von Redaktion

Ovb-Serie In alten Zeitungsbänden geblättert – Vor 25 Jahren: Trödelhof gegründet

Eine Chance für Langzeitarbeitslose

Rosenheim – Ein Blick zurück in die Vergangenheit sagt viel über die Entwicklung einer Stadt und die Sichtweise früherer Generationen. Vieles wiederholt sich auch in verblüffender Weise. Wir haben deshalb in alten Zeitungsbänden geblättert und präsentieren in unregelmäßigen Abständen die interessantesten Dinge aus bestimmten Jahren. Heute geht es um die Zeit vom 25. März bis 7. April.

Beim Thema „Bautätigkeit in Rosenheim“ erwähnt der „Rosenheimer Anzeiger“ die Erbauung eines Lichtspieltheaters in der Königstraße 7. Auf dieses Kino, die „Kammerlichtspiele“, folgte in den 70er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts die Diskothek „Calypso“.

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„Sperrung des Zuzugs. Endorf folgt nunmehr dem Beispiele Rosenheims und verbietet den Zuzug im Hinblick auf die Wohnungsnot und die Sicherstellung der Lebensmittelversorgung.“

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„Abbau der weiblichen Hilfskräfte. In Ausführung der verschiedenen Beschlüsse des hiesigen Volksrates wird, wie wir vernehmen, beim Kommunal-Verband die Einstellung der männlichen Hilfskräfte fortgesetzt. Es wurde bereits sämtlichen Fräuleins gekündigt.“

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„Zur Förderung der Heidenmission. Seit einer Reihe von Jahren entfalten die christlichen Länder eine rege Tätigkeit für die Förderung der Heidenmission. Sobald die Not der Heidenwelt erkannt ist, vermag das christlich empfindende Herz sich nicht mehr dem Mitleid und der Beteiligung am Missionswerk zu verschließen. Die Versammlung am Montag, 31. März, im Postsaale dient dem Zwecke, den Mitglieder sämtlicher kath. weiblicher Vereine der Stadt einen Einblick in das Elend der heidnischen Frauenwelt zu geben; zugleich werden die Mittel aufgeführt, die der Rettung der heidnischen Frau dienen.

In zahlreichen Lichtbildern wird die Missionstätigkeit im chinesischen Reiche vor Augen geführt.“ Im Bericht über diese Veranstaltung heißt es: „Mit tiefer Empörung erfüllte die Anwesenden die von H.H. Kaplan Bergmaier anschaulichst geschilderte, aller Menschenwürde spottende körperliche und seelische Not, welche die Frauen in den Heidenländern erleiden und aus der sie nur das Christentum zu erlösen imstande ist.“

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„Die außergewöhnlich große Zahl der ärztlichen Zeugnisse, auf welche Krankenzulagen bezogen wurden, gab dem Volksrat Rosenheim Veranlassung, alle Zeugnisse für ungültig zu erklären und gleichzeitig Anordnung zu treffen, daß nunmehr nur noch für wirklich Kranke und Bedürftige Zulagen verordnet werden. Alle von den Aerzten künftig ausgestellten Zeugnisse sind von nun ab in verschlossenem Umschlag beim Kommunalverband abzugeben. Bestehen seitens der Prüfungskommission Zweifel über die Notwendigkeit der verordneten Zulagen, so wird diese Kommission eine Nachuntersuchung durch einen hierfür bestellten Arzt anordnen.“

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„Das Ministerium für soziale Fürsorge hat ab 1. April die Sonntagsruhe für das Handelsgewerbe und den Sonntagsladenschluß angeordnet. Am kommenden Sonntag werden also sämtliche Läden und Verkaufsräume erstmals nicht geöffnet sein.

„Zu einem Gammlerdomizil ist das durch eine Gasexplosion beschädigte Gill-Haus an der Hafnerstraße geworden. Langmähnige Gesellen pflegen dort zu übernachten und hier und da ihre miniberockten Mädchen mitzubringen. Das abbruchreife ,Gammlerhaus‘ wurde kürzlich von einer Nachtstreife der Rosenheimer Stadtpolizei inspiziert.

Dabei entdeckten die Beamten der Rosenheimer Stadtpolizei vier junge Männer, von denen einer gesucht wurde, weil er sich in Berchtesgaden unerlaubt von der Truppe entfernt hatte. Vor kurzem haben Rosenheims Gammler ihr Quartier wechseln müssen, das bis jetzt ein Bauschuppen auf dem Gelände des Hallenbades war.“

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„Nach drei Jahren Amtszeit des Stadtrats zog die CSU-Fraktion Bilanz. Zur Arbeitsmethode des Oberbürgermeisters sagte Bürgermeister Miehle, daß sein Stil zwar manchmal autoritär anmute, damit aber das Beste für die Bevölkerung erreicht werde.

Bürgermeister Miehle erinnerte an die Marksteine dieser drei Jahre: Bau des Verwaltungsgebäudes an der Königstraße 15, Umbildung von Volksbücherei und Volkshochschule, Grunderwerb zum Volksschulbau in Happing, Erweiterung des Ignaz-Günther-Gymnasiums, Umbau und Anbau des Karolinengymnasiums, Doppelturnhalle und Lehrschwimmbecken am Nörreuth, Neubau der Verbandsberufsschule, Beendung des Krankenhausneubaus (51 Millionen Mark), Neubau des Schwesternwohnheims, Beginn des Hallenbadbaus.“

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„Gegen alle Erwartungen muß schon demnächst von der Erweiterungsmöglichkeit für den vor fünf Jahren neugebauten Schlachthof Gebrauch gemacht werden. Die Kapazität soll verdoppelt werden.“

„Viele hatten es ja schon längst befürchtet, doch seit gestern ist es praktisch offiziell: Über die, noch immer in den Verkehrsministerien in München und Bonn unter Verschluß gehaltene Machbarkeitsstudie für eine Zulaufstecke zum künftigen Brennerbasistunnel – sie sollte frühestens Ende April an die Öffentlichkeit – wurden der gestrigen Sitzung der Arbeitsgemeinschaft Transitverkehr im Landratsamt vorzeitig bekannt, daß das Inntal als Zulauftrasse längst ,beschlossene Sache‘ ist. Keine andere Lösung käme in Frage. Dieser Plan sei bei einer bereits erfolgten Überprüfung durchgefallen. Diese ,Bombe‘ ließ Dieter Fellner, Ministerialrat im bayerischen Verkehrsministerium, zuständig für Bahnangelegenheiten, zur sichtlichen Überraschung der ARGE-Mitglieder, voran Landrat Dr. Max Gimple, während seiner Ausführungen über die Folgen des EU-Beitritts Österreichs platzen.“

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„Endstation für ausrangierte Fernsehapparate, Schränke und Küchengeräte ist bis jetzt die Müllverbrennung. Nicht selten wandern dort auch Geräte hin, die eigentlich noch funktionieren. Das soll sich ändern. „Wir wollen die Lebensdauer dieser Gegenstände verlängern und somit die Umwelt schonen“, sagt Dieter Sommer, Dienststellenleiter der Rosenheimer Arbeitslosenprojekte beim Diakonischen Werk. Er hatte die Idee, in Rosenheim einen Trödelhof einzurichten, in dem Möbel und Geräte repariert und dann verkauft werden.

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