Neue Pläne für Bahngelände Nord

von Redaktion

Investor setzt auf Hotel, Wohnraum, Läden

Rosenheim – Es ist eines der ganz großen Baugebiete in Rosenheim: die Brachfläche „Bahngelände Nord“ unterhalb des Brückenbergs. Wo heute nichts zu sehen ist als parkende Autos, Kies und Sand, entsteht ein ganz neues Quartier. Erste Pläne liegen nun auf dem Tisch.

Das Areal an der Münchener Straße gehört der Stadt. Wie es genutzt werden kann, war lange Zeit offen: Zwischen Gleisen und Straße gelegen, in Nachbarschaft zu Gewerbekomplexen, Parkhaus Busbahnhof und Bahnhof bietet es zwar beste Anbindungen – auch zur Innenstadt. Für Wohnungsbau allerdings schien es wenig attraktiv. Bis jetzt. Denn die Stadt hat vor, den Grund zu verkaufen. Ein Investor ist gefunden. Die Erlanger Firma „Sontowski & Partner Group“ und ihre Objektgesellschaften sollen in Kürze die Verträge unterzeichnen. Vorher aber muss der Stadtrat zustimmen, der sich am kommenden Mittwoch trifft. Eine Mehrheit für das Projekt ist wahrscheinlich, auch wenn es im vorberatenden Bauausschuss durchaus kritische Stimmen gab. Ein Überblick über die Planungen, aufgeteilt in drei Baufelder.

Baufeld 4 West: Das Baufeld schließt sich an das Digitale Gründerzentrum im Baufeld 4 Ost an: Entstehen soll ein sechsstöckiges Gebäude mit einem siebten Geschoss hin zur Münchener Straße und zum Digitalen Gründerzentrum. Nach Südwesten ausgerichtet werden Wohnungen gebaut für Studenten. Im Erdgeschoss sieht „Sontowski“ hier kleinere Läden und auch Gastronomie. Seniorenwohnen, nach Nordosten orientiert, soll ebenfalls in diesem Gebäude Platz finden, inklusive einiger Gemeinschaftsräume im Erdgeschoss und eines geschützten Außenbereichs. Raum für die Begegnung aller Generationen könnte ein privater Innenhof bieten, nach Süden ausgerichtet und mit einer Glasschallschutzwand vor Lärm geschützt.

Elfgeschossiger

Turm als Abschluss

Baufeld 5: Hier sehen die Planer ebenfalls einen sechsgeschossigen Komplex vor, der ein siebtes, zurückgesetztes Dachgeschoss bekommen soll. In dieses Gebäude soll ein Hotel einziehen mit 165 Zimmern. Erweitert wird der Block im Südwesten durch ein fünfgeschossiges Büro- und Dienstleistungsgebäude. Im Erdgeschoss ist ein Lebensmittelmarkt vorgesehen. Wie in Baufeld 4 West, ist auch hier ein privater Innenhof angedacht, südseitig und ebenfalls vor Lärm geschützt.

Baufeld 6: Dieser Teil des Areals schließt die Bebauung zum Brückenberg hin ab. Vorgesehen ist ein viergeschossiges Parkhaus mit einer begrünten Fassaden- und Dachlandschaft. Gleichsam als Leuchtturm wird zudem ein Turm mit elf Geschossen in die Höhe wachsen. Ausgerichtet zur Münchener Straße, konzipiert für Büros und Dienstleistungen. Zudem soll im rückwärtigen Bereich, hin zur Eduard-Rüber-Straße, eine zweigeschossige, nicht näher ausgeführte Bebauung entstehen, für Parkplätze sowie für Büros und Dienstleistungsräume.

Insgesamt hat das Erlanger Büro eine Geschossfläche von 31470 Quadratmetern gestaltet. Zwischen den einzelnen Gebäuden versprechen die Planer urbane, repräsentative und zum Teil begrünte Plätze, die für jedermann zugänglich sind. Ob am Ende die Zahl der geplanten Parkplätze ausreichen wird, ist offen.

Die interne Erschließung des neuen Quartiers erfolgt über die Eduard-Rüber-Straße. Sie soll im Baufeld 6 in eine Wendeanlage münden, dazu muss sie um rund 170 Meter verlängert werden. An diese Wendeanlage angebunden wird der Weg von der Münchener Straße unter dem Brückenberg hindurch zum Anwesen Münchener Straße 98.

Nicht alle Stadträte kann das Konzept überzeugen. Kritik übten im Ausschuss die Vertreter der Grünen, die vor allem die Qualität der Bebauung monieren. Auch die SPD lehnt die Pläne ab, den Sozialdemokraten kommt vor allem der Bau von preiswerten Wohnungen zu kurz (siehe Kasten). In der CSU hingegen werden die Pläne positiv bewertet: Die Gewerbeflächen seien „hochwertig“ und würden „dringend gebraucht“, sagte Stadtrat Dr. Thomas Huber. Die Vertreterin der Freien Wähler/UP Rosenheim, Dr. Beate Burkl, sprach von einem „städtebaulich stimmigen Konzept“.

SPD-Fraktion: „Schwarzer Tag für die Demokratie“

Ein „Eklat“ überschattet die Diskussion um das Bauvorhaben auf dem Bahnhofsgelände. Das zumindest empfindet die SPD-Fraktion des Rosenheimer Stadtrats so und bezieht sich auf die nichtöffentliche Debatte im jüngsten Haupt- und Finanzausschuss. Was dort geschehen ist, kommentiert der Fraktionsvorsitzende Robert Metzger in einer Pressemeldung: „Die ist ein schwarzer Tag für die Demokratie, weil damit andere Ideen und Vorstellungen mundtot gemacht werden, nur weil sie nicht denen von CSU und Freien Wählern entsprechen.“

Hintergrund der Kritik: CSU und Freie Wähler/UP Rosenheim hatten nichtöffentlich, laut SPD, „mehrheitlich beschlossen“, einen Antrag der SPD-Fraktion von der Tagesordnung zu nehmen. In diesem Antrag mit dem Titel „Arbeiten und Wohnen am Brückenberg“ fordert die SPD-Fraktion Wohn- und Gewerbeflächen für die Baufelder 4,5 und 6 der Bahnfläche Nord – mit dem Schwerpunkt auf preiswertem Wohnraum. Der Antrag ist nun zwar nicht gänzlich vom Tisch, die Verwaltung muss ihn zur Vorlage bringen. Aber Metzger geht davon aus, dass das erst dann geschehen wird, wenn die Planungen mit der Firma „Sontowski und Partner Group“ vollends in trockenen Tüchern sind.

Grundsätzlich zeigt sich die SPD in der Mitteilung überrascht und verärgert darüber, dass auf den Baufeldern Studentenwohnungen entstehen und „zu marktüblichen Preisen“ angeboten werden sollen. Immerhin habe die Verwaltung über Jahre mitgeteilt, Wohnen sei an dieser Stelle aufgrund des Lärms nicht möglich. Außerdem werfen die Sozialdemokraten den Fraktionen von CSU und Freien Wählern/UP Rosenheim vor, bisher jeden ihrer Anträge auf bezahlbaren Wohnraum abgelehnt zu haben. In der Folge, und mit Blick auf die steigende Bevölkerungszahl in Rosenheim, fehlten mindestens 1000 preiswerte Wohnungen.bw

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