Rosenheim – Mit mehr als 30 Einsatzkräften kontrollierte die Polizei gestern die Straßen rund um vier Rosenheimer Schulen. Hintergrund der Aktion ist ein Brief an Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer (CSU). In ihm fordern die Leiter von 15 Rosenheimer Schulen die Stadt auf, mehr für die Sicherheit auf den Schulwegen zu tun.
7.30 Uhr, kurz vor Unterrichtsbeginn: Fünf Polizisten kontrollieren rund um die Grund- und Mittelschule Fürstätt. Hier gilt Tempo 30 und es gibt einige Halteverbotszonen. Auf der Straße „Am Gries“ ist viel Verkehr. Ein Vater stoppt seinen Skoda direkt vor der Schule – mitten im Halteverbot vor der Feuerwehrzufahrt. Er steigt aus, will seinem Kind die Tür öffnen. Da geht schon Polizeihauptkommissar Robert Maurer (48) auf ihn zu und weist ihn freundlich, aber bestimmt auf seinen Fehler hin. Der Fahrer zeigt sich einsichtig, sagt mehrfach, er habe sein Kind lediglich absetzen wollen. Maurer versteht den Mann, weiß aber auch, dass es genau deshalb immer wieder zu Verkehrsbehinderungen kommt. „Ich verstehe nicht, warum Eltern ihre Kinder direkt bis vor die Schule fahren müssen“, sagt er und fügt hinzu: „Der nächste Weg wäre dann ins Klassenzimmer.“ Sein Vorschlag: Einfach in einer Seitenstraße parken und das Kind zu Fuß zur Schule begleiten. Wenige Minuten später derselbe Fall: Maurer muss erneut einen Vater auf das Verbotsschild aufmerksam machen. Auch in diesem Fall zeigt sich der Fahrer einsichtig und verspricht Besserung.
Viele mündliche Verwarnungen
„Viele Eltern sorgen sich um ihre Kinder und wollen sie deshalb so nah wie möglich an der Schule absetzen“, sagt Maurer. Trotz ihrer Fürsorge müssen sich die Eltern jedoch an die Verkehrsregeln halten, stellt er klar. Das gilt auch für eine junge Mutter, die ihr Auto zwar nicht im Halteverbot parkt, dafür aber fünf Meter nach einer Kurve, direkt gegenüber der Schule. „Kostet normalerweise 75 Euro“, sagt Maurer. Diesmal gibt es für die Frau nur eine mündliche Verwarnung, verbunden mit der Bitte, es beim nächsten Mal besser zu machen.
Maurer ist an diesem Morgen nicht immer so großzügig: Bei einem der Fahrer verliert er die Geduld. Der Grund: Der Mann ist mit seiner Tochter unterwegs. Das Mädchen sitzt auf dem Beifahrersitz, ohne Kindersitz. „Dafür habe ich kein Verständnis“, sagt Maurer. Er lässt sich den Führerschein zeigen, schreibt eine Anzeige. Der Verkehrssünder muss nun mit einem Bußgeldverfahren rechnen und bekommt Punkte.
Auch an den anderen drei Kontrollstellen, an der Prinzregentenschule, der Grund- und Mittelschule in Westerndorf St. Peter und an der Mittelschule am Luitpoldpark, hatten die Polizisten alle Hände voll zu tun. Die Bilanz: In den drei Stunden des Einsatzes telefonierten 24 Autofahrer während der Fahrt und 37 Fahrer trugen keinen Gurt. Maurer ist zufrieden: „Es ging vor allem um die Prävention. Wir wollten die Autofahrer sensibilisieren.“
Auch Herbert Unterreiner (42), Rektor der Mittelschule am Luitpoldpark, der für die Unterzeichner des Briefes spricht, ist froh über die Aktion der Polizei. „Wir verfolgen alle das gleiche Ziel – die Sicherheit der Schüler.“ Denn dass es ein „gewisses Gefahrenpotenzial“ auf den Schulwegen gibt, steht für ihn außer Frage. Er selbst fährt mit dem Radl oder der Vespa zur Schule und erlebt, nach eigener Aussage, häufig gefährliche Situationen. Deshalb hat er durchaus Verständnis dafür, dass viele Eltern ihr Kind aus Sicherheitsgründen direkt bis vor die Schultür bringen. Aber: Er kennt auch Eltern, die im Zeitstress, keine Rücksicht nehmen. Mit dem Brief an die Oberbürgermeisterin wollen Unterreiner und seine Mitstreiter aber noch etwas anderes erreichen: Dass die Stadt schon im Rahmen ihrer Verkehrsplanung nicht vergisst: „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen.“