Rosenheim – Der TSV 1860 Rosenheim gehörte einst zu den erfolgreichsten Leichtathletikvereinen im Landkreis. Mittlerweile ist es um ihn ruhig geworden. Die alte Vorstandschaft gibt es nicht mehr und auch die Erfolge bleiben aus. Jetzt will Hans Buchner (64) den Verein neu aufbauen.
Hans Buchner, ehemaliger Mehrkämpfer, kennt sich in der Leichtathletik aus. Er selbst beginnt seine Karriere in Wasserburg, wechselt später zum TSV 1860 Rosenheim. Die Verbindung nach Rosenheim bleibt auch nach dem Ende seiner sportlichen Laufbahn bestehen. Er bemerkt, wie sich die Situation im Verein verändert. Seine Tochter – ebenfalls Mitglied beim TSV 1860 – spricht von Spannungen in den einzelnen Trainingsgruppen und einer schlechten Kommunikation. Buchner stört die Situation. Als die Vorstandschaft vor anderthalb Jahren von einen Tag auf den anderen das Handtuch geworfen habe, stellte Buchner sich zur Wahl. „Der Sport liegt mir einfach am Herzen“, sagt er. Buchner wird Vorsitzender. Eine Stellvertreterin gäbe es zwar, die mache derzeit aber ein berufsbegleitendes Studium. „Ich bin eine One-Man-Band“, sagt er.
Buchner beginnt seine Arbeit als Vorsitzender ohne jegliche Erfahrung. „Ich bin in einem Bereich reingekommen, mit dem ich noch nie etwas zu tun hatte.“ Statt selbst zu trainieren, kümmert er sich jetzt um die Organisation von Wettkämpfen und Trainingslager. Er bucht Hotels, kümmert sich um die Anfahrt und die Belegung der Sportplätze.
Sein Ziel: Mit den eingeschränkten Mitteln, die dem Verein zur Verfügung stehen, Qualität schaffen. „Wir wollen Athleten mit Talent wieder unter die ersten drei in Oberbayern bringen.“
Momentan zählt der Verein 220 Mitglieder, davon 120 Aktive. Zwei sind im Nachwuchskader, ein anderer nahm an der Seniorenmeisterschaft teil. Dazwischen nichts. Ein Problem, weiß auch Buchner. Die Altersklassen U8 und U10 seien gut besetzt, mit zunehmendem Alter werden es aber immer weniger. „Sobald es vom Spielerischen zum Leistungsorientierten geht, hören viele Athleten auf.“ Das Problem: die Aufklärung fehle. Vielen sei einfach nicht bewusst, dass die Trainingseinheiten und Wettkämpfe anspruchsvoller werden. Hier setzt Buchner auf eine bessere Kommunikation mit den Eltern.
Damit der Verein irgendwann wieder ganz oben dabei ist, braucht es außerdem gute und qualifizierte Trainer. Momentan seien die wenigen, die dem Verein zur Verfügung stünden, unterbezahlt, und durch Studium und Arbeit zeitlich eingeschränkt. Ein weiteres Problem, das Buchner versucht zu lösen. Positiv sei, dass viele Sportler seit einigen Monaten als Co-Trainer einsprängen. Eine große Hilfe für den Vorsitzenden und ein Zeichen, dass sich in der Abteilung etwas tut. „Unsere Sportler engagieren sich. Sie denken nicht nur an sich selbst, sondern unterstützen sich gegenseitig.“ Wenn trotz des Einsatzes der Jugendlichen ein Trainer fehlt, springt Buchner selbst ein. Seine langjährige Erfahrung als Leistungssportler kommt ihm hier zugute.
Und noch etwas liegt dem 64-Jährigen am Herzen: Die Abteilung soll breiter aufgestellt werden. Momentan liege der Fokus vor allem auf Sprint und Hürden. Buchner will auch die übrigen Disziplinen, wie Wurf und Stabhochsprung, wieder attraktiver machen. Statt sich als Einsteiger also auf eine Disziplin festzulegen, sollen sich die Athleten erst später spezialisieren.
Apropos Stabhochsprung: Über viele Jahre konnte diese Disziplin beim TSV 1860 Rosenheim überhaupt nicht ausgeübt werden. Es fehlte an einer Matte. Die kostet im Schnitt 15 000 Euro. Eine Summe, die der Verein unmöglich stemmen konnte. Buchner lässt seine Kontakte spielen – mit Erfolg. Der TSV bekommt die alte Matte aus Waldkraiburg. Kostenlos. „Jetzt können wir das ganze Spektrum anbieten“, sagt Buchner stolz.
Sein Einsatz hat einen faden Beigeschmack: „Mein Privatleben bleibt komplett auf der Strecke“. Verständlich – viermal abends hilft er als Trainer aus, am Wochenende ist er unterwegs, um mit seinen Schützlingen an Wettkämpfen teilzunehmen und in der restlichen Zeit kümmert er sich um seine Arbeiten als Vorsitzender. Ein zeitintensives Ehrenamt. Und warum? „Ich will einfach dazu beitragen, dass Rosenheim wieder vorne dabei ist“, sagt er.