Denksport für die Füße

von Redaktion

Einmal wöchentlich treffen sich Line-Dance-Fans im Bürgerhaus Happing

Rosenheim – Männer begeistern sich für jeden Sport, nicht aber für das Tanzen. Zum Glück gibt es Tanzarten, für die Frau keinen Partner braucht. Der amerikanische Line-Dance wird darum auch hierzulande insbesondere beim weiblichen Geschlecht immer beliebter, wie der Besuch einer begeisterten Line-Dance-Gruppe im Bürgerhaus Happing zeigt.

Auch Walzer funktioniert

Der Begriff Line (zu Deutsch Linie) kommt nicht von ungefähr: Die rund 20 Damen stehen in Reih’ und Glied und warten auf den Einsatz der Musik. Längst wird nicht nur nach Countrymusik getanzt. Selbst Walzer funktioniert. Sieht halt nur völlig anders aus, als man es vom klassischen Tanz gewohnt ist.

Line-Dance wird häufig mit Square-Dance verwechselt. Beides sind typisch amerikanische Volkstänze. Dann ist aber mit der Gemeinsamkeit schon Schluss: Square-Dance wird in Gruppen zu je vier Paaren getanzt. Die Figurenfolgen werden von einem sogenannten Caller angesagt. Line-Dance wird von einzelnen Personen getanzt, die alle die gleiche Blickrichtung schauen.

Einen Ansager gibt es bei dieser Tanzform nicht. Das bedeutet für die Tänzer, sie müssen alle Schrittkombinationen und obendrein noch möglichst viele Tanz-Choreografien auswendig lernen – das sind mehr als 30000 an der Zahl! Kein Wunder, dass man Line- Dance darum auch gerne als Denksport bezeichnet. Es gibt sogar schon Studien, die belegen, dass diese Art des Gehirnjoggings Demenz vorbeugen kann.

Linken Fuß hinter den rechten Fuß kreuzen. Eine Viertel Drehung rechts herum. Schritt nach vorn mit rechts. Linke Fußspitze rechts vor rechter auftippen. Schritt nach links mit links. Rechtes Knie über linkes sinken und so weiter und so weiter – Schon die Choreografien mit Namen wie „Bread and Butter“, „Electric Clide“ oder „Just a Kiss“ beim Lesen zu verstehen, ist für einen Laien schwierig.

Sonja Schwarzenböck hat damit aber mittlerweile überhaupt kein Problem mehr. Vor 13 Jahren war sie Mitbegründerin einer Line-Dance-Gruppe in Stephanskirchen. Seit einigen Jahren gibt sie ihr Wissen nun regelmäßig im Happinger Bürgerhaus an andere Tanzbegeisterte weiter. Jeden Montag treffen sich zuerst die Anfänger und danach die Fortgeschrittenen im Multifunktionsraum.

Wer Country-Kleidung erwartet, wird enttäuscht. Getragen wird, was bequem ist. „Bei uns geht es nicht um das Aussehen, sondern um den Spaß“, bringt es eine der Teilnehmerinnen auf den Punkt.

Natürlich sind auch Männer bei den Gruppenstunden willkommen. Aber bei vielen Stunden bleiben die Frauen unter sich. Was viele von ihnen eint, spricht die 42-jährige Astrid aus: „Mein Mann ist ein absoluter Tanzmuffel.“ Mit dem Line-Dance habe sie endlich eine Möglichkeit gefunden, tanzen zu können. Ein Partner an der Seite fehlt ihr dabei überhaupt nicht. „Ich bin während des Tanzens völlig im Hier und Jetzt. Alles andere rückt in weite Ferne. Ich konzentriere mich, schalte ab. Ein gutes Gefühl“, schwärmt sie. Auch die 62-jährige Alfreda will die Tanzstunden im Happinger Bürgerhaus nicht mehr missen. „Das hält Geist und Körper fit“, ist sie sich sicher.

Grundvoraussetzung zum Mitmachen ist ein Rhythmusgefühl. Alles andere kommt nach und nach, meint Sonja Schwarzenböck: „Man muss halt üben und üben.“

Weltweit die

gleichen Schrittfolgen

Das Schöne am Line-Dance: Überall auf der Welt tanzt man nach den gleichen Schrittfolgen. Steigt irgendwo eine Line-Dance-Party können Geübte also in der Regel sofort problemlos mitmachen. Auch in Deutschland ist das Angebot an derartigen Tanzveranstaltungen seit Jahren groß. Nur speziell in der Region Rosenheim sieht es aktuell noch nicht gut aus. „Leider gibt es hier in der Gegend immer noch sehr, sehr wenige Möglichkeiten für Line- Dance“, bedauert Sonja Schwarzenböck. Umso mehr freut sie sich mit den anderen Line-Dance-Fans auf die wöchentlichen Tanzstunden im Bürgerhaus Happing.

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