Kolbermoor/Rosenheim – Koriander, Kardamon, Safran, Zimt, Nelken: So duftet die afghanische Küche. Die kennt Aliseena Noori (17) aus dem Effeff. Denn der 17-Jährige ist dort geboren. Nach der Flucht vor den Taliban aus Afghanistan, floh die Familie nach Syrien von dort nach Oberbayern – seit fünf Jahren lebt sie in Kolbermoor. Dort besucht Aliseena Nori die Pauline-Thoma-Schule. Im vergangenen Jahr hat er den ersten Preis des NFTE-Programmes an seiner Schule gewonnen. Seine Geschäftsidee: ein afghanisches Spezialitäten-Restaurant.
Ein Jahr später gibt es noch einen Preis: Noori wurde jetzt im Rahmen des Rosenheimer Gründerpreises für seine Geschäftsidee mit dem Schüler-Sonderpreis ausgezeichnet. Laudator Ralph Kammermeier sagte: „Aliseena Nooris Geschichte hat mich beeindruckt. Klasse, was der Schüler auf die Beine gestellt hat.“
Noori selbst ist stolz: „Ich freue mich sehr über den Preis“, sagt er zum Mangfall-Boten. Und? Will er seine Geschäftsidee in die Tat umsetzen? „Ja, schon.“ Einen Ort hat er auch schon: „Ich würde das Lokal in Rosenheim eröffnen.“
Oma hat afghanischen
König bekocht
Aber erstmal muss er die Schule absolvieren: In einigen Jahren möchte er gemeinsam mit der Familie seine Idee in die Tat umsetzen: „Meine Eltern sind Köche“, erzählt er. Und seine Mama hat alles von ihrer Mutter gelernt. „Mama wurde von meiner Großmutter ausgebildet, die selbst früher für den König von Afghanistan gekocht hat.“ Für den König? „Ja“, sagt er bescheiden. Und welche Aufgaben übernimmt er für das afghanische Lokal? „Ich kann die ganzen Behördengänge erledigen und kellnern.“
Als Noori vor rund zwei Jahren im Rahmen des „Network for Teaching Entrepreneurship“ (NFTE) an seiner Schule einen Vorschlag für eine eigene Firma überlegen sollte, lag die Restaurant-Idee sehr nahe: „Ich wollte etwas Kleines machen. Etwas, was sich realisieren lässt.“
Sein Ziel ist das Lokal. Aber er verfolgt ein Weiteres: den Oberbayern seine Heimat Afghanistan näherbringen. „Im Fernsehen kommen nur Schreckensnachrichten“, sagt er. „Aber mein Heimatland ist so viel mehr“, schwärmt er. Und was sei da leichter, als den Menschen seine Heimat mit Leckereien näherzubringen? „Essen ist ein guter Anfang“, ist er überzeugt.
Als er vor etwa einem Jahr sein Restaurant auf dem Papier in der Schule vorgestellt hat, waren alle begeistert. Und natürlich hat Noori etwas zu essen mitgebracht: „Kabab, mit zwei a.“ Eine Art Brottasche mit köstlichem Inhalt – natürlich mit Koriander, Kardamon, Safran, Zimt und Nelken. So schmeckt Afghanistan.
Kabab für die
Oberbürgermeisterin
Und bei der Preisübergabe hat er der Rosenheimer Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer angeboten, ihr original afghanisches Kabab zu kredenzen. „Das ist ganz anders als das türkische Kebab“, erklärt er. Klar, er weiß, wie seine Heimat schmeckt.