Fügt sich gut ins Straßenbild: die Fassade des Hauses Königstraße 13 in Rosenheim. Bauherr ist die „Grundstücksverwaltung Aicher Franz senior“.
Rosenheim – „Fassade“: Ein Begriff, der in Sprichwörtern und Redewendungen dafür herhalten muss, zu zeigen: Es gibt auch ein Dahinter. Dass aber die Fassade allein auch eine wichtige Rolle spielen kann – zeigt sich beim Fassadenpreis, den die Stadt Rosenheim einmal im Jahr vergibt. Was hinter der preiwürdigen Hülle steckt, ist dabei erst einmal unwichtig.
Der Sieger prägt
das Stadtbild
Der Fassadenpreis der Stadt Rosenheim geht diesmal an die „AR Vermögensverwaltungs KG“. Damit würdigt die Stadt das Engagement des Unternehmens für das Gebäude in der Stollstraße 10. In der Begründung heißt es, das Haus sei zwar im Inneren kein Baudenkmal, gleichwohl „prägt es mit seiner historischen Fassade das Straßenbild im Bereich Stollstraße/Nikolaistraße/Am Salzstadel“.
Nach einem Eigentümerwechsel hat die „AR Vermögensverwaltung KG“ das Haus aus dem Jahr 1887 umgebaut und saniert. Nun kann auch das Dachgeschoss genutzt werden. Insgesamt finden sich im Anwesen sieben Wohnungen, im Erdgeschoss ist eine Arztpraxis eingezogen. Die Fassade selbst zeigt nun wieder ihren historischen Charme: Die neuen Holzfenster orientieren sich an der ursprünglichen Fassadengestaltung. Sanierte und erhaltene Balkone, der instandgesetzte, schmiedeeiserne Zieraufsatz auf dem Quergiebel der Dach-Längsseite und auch die restaurierte Eingangstüre tragen ebenfalls ihren Teil zur hochwertig sanierten Fassade bei, befanden die Stadträte im Stadtentwicklungs- und Baugenehmigungsausschuss.
Sehr zur Freude von Andreas Rutterschmidt von der „AR Vermögensverwaltungs KG“. Ziel der Sanierung sei es gewesen, das Gebäude aufzuwerten und zugleich den Salzstadel mit einzubeziehen. Der Preisträger erhält eine Urkunde, ein Plakat mit Aufnahmen der gewürdigten Objekte und eine Keramikplakette, die am Gebäude festgemacht werden kann.
Eine Anerkennung, in Form eines Plakats und einer Urkunde, bekommt die „Grundstücksverwaltung Aicher Franz senior“. Sie hatte sich der Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes in der Königstraße 13 angenommen. Auch hier wurde das Dachgeschoss ausgebaut und die Fassade des Miethauses aus dem Jahr 1875 neu gestaltet. Die Bauherren ließen die alten Kunststoff-Fenster austauschen und die Fassade streichen. Bei beidem achteten sie auf historische Fassungen. Die Fassade besticht nun durch eine „in sich sehr homogene und stimmige Gestaltung“, die „die Bedeutung des Anwesens im Straßenbild wieder in angemessener Form“ herausstelle, heißt es in der Laudatio. Das Haus Königsstraße 13 ist als Einzeldenkmal in der Liste der Stadt Rosenheim eingetragen.
Auch Franz Aicher senior freut sich über die Anerkennung durch die Stadt. Es sei geplant, in einem zweiten Schritt das Haus auch innen zu sanieren, wo der Vorbesitzer „sehr lieblos“ gewerkelt habe, ohne auf historische Belange zu achten. Bekannt ist die Königstraße im Übrigen wegen einer Gruselgeschichte: Es habe hier einmal gespukt, heißt es. Die Mitarbeiterin eines Rechtsanwaltes habe offensichtlich besondere Fähigkeiten gehabt, erzählt Aicher. Sie ließ unter anderem Möbelstücke wandern.
Neun Wohnungen statt einer Pension
Ebenfalls eine Anerkennung geht an die „Wohnorte GmbH“, vertreten durch Georg Trautmann. Er hat das Anwesen Münchener Straße 74 im Jahr 2017 umgebaut, von einer Pension zu einem Wohn- und Geschäftshaus. Im Erdgeschoss des Anwesens aus dem Jahr 1885 soll einmal ein Café einziehen. Platz für das gastronomische Angebot ist auf gut 122 Quadratmetern.
In den Obergeschossen haben neun Wohnungen Platz gefunden. Auch hier wurde das Dachgeschoss ausgebaut. Doch obwohl sich dadurch die Proportionen des Gebäudes geändert haben, sei es „doch gelungen, die Fassaden in ihrer Qualität nicht nur zu erhalten, sondern dem Gebäude zusätzliche Eleganz zu verleihen“, heißt es in der Würdigung. Wie Georg Trautmann sagt, ist das gesamte Gebäude verkauft.
Damit ist auch die Geschichte der Pension besiegelt, die hier der ehemalige Eigentümer über mehr als vier Jahrzehnte geführt hatte und die zuletzt 52 Zimmer zählte. Gerade diese Vielzahl der Zimmer habe die Arbeiten erschwert, sagte Trautmann. Unter anderem deshalb hätten sich die Umbauten über zwei Jahre hingezogen. „Eine sehr lange Zeit“, sagt Trautmann – und freut sich nun über die Auszeichnung.