Rosenheim – Sie bedienen schweres Gerät. Sie graben metertief unter Straßenniveau. Und arbeiten zentimetergenau, um Kanalrohre und Leitungen zu verbinden: Die Arbeiter in der Prinzregentenstraße schuften seit drei Wochen. Die Baustelle ist die umfangreichste in diesem Jahr in Rosenheim. Und eine echte Herausforderung. Nicht nur für die Bauarbeiter.
Schuften für
den neuen Kanal
Robert Höhn und Andreas Wallner stehen am Grund der Grube, die der Bagger an der Kreuzung zur Samerstraße ausgehoben hat. Beide tragen Helm und Warnweste. Dicke Handschuhe sowieso. Sie blicken auf zwei riesige Kanalrohre. Das ältere liegt seit Jahrzehnten hier unten und muss ausgetauscht werden. Dafür, dass dieses Schmutzwasser auch bei weiter steigenden Mengen gut abfließen kann, sollen am Ende glasfaserverstärkte Kunststoffrohre sorgen, mit einem Durchmesser von 1,60 Metern. Doch ehe sie gelegt werden können, kämpfen Höhn und Wallner mit einem Provisorium. Es muss so zugeschnitten werden, dass sich eine absolut dichte Verbindung zum alten Rohr ergibt. Dass das klappen und der Verteiler prächtig funktionieren wird, davon ist Polier Hermann Prechtl überzeugt. Er hat seine Baustelle im Griff und auch die elf Kollegen, die in zwei Kolonnen arbeiten. Sie kommen gut voran, da unten in der Grube. Und auch sonst: So sind bereits zwei fünf Meter tiefe Brunnen mit Ableitungen gegraben, um das Grundwasser absenken zu können. Schließlich sollen die Arbeiter in der Grube nicht im Nassen stehen.
In den kommenden drei Wochen wird der provisorische Abwasserkanal ersetzt: Auf rund 80 Metern Länge liegen dann im Kreuzungsbereich glasfaserverstärkte Kunststoffrohre. Des Weiteren werden die Bauarbeiter Löcher graben für die Fundamente der neuen Ampelanlage, bis zur Riederstraße werden sie Leerrohre verlegen und sie beginnen mit den Arbeiten für die Fernwärme- und Wasserleitungen in der Prinzregentenstraße, teilt Projektleiter Klaus Lochner von der Stadtentwässerung Rosenheim mit.
Reaktionen
der Anlieger
Während Robert Höhn und Andreas Wallner in der Baugrube stehen, räumt Alexander Betzl saubere Wäsche in farbige Plastikkörbe. Der stellvertretende Geschäftsführer der Reinigung Wolff an der Samerstraße reagiert mit einer großen Portion Gelassenheit auf die Baustelle vor den Geschäftsräumen. „Was soll man machen“, sagt er und schaut aus den Ladenfenstern hinaus auf die großen weiß-roten Straßenabsperrungen. Hier kann derzeit kein Kunde mal eben schnell sein Auto abstellen, um Wäsche zu holen. Auch als Fußgänger muss man einen kleinen Umweg in Kauf nehmen, um die Reinigung zu erreichen. Doch Betzl ist nicht unzufrieden. Was an der Infopolitik der Stadt liege, wie er sagt. „Wir haben über alles Bescheid gewusst. Und sie haben uns sogar gefragt, wann es am besten passt, weil das Wasser abgestellt werden musste.“ Auch das Team der Reinigung selbst hatte bereits im Vorfeld einiges unternommen, um die Kunden über mögliche Beeinträchtigungen zu informieren: Flyer wurden gedruckt, und wer möchte, kann während der Baustellenphase seine Wäsche in eine der beiden anderen Wolff-Filialen bringen.
