogischen Einrichtungen Bayern für das Modell Strukturförderung beim Kultusministerium beworben, um ähnlich wie bei der Sing- und Musikschulverordnung eine gesetzlich verankerte Strukturform und Anerkennung zu erreichen: „Dabei sind wir zwar noch längst nicht am Ende angekommen, aber jetzt immerhin auf einem guten Weg.“