Ein Stück weiter vorne, die Prinzregentenstraße runter Richtung Fußgängerzone, hat die Steuerkanzlei „Schmitt und Suren“ ihren Sitz. Hier arbeitet Anita Zwiegel als Steuerfachgehilfin. Die Büroräume sind zur Straßenseite hin ausgerichtet. Bei offenem Fenster sei es schon laut, sagt Zwiegel. Da helfe nur Stoßlüften am Morgen. Bleiben die Fenster geschlossen, dringe jedoch kaum ein Laut hinauf zur Steuerkanzlei. Auch die Mandanten kämen zurecht, hinter dem Haus finden sich ausreichend Parkplätze. Schwierig sei in den ersten Tagen der Baustelle eher die An- und Abfahrt gewesen, zwischen Baustellencontainern, Baggern und Raupen hindurch, sagt Zwiegel.
Anstrengende Tage
für die Busfahrer
Ein Problem, von dem auch die Busfahrer betroffen sind. Allerdings haben sie weniger Schwierigkeiten aufgrund von Baumaschinen. Was ihnen den letzten Nerv raubt, ist die Unvernunft der Autofahrer. Die hielten sich nicht an die neue Einbahnstraßen-Regelung für die Münchener Straße/Einmündung Papin-straße, sagt Ingmar Töppel, Geschäftsleiter beim Kroiss Stadtverkehr Rosenheim. In der Folge müssten dort die Busfahrer immer wieder mit „Geisterfahrern“ rechnen, die ihnen entgegenkommen. Besonders ärgerlich dabei: Kaum ein Autofahrer lasse sich belehren, weder mit Handzeichen, noch im Gespräch. „Die meisten schauen stur geradeaus und fühlen sich nicht angesprochen“, sagt Töppel. Er fährt selbst Bus und hat in den vergangenen Wochen die Erfahrung gemacht: „Die Einsicht der Autofahrer ist eher gering.“ Dies gilt gleichermaßen für die neu eingerichteten Halte- und Parkverbote. Sie hat die Stadt eingerichtet, um den 15 Meter langen Regionalbussen und den Lkws das Rangieren in den schmalen Innenstadt-Straßen zu erleichtern. Das aber scheint die Autofahrer wenig zu interessieren. Sie parken trotzdem. Gerne auch in den späten Abendstunden. Etwa an der Schmettererstraße mit ihren Lokalen. „Da ist der erste Blechschaden schon abzusehen“, sagt Töppel.
Er befindet sich seit Beginn der Bauarbeiten in einer Art Dauer-Rush-Hour. Tag für Tag muss er planen, organisieren, beruhigen und argumentieren. Immerhin sind täglich 750 Busse durch die Stammstrecke zu leiten.
Doch Töppel ist zuversichtlich: Das Bus-Konzept für die ersten sechs Monate der Baustelle ist griffig geworden: Sei es zu Beginn der Arbeiten noch zehn Seiten lang gewesen, lasse es sich jetzt auf einer Seite zusammenfassen.
Polizei muss
häufig verwarnen
Töppels Eindrücke werden von der Rosenheimer Polizei bestätigt. In einer Pressemeldung berichten die Einsatzkräfte von einer „Vielzahl von Verwarnungen“, weil Autofahrer sich nicht an die neuen Regelungen gehalten haben. Daher wird die Polizei ihre Kontrollen in den kommenden Wochen fortsetzen.
So geht es
ab Montag weiter
Auch die Baustellenarbeiten gehen weiter: Am Montag beginnen die Vorbereitungen für den Kanalbau in der Samerstraße, zwischen der Kreuzung Am Roßacker/Am Esbaum und der Einmündung Riederstraße. Die Fahrzeuge können über eine Gegenverkehrsregelung an der Baustelle vorbei fahren. Allerdings ist die Ausfahrt aus dem Quartier Am Esbaum in die Samerstraße nicht möglich. Anlieger können über die Gillitzer- und die Herzog-Otto-Straße in Richtung Münchener Straße und Rieder- und Samerstraße ausweichen. Befahrbar bleiben die Straße Am Roßacker, von der Samerstraße aus und auch in der Gegenrichtung. Von der Herzog-Heinrich-Straße aus können zudem die Samerstraße und die Straße Am Roßacker befahren werden.